Ein herber Dämpfer

Ein herber Dämpfer

Sparta Prag verliert überraschend gegen Slovan Liberec und fällt im Titelrennen weiter zurück

23. 4. 2015 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: fifacz.com

Es sollte ein Signal der Klubleitung an das Team sein. Vergangene Woche hat Sparta Prag seinen Cheftrainer Vítězslav Lavička durch Zdeněk Ščasný ersetzt. Der 57-Jährige trat seine Stelle mit dem Auftrag an, das Ruder im Kampf um die Meisterschaft zugunsten Spartas herumzureißen. Der herbeigesehnte Trainerwechsel-Effekt verpuffte jedoch wirkungslos. Gleich in seinem ersten Spiel musste der neue Coach vergangenen Samstag mit ansehen, wie seine Mannschaft bei Slovan Liberec mit 1:2 verlor und wohl entscheidend zurückgeworfen wurde. Zwar konnte Tabellenführer Viktoria Pilsen den Patzer des ärgsten Widersachers durch ein 0:0 beim FK Teplice am Montagabend nur bedingt ausnutzen, doch mit sechs Punkten Vorsprung bei gleich vielen ausstehenden Spielen könnten die Würfel im Meisterrennen gefallen sein.

So ganz aufgeben wollen die Spartaner jedoch noch nicht. Vor allem angesichts der Tatsache, dass sie Pilsen Anfang Mai noch im eigenen Stadion empfangen werden. Derweil versucht der Verein, auf dem grünen Tisch erfolgreicher zu sein als auf dem Platz. Sparta legte gegen zwei Schiedsrichterentscheidungen Protest bei der Liga ein, „da diese grundlegenden Fehler des Unparteiischen den Ausgang des Spiels gegen Liberec maßgeblich beeinflusst haben“, wie auf der Homepage des Klubs zu lesen war. Zwei offensichtliche Foulspiele seien nicht geahndet worden und hätten danach direkt zu den Gegentoren geführt. Am Montag ließ die zuständige Kommission per Pressemitteilung verlauten, dass sie die Entscheidungen des Unparteiischen stütze. Ein Präzedenzfall droht diesbezüglich also nicht, auch wenn der Kläger Tschechiens bedeutendster Verein ist.  

Ungenutzte Chancen
Die Niederlage auf dem Rasen müssen die Spartaner voll und ganz auf die eigene Kappe nehmen. Die Ščasný-Elf wirkte schlecht organisiert und vom Trainerwechsel eher irritiert als beflügelt. Das Team von Slovan, das seinerseits gegen den Abstieg spielt, ließ den Gegner von Beginn an spüren, mit welch harten Bandagen es gewillt ist, um den Klassenerhalt zu kämpfen. Auf beiden Seiten ergaben sich zahlreiche Torszenen, doch Sparta blieb im Abschluss erschreckend ineffizient. „In der ersten Halbzeit waren wir völlig unfähig, der aggressiven Spielweise Slovans etwas entgegenzusetzen. Wir haben ein gutes Fußballspiel gesehen, leider mit dem schlechteren Ende für uns“, so Ščasnýs Kurzanalyse nach Schlusspfiff.

Der Sparta-Trainer zählte insgesamt „sechs bis sieben sehr gute Chancen“ für sein Team. Angesichts der geballten Offensivqualität um die Nationalspieler David Lafata, Ladislav Krejčí oder Bořek Dočkal hätte mehr möglich sein müssen als Lafatas Ausgleich in der 26. Minute. Kurz zuvor schloss Dzon Delarge einen schön vorgetragenen Konter überlegt zur Führung für Liberec ab. Das Unentschieden zur Pause schmeichelte den Gästen aus Prag. Danach wirkte der Meister gefestigter, doch Slovans Verteidiger Lukáš Pokorný nutzte nach einem Eckball die kollektive Orientierungslosigkeit der Spartaner zum Siegtreffer in der 64. Minute. „Wir haben uns mehr Möglichkeiten erarbeitet und deswegen auch verdient gewonnen. So sollten wir immer spielen“, zeigte sich Liberec-Coach David Vavřuska begeistert. Hätte Slovan sein zweifellos vorhandenes Potenzial schon früher in dieser Saison umgesetzt, stünde das Team in einer ganz anderen Tabellenregion. Zur Zeit bedeutet Rang 14 fünf Punkte Abstand zur Abstiegszone.

Viktoria Pilsen dominierte das Spitzenduell des Spieltages gegen den Tabellensechsten aus Teplice über 90 Minuten. Drei Mal trafen die Pilsener Aluminium, ein weiteres halbes Dutzend guter Chancen hätten dem Erstplatzierten zum Sieg reichen müssen. So gewann er dank des torlosen Unentschiedens lediglich einen Zähler. „Den einen Auswärtspunkt nehmen wir trotzdem gerne mit“, so Viktoria-Trainer Miroslav Koubek. „Unsere Lage ist gut, aber mit nun sechs Punkten Vorsprung auf Sparta ist noch nichts entschieden“, gab er den Mahner, als er bei der Pressekonferenz auf die mögliche Entscheidung im Ringen um den Titel angesprochen wurde. Es liegt in der Natur der Sache, dass er die Spannung aufrechterhalten will, schließlich ist Pilsen noch nicht am Ziel. Zeigt Spartas Trainerwechsel aber auch in den kommenden Partien keine Wirkung, dürfte Pilsen bald den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte feiern.



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