Die Würfel sind gefallen

Die Würfel sind gefallen

Mladá Boleslav und Liberec schaffen den Sprung in den Europapokal

3. 6. 2015 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: PZ (Die Mannschaft von Slovan Liberec feiert den Pokalsieg)

Es blieb spannend bis kurz vor Schluss. Der FK Mladá Boleslav und der 1. FK Příbram lagen mit je 43 Punkten gleichauf, als es vergangenen Samstag darum ging, wer von den beiden Klubs den letzten Uefa-Pokal-Platz ergattert. Příbram musste am 30. Spieltag der Synot-Liga-Saison zum neuen Meister nach Pilsen reisen, dort punkten und gleichzeitig hoffen, dass der Konkurrent zuhause gegen Jihlava patzt. Příbram erfüllte sein Soll jedoch nicht und verlor mit 2:5, sodass dem 3:0-Sieg von Mladá Boleslav keine Bedeutung mehr zukam. Die Blauweißen steigen somit im Juli in die 2. Qualifikationsrunde für die Europa League ein. Ebenfalls im europäischen Geschäft ist der FC Slovan Liberec. Am Mittwoch vergangener Woche gewannen die Nordböhmen das Pokalfinale gegen Baumit Jablonec mit 4:2 nach Elfmeterschießen.

Liberec rettete damit eine völlig missratene Spielzeit, in der sich der Meister des Jahres 2012 zum unbestrittenen Remis-König mauserte. Insgesamt zwölf Mal musste Slovan die Punkte teilen, dem gegenüber standen lediglich sieben Siege. Den Triumph im Pokalendspiel musste man sich hart erkämpfen. Bis zur 86. Minute lag Slovan noch mit 0:1 zurück, ehe Marek Bakoš der Ausgleich gelang. Im Elfmeterschießen behielten die Mannen von Trainer David Vavruška die Nerven und bescherten dem Klub somit den zweiten Sieg im Pokalwettbewerb nach dem Jahr 2000.

Am Samstag wurde auch 50 Kilometer südlich von Liberec gejubelt. „Ich bin froh, dass wir es geschafft haben. Wir haben uns nach der Pause nur noch auf uns konzentriert und die zuletzt dürftigen Resultate aus den Köpfen bekommen“, zeigte sich Mladá Boleslavs Kapitän Lukáš Magera erleichtert. Er und seine Teamkollegen schielten nach den ersten 45 Minuten schockiert nach Pilsen, wo Příbram mit 2:1 führte. Selbst lag man nach einem Tor von Stanislav Klobása nur mit 1:0 vorne. Doch Jasmin Ščuk und Magera selbst sorgten bis zur 78. Minute für Beruhigung in den eigenen Reihen. Gleichzeitig drehte Meister Viktoria Pilsen das Duell gegen Příbram. Die Entscheidung war gefallen.

DER PZ-SAISONRÜCKBLICK

Vergangenen Sonntagabend endete die Saison der höchsten tschechischen Spielklasse mit einem Gala-Abend. Spartas Kapitän und Torschützenkönig David Lafata (20 Treffer) gewann den „Goldenen Ball“ als bester tschechischer Spieler der Saison, Pavel Kadeřábek erhielt die Auszeichnung als wertvollster Spieler der Liga. Die „Prager Zeitung“ präsentiert ihre eigene Bestenliste und blickt noch einmal auf die Saison 2014/2015 zurück.

Der herausragendste Spieler

Bořek Dočkal (AC Sparta Prag). Der Nationalspieler bestätigte seine starke erste Saison (zwei Tore, 19 Vorlagen) in Diensten des Rekordmeisters mit zehn Toren und elf finalen Pässen. Somit etablierte sich der 26-Jährige bei seinem Verein als unverzichtbare Führungskraft. Auch in der Nationalmannschaft setzte der kräftige Offensivmann Akzente und erzielte unter anderem das wichtige 1:0 in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande. Schafft Sparta im Sommer die Qualifikation für die Champions- oder Europa League nicht, dürfte Dočkal spätestens Ende August reif für einen Transfer in eine stärkere Liga sein.

Der beste Trainer

Jaroslav Šilhavý (FK Baumit Jablonec). Vor über einem Jahr verließ der charismatische Übungsleiter nach drei sehr erfolgreichen Jahren Slovan Liberec (Meistertitel 2012) in Richtung Jablonec. Dort formte er ein Team, das sich souverän für den Europapokal qualifizierte, attraktiven Fußball spielte und als einzige Mannschaft das Spitzenduo Pilsen/Sparta herausfordern konnte. Man darf gespannt sein, ob der 53-Jährige den Verein auch in die Gruppenphase der Europa League führt. Bis dorthin hat es der kleine Verein noch nie geschafft.

Das beste Team

Diese Auszeichnung geht ohne Zweifel an den neuen Meister FC Viktoria Pilsen. Ausschlaggebend für den Erfolg bei den Westböhmen war der ausgeglichen besetzte Kader. Zahlreiche Nationalspieler wie David Limberský, Daniel Kolář oder Milan Petržela spielten jeder für sich zwar keine herausragende Saison, aber im Verbund schafften sie es, auch in schwächeren Phasen nie unter ein bestimmtes Niveau zu fallen. Diese Konstanz machte letztendlich den Unterschied zum wankelmütigen Rivalen Sparta Prag aus.

Die größten Enttäuschungen

Hier gibt es gleich mehrere Kandidaten. Als erstes fällt der Name Milan Baroš (FC Baník Ostrava). Der 33-Jährige gehörte in seiner Blütezeit zu den begehrtesten Stürmern Europas. Vor rund anderthalb Jahren kehrte er zu seinem Stammklub zurück. Seither bestritt er 23 Partien und erzielte sieben Treffer. In der abgelaufenen Saison nur deren zwei – ein niederschmetternd schwacher Wert. Einmal mehr enttäuschte auch Slavia Prag. Der Traditionsverein startete gut, brach danach aber komplett ein und musste bis kurz vor Schluss der Saison um den Klassenerhalt bangen. Und zuletzt schüttelt manch ein deutscher Fan auch den Kopf über einen Zuschauerschnitt pro Spiel von lediglich 4.738. Das sind mehr als 300 weniger als in der Saison 2013/14. Lediglich Viktoria Pilsen schaffte einen Schnitt von über 10.000 Zuschauern pro Heimspiel.

Das Kuriosum

In Anlehnung zum dritten Punkt der Kategorie „Die größten Enttäuschungen“. Letzter Spieltag: Der FK Mladá Boleslav braucht einen Sieg, um sich definitiv für das internationale Geschäft zu empfehlen. Die Elf von Trainer Karel Jarolím hat es in den eigenen Füßen, die Saison mit einem Fußballfest erfolgreich abzuschließen und tut dies mit einem 3:0 gegen Jihlava. Der Jubel ist groß im Team, nur kriegt das in der Stadt kaum jemand mit – 2.400 Unentwegte interessiert es, was der lokale Fußballverein so treibt. Sogar Kehraus-Partien in der deutschen Regionalliga ziehen mehr Publikum an.