Die Krachmacher

Die Krachmacher

1. Januar, 18.01 Uhr – Zwei Pyrotechniker berichten von ihrem großen Auftritt an der Moldau

29. 12. 2014 - Text: Sabina PoláčekText: Sabine Polaček; Foto: čtk/Michal Doležal

Der Artikel erschien in Ausgabe 52/2012.

Tausende Menschen bibbern vor Kälte am Moldauufer und recken die Hälse gen Himmel. Gleich. Gleich geht ein glitzerndes Farbspiel am Prager Nachthimmel los. Während die Augen der Zuschauer vor Vorfreude glänzen, liegen beim verantwortlichen Pyrotechniker die Nerven blank. Seit acht Uhr früh geht David Nový in Gedanken den Ablauf der Leucht- und Knalleffekte durch, die er Wochen zuvor mit passender Musik programmiert hat, kontrolliert die elektrischen Schaltungen, verfolgt die Wetterlage. „Am schlimmsten ist die letzte Stunde vor dem Abfeuern – da herrscht Adrenalin pur“, erzählt Nový. Er ist 42 und lernte Pyrotechnik in Japan. Seit 15 Jahren ist er im Geschäft. Zahlreiche Preise bei internationalen Feuerwerkmeisterschaften hat er gewonnen. „Alle Tests sind gemacht, alles überprüft und nun klappt es – oder eben nicht. Wenn es gut läuft, bist du ein König. Wenn es schlecht läuft, jagen dich alle zum Teufel.“ Das war vor dem Jahreswechsel 2011 zu 2012. Alle Raketen gingen in die Luft nach Plan. „Ein Feuerwerk zu gestalten ist etwa so, als ob man in den Himmel malt“, sagt Nový.

Von der Schützeninsel zur Feuerwerksrampe
Auch für dieses Jahr hat die Prager Stadtregierung ein Silvesterfeuerwerk bestellt und im November die Bürger über die Uhrzeit des Spektakels entscheiden lassen. Von rund 4.300 Teilnehmern stimmten über 3.500 Personen für einen Beginn am Neujahrstag um 18.01 Uhr. „Diese Variante sagt den Familien mit Kindern und älteren Bürgern mehr zu“, sagte der Oberbürgermeister Bohuslav Svoboda. In diesem Jahr wird das Feuerwerk erneut von der Schiffsbrücke zwischen der Karlsbrücke und der Schützeninsel (Střelecký ostrov) gezündet. Schon zu Zeiten Karls IV. diente diese den Prager Schützen als Ort für ihre Schießübungen mit Armbrust, Pfeil und Bogen. Im 18. Jahrhundert versammelten sich dort die Menschen am Johannistag, um an Schießwettbewerben teilzunehmen. 

In diesem Jahr hat der Magistrat für das Neujahrsfeuerwerk die Firma „Ohňostroje Krupička“ auserkoren. „Es ist eine große Chance“, sagt Václav Krupička. Zehn Minuten soll die Show dauern, 970.000 Kronen (39.000 Euro) kostet sie. Der erste Teil bietet in 400 Sekunden 2.100 Effekte zum musikalischen Motiv „Equinoxe“ des französischen Elektro-Pioniers Jean Michel Jarre. Der zweite Teil zeigt in 220 Sekunden 1.300 Effekte. Dazu wird „Vltava Remix“ zu hören sein.

Nur die Großen im Rennen
David Nový hat sich mit seiner Firma Minergis diesmal nicht beworben. „Die Ausschreibung der Stadt mit ihren strengen Teilnahmevoraussetzungen ist diskriminierend“, ärgert sich Nový. Denn der Magistrat nahm in diesem Jahr nur Bewerbungen von Firmen an, die in den vergangenen drei Jahren mindestens drei Aufträge im Wert von 500.000 Kronen (20.000 Euro) vorweisen können. „Ich frage mich, wer diese Bedingung in Tschechien überhaupt erfüllt – ich denke, nur einer. Damit schieden gleich zu Beginn alle Konkurrenten aus“, mutmaßt Nový Im Jahr 2011 habe die Summe mit 200.000 Kronen (8.000 Euro) deutlich darunter gelegen, wodurch mehr Unternehmen ins Rennen gehen durften. Václav Krupička stört das freilich nicht. „Der Auftraggeber bestimmt eben die Regeln.“ Schließlich handele es sich hierbei um viel Geld.

Die Vorbereitungen auf das Spektakel rauben dem Team von Krupička den Atem. „Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Alles muss in kürzester Zeit organisiert werden – vom pyrotechnischen Material bis hin zu Genehmigungen.“ Am 5.12. erhielt Krupička den Auftrag. Seitdem läuft der Countdown.

Nicht so laut
Die Logistik der rund vier Tonnen explosiven Ware ist mindestens so anspruchsvoll wie die Auswahl der Raketen und leuchtenden Effekte zur Musik, die sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen. Dann der Poker mit dem Wetter. Zuviel Nebel kann den Zuschauern die Sicht rauben. So war es letztes Jahr in Brünn, als noch vor Ende des Feuerwerks viele Zuschauer nach Hause gingen. Zu laut soll das Feuerwerk auch nicht sein. Das wünschen sich viele Bürger der Prager Altstadt, wo jeder Raketenschuss in den Gassen hallt wie ein Donnerschlag. Der Magistrat bat Nový vor einem Jahr um eine leise Show. Der beste Ort, um das Neujahrsfeuerwerk 2013 zu sehen, ist nicht zwingend die Karlsbrücke: „Wenn sich der Wind dreht, kann der Rauch zu den Leuten auf der Karlsbrücke herüberwehen“, sagt David Nový. Václav Krupička, der kommende  Zeremonienmeister, empfiehlt die Brücke der Legionen und das Smetana-Ufer.



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