Die Eroberung des Raumes

Die Eroberung des Raumes

Neu im Messepalast: Bilder und Installationen von Theodor Pištěk

3. 10. 2012 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Foto: NGP

 

Beinahe jeder Prag-Besucher dürfte sie schon einmal gesehen haben, sofern er einen Abstecher auf die Burg unternommen hat: die in elegantes Blau gekleideten Wachposten. Die wenigsten wissen wahrscheinlich, dass die Uniform den Entwürfen eines mehrfach ausgezeichneten Künstlers entspringt, Theodor Pištěk. Mit der Ausstellung „Ecce Homo“ ermöglicht die Nationalgalerie im Messepalast (Veletržní palác) in Holešovice derzeit einen Einblick in die Arbeit des Malers und Kostümbildners. Über 100 Gemälde, Zeichnungen und Assemblagen sowie eigens für die Ausstellung geschaffene Rauminstallationen vermitteln das Bild eines ebenso vielseitigen wie einfallsreichen Künstlers, dessen Werk über bloßes Design weit hinausgeht.

Internationale Erfolge
Als Spross eines Schauspielerehepaares kam Pištěk 1932 in Prag zur Welt. Seine Karriere als Kostümbildner begann er in den Barrandov-Filmstudios, wo er unter anderem die Bekleidung für „Happy End“, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sowie die TV-Serie „Pan Tau“ entwarf. In den achtziger Jahren erlangte er durch sein Mitwirken bei internationalen Produktionen weltweite Anerkennung: 1985 gewann Pištěk den Oscar für das beste Kostüm in Miloš Formans Filmdrama „Amadeus“. 1990 folgte der französische César für die besten Kostüme in „Valmont“, für die er zudem eine weitere Oscar-Nominierung erhielt. Neben seiner filmischen Arbeit beschäftigte sich der heute 80-Jährige immer auch mit der Malerei.

In fotorealistischen Gemälden spiegelt sich Pištěks beständige Auseinandersetzung mit der Illusion und den Möglichkeiten des Raumes im Bild sowie dem Bild im Raum wider. Vor allem die schillernde Moderne sowie die Welt der hohen Geschwindigkeit sind Gegenstand dieser Werke. Sie künden damit zugleich von des Künstlers Leidenschaft für schnelle Autos, die er als Testfahrer für Porsche in den siebziger Jahren auslebte.

Neben diesen erstaunlich vielschichtigen Bildern – christliche Symbolik findet man in den Werken ebenso wie allerhand ironische Brüche – befinden sich auch aus Autoteilen gefertigte Assemblagen, Skulpturen sowie großräumige Installationen in der Ausstellung. Zum Teil begehbar, eröffnen diese dem Besucher verschiedene Spielarten des Raumes, zeugen von seiner Täuschungskraft und hinterfragen seine Zugänglichkeit. Mit Pištěk wird der Betrachter aufgefordert, den vor ihm liegenden manifesten Weg in Richtung der vielen denkbaren Wege durch die Wirklichkeit zu verlassen: „Ich liebe den Weltenraum – den endlosen Himmel, die beruhigenden Wolken und den Horizont, der uns dazu auffordert, über ihn hinaus zu gehen. Das ist der Grund, weshalb mir die Täuschung (des Bildes) nicht mehr ausreicht und ich aus dem Raum des Gemäldes heraustreten muss“.   

Theodor Pištěk: Ecce Homo, Veletržní palác (Dukelských hrdinů 530/47, Prag 7), geöffnet: täglich außer montags 10–18 Uhr, Eintritt: 120 CZK (ermäßigt 60 CZK), bis 6. Januar 2013



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