Die Abgründe Hollywoods

Die Abgründe Hollywoods

Neu im Kino: David Cronenberg zeigt in „Maps to the Stars“ die dunkle Seite der Filmwelt

30. 10. 2014 - Text: Peter HuchText: Peter Huch; Foto: MFA

Der Kanadier David Cronenberg nimmt sich nach Filmen über Fliegen und Drogen der Abgründe Hollywoods an. Es ist erstaunlich, dass es der Meister des Körperhorrors in seiner inzwischen 45-jährigen Karriere stets geschafft hat, den Sunset Boulevard zu umgehen.

Auch dieses Mal verbrachte er nur einige Tage vor Ort, den Rest drehte er in Toronto. Die Geschichte des Films „Maps to the Stars“ wirkt, als wäre sie Kenneth Angers Skandalchronik „Hollywood Babylon“ entnommen: Es ist die Erzählung einer dem Untergang geweihten Schauspielerin namens Havana Segrand (Julianne Moore), die nicht nur Probleme mit dem Älterwerden hat, sondern auch noch in ihren Träumen von ihrer toten Mutter verfolgt wird.

Neue Rollen bleiben aus, die Lebenskrise spitzt sich zu. Den anderen Erzählstrang bildet eine Bilderbuchfamilie des Schreckens. Um den erfolgreichen Psychotherapeuten Dr. Stafford Weiss (John Cusack) spinnt sich eine Sippe, die zwischen Pyromanie, Inzest, Drogenmissbrauch und Gewalt lebt. Einziger menschlicher Lichtblick des Films ist Jerome Fontana (Robert Pattinson), mit dem Weiss’ Tochter Agatha (Mia Wasikowska) eine Liaison hat. Fontana ist ein träumerischer Chauffeur, um den sich der Wahnsinn Hollywoods legt.

Die Entstehungsgeschichte des Streifens ist so spannend wie der Film selbst. Das Drehbuch des Hollywood-Kritikers und Schriftstellers Bruce Wagner lag zwanzig Jahre im Schrank, bis sich schließlich Cronenberg des Werks annahm. Doch kein Hollywood-Produzent wollte dafür Geld geben und so lag das Stück sechs Jahre lang nur als Wunsch vor, bis die Realisierung endlich in Angriff genommen wurde. „Maps to the Stars“ ist ein Drama fernab von dem Bild, das Hollywood gerne selbst von sich zeigt. Eine witzige Satire sollte man jedoch nicht erwarten, diese Vorstellung fanden sowohl Cronenberg als auch Wagner abstoßend. Cronenberg und Humor schließen sich also noch immer gegenseitig aus.



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