Deutsche Touristen als ahnungslose Drogenkuriere

Deutsche Touristen als ahnungslose Drogenkuriere

Zoll deckt neue Variante des Schmuggels von Rauschgift aus Tschechien auf

21. 11. 2012 - Text: Klaus HanischText: khan; Foto: ZFAM

Nach fünfmonatigen Ermittlungen haben bayerische Zöllner einen Ring von Rauschgifthändlern überführt. Dabei deckten die Fahnder eine neue Schmuggelvariante auf: Anscheinend werden immer öfter Touristen für Drogenfahrten aus Tschechien missbraucht, ohne darüber die geringste Ahnung zu haben.

Während deutsche Besucher auf tschechischen Asia-Märkten und in Duty-free-Shops nach günstigen Einkaufsmöglichkeiten suchen, heften ihnen Dealer eine mit Rauschgift gefüllte Kunststoffbox an der Unterseite ihres Fahrzeuges an. Der Behälter wird von einem starken Magneten gehalten. Dies erlebte eine Familie aus Nürnberg Anfang September, die ihr Auto auf einem Parkplatz abgestellt hatte. Rauschgifthändler nutzten ihren Aufenthalt und befestigten an dem Fahrzeug eine Box mit 204 Gramm Crystal und 65 Gramm Marihuana.

Mitte September wählten die Tatverdächtigen erneut ein Auto von Touristen als Transportmittel. Auch hierbei war den Insassen aus Fürth, zwei Frauen mit einem Kleinkind, nicht bewusst, dass an der Ölwanne ihres Kleinwagens gleich zwei Kunststoffboxen mit insgesamt 175 Gramm Crystal angebracht worden waren.

Obwohl die „Drogenkuriere“ völlig harmlos waren, wurden gegen sie Strafverfahren eingeleitet. „Dies erfolgt immer automatisch, wenn Drogen beschlagnahmt werden“, erklärte Christian Schüttenkopf, Sprecher des Zollfahndungsamtes München, gegenüber der „Prager Zeitung“. Denn es gebe kein Raster, um Schmuggler eindeutig vor Ort zu identifizieren. „Geschmuggelt wird von Leuten im Anzug ebenso wie von solchen in kurzen Hosen, von Inländern wie von Ausländern“, so Schüttenkopf. Kürzlich erwischten Fahnder gar ein türkisches Ehepaar mit drei Kindern, das die Drogen in den Windeln über die Grenze schmuggelte.

In den September-Fällen stellten Fahnder zudem Rauschgift in großer Menge sicher. Normalerweise ergibt sich erst im Laufe von Verfahren die Schuld oder Unschuld von Kurieren. Doch die Transporteure aus Nürnberg und Fürth hatten Glück: Der Zoll wusste bereits während ihrer Fahrt von dem Schmuggel, weil er die Telefone der Dealer abhörte.

Denn Drogenfahnder der „Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift Nordbayern“ des Bayerischen Landeskriminalamts und des Zollfahndungsamts München waren den Mitgliedern des Drogenrings bereits auf der Spur. Die Gruppe wohnte in Nürnberg, fünf Verdächtige im Alter von 21 bis 43 Jahren befinden sich zwischenzeitlich in Untersuchungshaft.

Der Zoll konstatiert in diesem Fall nicht nur eine neue Form des Crystal-Schmuggels durch unschuldige Touristen. Er weiß auch, dass die Drogen für den Markt in Nürnberg bestimmt waren, dem Wohnort der Festgenommenen. Deshalb und wegen der großen Menge an Rauschgift gehen die Beamten davon aus, dass sich der Schmuggel von Crystal über den Grenzbereich zu Tschechien hinaus weiter in die Ballungszentren Bayerns ausbreitet.

Damit ahnungslose Touristen nicht zu Rauschgiftkurieren werden, rät der Zoll zur Vorsicht. Schließlich sind Besitz, Erwerb, Verteilung sowie Ein- und Ausfuhr von Rauschgift weltweit verboten. In manchen Ländern gilt dafür sogar die Todesstrafe, auch in Deutschland drohen drastische Strafen.
Deshalb sollten Besucher in Tschechien wie generell im Ausland stets auf ihr Gepäck oder ihr Fahrzeug achten. Und sie sollten misstrauisch werden, wenn man sie bittet, Briefe oder Päckchen aus Gefälligkeit oder gegen Bezahlung mit über die Grenze und nach Hause zu nehmen. Außerdem lohnt es sich, vor Antritt der Fahrt einen Blick unters Auto zu werfen. Sollte man dort verdächtige Behälter finden, rät der Zoll dazu, die Polizei zu rufen, ein Foto anzufertigen und auf keinen Fall Spuren zu verwischen.

„Nach unseren Erkenntnissen werden Touristen derzeit im deutsch-tschechischen Grenzgebiet zu ahnungslosen Kurieren“, sagte Pressesprecher Schüttenkopf. Vor allem Parkplätze hätten die Schmuggler dort im Visier. In tschechischen Großstädten wie Prag oder Pilsen sei das Risiko dagegen gering. Zumindest derzeit noch.



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