Interview

„Deutsch lernen kann Spaß machen“

„Deutsch lernen kann Spaß machen“

Deutschlands Botschafter in Prag, Detlef Lingemann, über die Sprachkampagne „Šprechtíme“

24. 10. 2012 - Text: Ivan Dramlitsch

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Herr Botschafter, was ist das Ziel der Sprachkampagne „Šprechtíme“?
Lingemann: Junge Menschen wieder zu motivieren, Deutsch zu lernen. Wir haben deshalb diese Kampagne vor einem Jahr gestartet – wenn ich sage wir, dann meine ich die österreichische Botschaft, die deutsche Botschaft, die Handelskammern, also die deutsch-tschechische und die österreichisch-tschechische, sowie die deutschen und österreichischen Kulturinstitute hier in Tschechien sowie die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.

Was war der Auslöser für diese Kampagne?
Lingemann: Deutsche Wirtschaftsvertreter hier in Tschechien haben festgestellt, dass nicht mehr genug junge Leute zur Verfügung stehen, die nicht nur fachlich und beruflich gut qualifiziert sind, sondern auch Deutsch sprechen. Dazu muss man wissen, dass Deutschland und Tschechien sehr enge Handelspartner sind. Und die deutschen Unternehmen brauchen qualifizierte, deutsch sprechende Arbeitskräfte, und zwar hier in Tschechien – es geht nicht darum, Arbeitskräfte nach Deutschland abzuwerben.

Welche Botschaft soll mit der Sprachkampagne vermittelt werden?
Lingemann: Wir versuchen mit neuen Methoden, das Vorurteil zu überwinden, dass Deutsch eine schwer zu erlernende Sprache ist. Deutsch lernen kann auch Spaß machen. Ganz bewusst wenden wir uns mit unserer Kampagne an die Eltern, denn diese haben einen entscheidenden Einfluss darauf, was die Kinder lernen sollen. Dabei wollen wir das Bewusstsein schaffen, dass Deutsch zu sprechen für die Berufschancen der eigenen Kinder von Bedeutung ist. Dabei sind auch die Lehrer wichtig – sie müssen davon überzeugt sein, denn nur dann können sie das Interesse an der deutschen Sprache an die Eltern und Schüler vermitteln.

Wie spricht man die Menschen konkret an?
Lingemann: Wir nutzen mehrere Kanäle, um uns an die Öffentlichkeit zu wenden: Es gibt Plakatkampagnen, die wir in den Städten aufbauen, wir haben auch Werbespots geschaltet, bei denen Karel Gott und Marta Jandová mitmachen. Wir haben eine Website www.sprechtime.cz mit Informationen zu unserem Projekt. Und wenn wir mit dem Projekt in die Regionen gehen, dann schalten wir vorher Anzeigen und machen Radiowerbung. Besondere Bedeutung haben auch Sprachanimationen, mit denen man methodische Herangehensweisen des Deutschunterrichts aufzeigen und gleichzeitig junge Menschen motivieren kann.

Wird das Projekt von tschechischer Seite unterstützt?
Lingemann: Selbstverständlich muss die tschechische Politik dahinter stehen, denn es sind tschechische Institutionen, die das Angebot unterbreiten. Deshalb bin ich sehr froh darüber, dass unsere Kampagne politisch breite Unterstützung findet. Die Schirmherrschaft hat Außenminister Schwarzenberg übernommen. Der österreichische Botschafter und ich haben  eine Absichtserklärung zur Förderung der Mehrsprachigkeit in Tschechien unterschrieben mit dem Ziel, die deutsche Sprache bewusst zu fördern. Partner dieser Absichtserklärung sind die tschechischen Regionen. Wir haben also landesweit breite Unterstützung für unser Anliegen.

Wann könnte man die Kampagne als erfolgreich bezeichnen?
Lingemann: Auf jeden Fall wäre es schon ein Erfolg, wenn der Abwärtstrend beim Deutschlernen aufgehalten würde. Ich würde mir auf längere Sicht natürlich wünschen, dass sich der Trend wieder umdreht. Dazu braucht man allerdings auch Erfolgsgeschichten. Deshalb versuchen wir, bei der deutschen Wirtschaft und Industrie Partner zu finden, die bereit sind, hier in Tschechien in die Schulen zu gehen, um Beispiele zu zeigen, die die Schüler motivieren, nach dem Motto: „Aha, das bringt mir was, ich habe etwas davon, wenn ich Deutsch lerne.“

Wie viele Fremdsprachen sprechen Sie?
Lingemann: Vier, wenn ich Latein mitzähle; dazu Englisch, Russisch und Französisch. Tschechisch versuche ich zu lernen.

Fällt Ihnen das leicht oder schwer?
Lingemann: Je jünger ich war, desto leichter ist es mir gefallen. Tschechisch lernen fällt mir nicht leicht. Ich finde, es ist die komplizierteste Sprache, mit der ich mich bisher befasst habe.