Deutsch als Plus

Deutsch als Plus

Studie: Wer neben Englisch auch die Sprache der Nachbarn beherrscht, hat bessere Karrierechancen

22. 1. 2015 - Text: Corinna Anton

Englisch muss sein. Das bestreiten weder die Vertreter der deutsch-tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) noch die Botschafter der beiden deutschsprachigen Nachbarländer Tschechiens. Es gehe nicht um eine Konkurrenz zwischen den beiden Fremdsprachen, sind sich Diplomaten und Wirtschaftsvertreter einig. Bei der Jobsuche seien vielmehr junge Menschen im Vorteil, die beides beherrschten, Deutsch und Englisch.

Eine Studie der DTIHK, die am vergangenen Donnerstag vorgestellt wurde, soll das belegen: Befragt wurden 275 Unternehmen in Tschechien. 88 Prozent gaben an, Deutschkenntnisse seien für ihre Firma wichtig oder sehr wichtig, 89 Prozent bezeichneten Englischkenntnisse als unerlässlich. Befragt wurden vor allem Mitgliedsunternehmen der DTIHK und andere Firmen mit deutscher Beteiligung, sodass das Ergebnis auf den ersten Blick nicht sehr überraschend ausfällt. Deutsche Sprachkenntnisse sind der Umfrage zufolge vor allem gefragt, wenn mit deutschsprachigen Kunden, mit der Muttergesellschaft oder mit Vorgesetzten kommuniziert werden muss.

Wie das in der Praxis aussieht, weiß Jochen Hagel, Leiter des Bereichs Elektrik und Elektronik bei MBtech Bohemia. Sein Unternehmen bietet Ingenieursleistungen an und ist vor allem an der Entwicklung von Autos beteiligt. Wenn deutsche Firmen einfache Aufgaben ins Ausland verlagern wollen, könne Tschechien nicht mehr mit Standorten wie China, Nordafrika, Rumänien oder Bulgarien konkurrieren, meint Hagel. Das Land sei dagegen für komplexe Entwicklungsprojekte interessant, für die gut ausgebildete Ingenieure, die geographische Nähe zum Kunden und auch Deutschkenntnisse der Mitarbeiter wichtige Voraussetzungen seien. Die Unternehmen schafften es jedoch nicht allein, Fachkräften wie Ingenieuren die nötigen sprachlichen Kompetenzen zu vermitteln. „Dazu brauchen wir Initiativen in Schulen, Universitäten und Gesellschaft.“

Eine solche Initiative läuft seit 2011 unter dem Titel „Šprechtíme“ („Lasst uns sprechen“), daran beteiligt sind unter anderem die österreichische und die deutsche Botschaft in Prag. Dass die Zahl der Deutschschüler vor einem Jahr erstmals wieder deutlich gestiegen ist, dürfte allerdings hauptsächlich auf eine Änderung im tschechischen Schulsystem zurückzuführen sein. Seit dem Schuljahr 2013/14 müssen Kinder schon in der Grundschule eine zweite Fremdsprache erlernen. Bis aus ihnen die von der Wirtschaft gewünschten Ingenieure mit fortgeschrittenen Englisch- und Deutschkenntnissen werden, wird es allerdings noch eine Weile dauern.



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