Bio wird langsam beliebter

Bio wird langsam beliebter

Tschechen geben mehr für gesunde Lebensmittel aus – der Anteil am Gesamtverbrauch ist jedoch gering

13. 5. 2015 - Text: Corinna AntonText: Corinna Anton; Foto: Arne Witte

Jeden Samstag drängen sich die Menschen am Prager Náplavka-Ufer. Sie stehen Schlange für frischen Salat aus der Region, für unbehandelte Gewürze oder Eier von glücklichen Hühnern. Zwar ist nicht alles „bio“, was auf Wochenmärkten wie dem an der Moldau angeboten wird. Dennoch lässt sich hier ein Trend beobachten, den das Landwirtschaftsministerium kürzlich mit Zahlen belegt hat: Produkte aus ökologischer Erzeugung werden in Tschechien immer beliebter.

2013 haben die Menschen hierzulande knapp zwei Milliarden Kronen (etwa 73 Millionen Euro) für Biolebensmittel ausgegeben – fast zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Markt für solche Produkte wächst stetig. Geschäfte wie Náš grunt, Sklizeno oder Česká stodola eröffnen neue Filialen, in denen sie ihre oft aus der Region oder aus ökologischem Anbau stammenden Waren verkaufen, und Unternehmen wie Kukburg bieten ihre Produkte aus traditioneller Landwirtschaft über das Internet an.

„Schon das dritte Jahr in Folge beobachten wir, dass der Handel mit Biolebensmitteln zunimmt“, so der zuständige Minister Marian Jurečka (KDU-ČSL). Die steigenden Zahlen hängen seinen Worten zufolge mit dem wachsenden Interesse der Verbraucher für Produkte vom Bauernhof zusammen, die oft Bioqualität aufweisen. Auch würden Wochenmärkte und sogenannte Biokisten, die mit ökologischen Produkten aus der Region regelmäßig an Abnehmer geliefert werden, immer populärer.

Bio für Kinder

Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass der Anteil der Biolebensmittel am Gesamtverbrauch noch immer gering ist: Etwa 0,7 Prozent der in Tschechien verzehrten Speisen und Getränke waren der Statistik des Landwirtschaftsministeriums zufolge 2013 „bio“. Besonders häufig griffen die Verbraucher bei Kindernahrung zu Produkten mit Biosiegel. Knapp ein Fünftel der verkauften Biolebensmittel waren Milchprodukte. Der Anteil von Obst und Gemüse einschließlich Säften lag bei 16 Prozent. Insgesamt belief sich der Umsatz mit Bio-lebensmitteln auf 2,7 Milliarden Kronen, davon wurden Waren im Wert von 774 Millionen Kronen ins Ausland verkauft. 95 Prozent der Exporte gingen an Länder innerhalb der Europäischen Union.

Der Staat unterstütze die Branche in diesem Jahr mit Zuschüssen für ökologischen Landbau, so Jurečka, der sich davon weiteren Aufwind für die Landwirte erhofft. Wer Bioprodukte erzeugen will, soll zudem bevorzugt werden, wenn er einen Antrag auf Mittel aus dem aktuellen Programm für die Entwicklung des ländlichen Raumes stellt. Etwa neun Milliarden Kronen (rund 330 Millionen Euro) sind darin bis 2020 für die ökologische Agrarwirtschaft vorgesehen.

Laut einer Umfrage der Agentur Median, die das Ministerium im Herbst vergangenen Jahres veröffentlichte, kaufen vier von zehn Tschechen gelegentlich Bio-lebensmittel. Diese Zahl ist seit 2008 leicht gestiegen. Als Grund dafür, dass insgesamt trotzdem noch immer sehr wenig Bioprodukte gekauft werden, nannten die Befragten hauptsächlich den höheren Preis im Vergleich zu herkömmlichen Produkten.  



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