Auf Asien-Tournee

Auf Asien-Tournee

Die tschechische Fußball-Nationalmannschaft reist mit Ambitionen zu den EM-Qualifikationsspielen nach Istanbul und Astana

8. 10. 2014 - Text: Stefan WelzelText: sw; Foto: K. Şaman

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Es war ein unerwartet starkes Lebenszeichen, dass das Team von Nationaltrainer Pavel Vrba Anfang September von sich gab. Mit 2:1 besiegte es zum Auftakt der Europameisterschafts-Qualifikation Favorit Niederlande. Die ersten drei Punkte in der schwierigen Gruppe A mit den weiteren Gegnern aus Island, Litauen, Kasachstan und der Türkei waren im Trockenen. Nun steht für die kommenden beiden Spieltage am Freitag und Montag eine weite Reise nach Asien auf dem Programm. Zuerst spielt die tschechische Nationalelf in Istanbul gegen die Türken, danach folgt der Trip ins ferne Astana, wo bei Temperaturen um den Gefrierpunkt der gefährliche Außenseiter Kasachs­tan wartet. Sollten dem überraschenden Sieg gegen Oranje nun zumindest keine Niederlagen folgen, sieht es für die Tschechen bereits ganz gut aus, zum sechsten Mal seit 1996 an der kontinentalen Meisterschaft teilzunehmen.

Vrba setzt im Gegensatz zu seinem September-Aufgebot auf mehr Offensivgeist. Dafür spricht auch die Nominierung eines zusätzlichen Stürmers in der Person von Tomáš Necid. „Er spielt bisher eine gute Saison bei seinem Verein PEC Zwolle, der auf dem beachtlichen dritten Rang in der niederländischen Liga liegt“, begründet der 50-jährige Coach seine Entscheidung. Der 25-jährige Necid zog einst aus, um bei ZSKA Moskau auf Torejagd zu gehen. Dort konnte er sich aber nie durchsetzen und blieb auch deswegen lange auf seinen bisher 26 Länderspielen sitzen. Die Ausleihe in die niederländische „Eredivisie“ tut dem großgewachsenen Stoßstürmer sichtlich gut. Er ist unbestrittener Stammspieler und verbuchte bisher drei Assist-Punkte. Zwei weitere Rückkehrer in Vrbas Kreis der Erlesenen sind die beiden Routiniers Jaroslav Plašil (Girondins Bordeaux) sowie Tomáš Sivok (Besiktas Istanbul).

„Wir vertrauen seiner großen Erfahrung. Dass er den türkischen Fußball gut kennt, war natürlich auch ein Grund, warum ich ihn nominiert habe“, begründet Vrba die Wahl Sivoks. Der Defensivspezialist spielt seit 2008 am Bosporus. Ebenso gut wie Sivok kennt sein Kollege Michal Kadlec die Verhältnisse in der türkischen Metropole. Der 29-jährige Ex-Spieler von Bayer Leverkusen steht seit 2013 bei Fenerbahçe Istanbul in der Innenverteidigung. Für ihn ist es ein halbes Heimspiel, findet die Partie doch im Stadion Şükrü Saracoğlu statt, der Arena seines Klubs.

Die tschechische Auswahl erwartet ein heißer Tanz, denn die Türken haben ihr erstes Spiel in Island mit 0:3 verloren und stehen somit bereits unter Zugzwang. „Viele unserer Spieler werden etwas erleben, was sie vielleicht noch nie gesehen haben. Die Türken sind manchmal unkontrollierbar, es wird unglaublich viel los sein“, warnt Kadlec. „Auf uns wartet ein technisch versierter Gegner. Das wird ein schwieriges Spiel in wilder Atmosphäre. Ich gehe aber in jede Begegnung, um sie zu gewinnen“, blickt Kapitän Tomáš Rosický ebenso gespannt wie ambitioniert auf das Duell im berüchtigten Hexenkessel. Für die Türken wäre ein erneuter Rückschlag fatal. Und wenn man sich letztendlich nicht für die EM in Frankreich qualifizieren könnte, obwohl hierfür bereits der zweite Gruppenrang genügt, wäre das für die fanatischen Fans der stolzen Fußball-Nation kaum nachvollziehbar.

Gleich nach dem Auftritt in Istanbul reist das tschechische Team einige tausend Kilometer weiter nach Osten. Die Wüstenstadt Astana in der zentralasiatischen Steppe ist die wohl exotischste Destination im gesamten UEFA-Kalender. In der Astana-Arena wurde aufgrund schwieriger klimatischer Bedingungen ein Kunstrasen gelegt – eine ungewohnte Spielunterlage und leichter Nachteil für die Gästeteams. Tomáš Rosický kann wenig mit dem Plastikuntergrund anfangen. „Ehrlich gesagt habe ich so meine Bedenken. Das letzte Mal habe ich als Junior auf Kunstrasen gespielt, ich weiß nicht, wie das nun sein wird.“ Der technisch feineren Klinge, die die tschechische Elf mit Gewissheit führt, dürfte das künstliche Spielfeld aber eher entgegenkommen.

Trainer Vrba gibt sich indes locker und zuversichtlich. Er hat im Vorfeld eine Wette mit einer großen Bierbrauerei abgeschlossen. Kommen die Tschechen mit mindestens vier Punkten aus Asien nach Hause, erhalten alle Fans beim Heimspiel im November gegen Island ein Bier umsonst. Und natürlich möchte das Team seinen Anhängern nur zu gerne diese Freude machen.