Abgründiger Witz

Abgründiger Witz

Die Nationalgalerie zeigt erstmals Bilder des Briten William Hogarth in Tschechien

11. 12. 2014 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Bild: A Midnight Conversation/Národní galerie v Praze

Mord und Totschlag, hemmungslose Trinkgelage, Geiz und Habgier – schonungslos und mit bissiger Ironie gelang es William Hogarth (1697–1764), die Abgründe der menschlichen Natur auf die Bildfläche zu bannen. Die Kunst des britischen Malers zeigt die Londoner Gesellschaft des 18. Jahrhunderts mit all ihren Schattenseiten. Zu sehen sind Prostituierte, Schwerenöter und verschwendungssüchtige Adlige. Mit seinen spöttischen Gemälden und Kupferstichen erzählte Hogarth nicht nur von den gesellschaftlichen Missständen, sie dienten auch als moralischer Spiegel für seine Zeitgenossen. Dass Hogarth mit seinen Bildergeschichten als Vorläufer der modernen Karikaturisten angesehen wird, dürfte vielen unbekannt sein. Nun holt die Nationalgalerie im Prager Kinsky-Palais erstmals Hogarths Lithografien nach Tschechien. Die Ausstellung „Die Verwandlungen William Hogarths. Auswuchs des Elends“ („Proměny Williama Hogartha. Nezřízenost bídy“) stellt den Künstler als einen Wegbereiter der Karikatur vor, dessen Themen auch heute nicht an Aktualität eingebüßt haben.

Als Maler erfolglos
Hogarth selbst entstammte der gleichen einfachen Gesellschaft, die er später kompromisslos auf die Schippe nehmen sollte. Als Sohn eines mittellosen Lateinlehrers geboren, musste er als junger Knabe mit für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen. Sein Vater saß im berüchtigten Londoner Fleet-Gefängnis ein, nachdem er mit einem Café, indem nur Lateinisch gesprochen werden sollte, pleite gegangen war. Als sein Vater aus dem Gefängnis entlassen wurde, nahm Hogarth eine Lehre bei einem Graveur auf, kurz darauf begann er mit einem Studium an der privaten Akademie des Hofmalers James Thornhill, dessen Tocher er später heiratete. Mit seiner Malerei stieß Hogarth anfänglich auf wenig Anerkennung. Erst seine grafische Bildfolge „Der Weg einer Hure“ brachte ihm 1732 den Durchbruch. Auf acht Blättern erzählt er darin vom Schicksal eines armen Mädchens vom Lande. Während Hogarth als akademischer Maler erfolglos blieb, entwickelten sich seine sogenannten „Modern Moral Subjects“ zu regelrechten Bestsellern. In den Bilderfolgen widmete er sich mit viel Liebe zum Detail den unerwünschten Tabuthemen seiner Zeit. Mit moralisierender Pointe und unverhohlener Komik prangerte er die Sitten und Unsitten der Großstadtgesellschaft an.

Untergliedert in fünf Abschnitte bringt die Prager Ausstellung dem Betrachter fünf zentrale Sujets der Bilder Hogarths näher: „Gesichter und Grimassen“, „Die Analyse der Schönhgeit“, „Müll, die Stadt und der Tod“, „Man kann den Verfall nicht aufhalten“ und „Nach Hogarth“. Der letzte Teil beleuchtet dabei die Strahlkraft, die Hogarths Kunst auf seine Nachfolger hatte.

Die Verwandlungen William Hogarths. Auswuchs des Elends. Kinsky-Palais (Staroměstské náměstí, Prag 1), geöffnet: täglich außer montags 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 70 CZK (ermäßigt 50 CZK), www.ngprague.cz, bis 8. März 2015



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