Zwischen der Ordnung der Dinge

Zwischen der Ordnung der Dinge

Das 13. „Mezipatra Queer Film Festival“ schärft den unkonventionellen Blick

7. 11. 2012 - Text: Franziska NeudertText: fn; Foto: mqff

 

Das Mezzanin – Mezipatro – bezeichnet einen Raum, der sich zwischen den Orten befindet. Ein Raum, weder oben noch unten, nicht in der ersten und nicht in der zweiten Etage, wollte man ihn in einem Treppenhaus suchen. Das Zwischengeschoss ist jener Ort, der sich einer konkreten Definition entzieht.

Mezipatra lautet der Name des queeren Filmfestivals, das mit seinem Titel genau auf diese Grauzone weist: den Bereich der Gesellschaft, der sich gängigen Normen und Wertvorstellungen widersetzt. Sie umfasst Elemente, die sich durch ihre „Andersartigkeit“ nicht in herkömmliche Muster einreihen lassen und doch auch – oder gerade deshalb – nicht unter das Schlagwort „Anders“ subsumiert werden können. Gemeint sind damit vor allem Konzepte von biologischem Geschlecht und Gender sowie die damit einhergehenden Konventionen. Unter dem Motto „Macht, Manipulation und Wahnsinn“ dreht sich von 8. bis 14. November in den Kinos Lucerna und Světozor beim Mezipatra Queer Film Festival alles um den Kampf des Individuums mit Institutionen, Medien und gesellschaftlichen Strukturen, das Ringen der Individuen untereinander sowie mit eigenen Denkmustern und Vorurteilen.

Regenbogen über Tschechien
Ursprünglich als ein thematisch um Homosexualität kreisendes Festival gegründet, ist das Mezipatra inzwischen zum größten queeren Filmfest Europas angewachsen. Als „Regenbogen über Brünn“ („Duha nad Brnem“) lief das Fest 2000 erstmals über die Bühne. Der Erfolg brachte zwei Jahre darauf die Expansion in die Hauptstadt und einen neuen Namen – Mezipatra. Heute befassen sich über zwei Wochen hinweg Filme, Diskussionsrunden, Ausstellungen, Theateraufführungen und Partys mit dem Thema „Queer“. Nachdem das Festival über Prager Bühnen gelaufen ist, zieht es am 16. November weiter nach Brünn. Auf dem Programm stehen rund 100 internationale Filmarbeiten, darunter sowohl Kurz- als auch Langzeitspielfilme. Zu den cineastischen Sternstunden gehören unter anderem der dreistündige „Laurence Anyways“ von Xavier Dolan und „Clouburst“, ein Werk des US-amerikanischen Filmemachers Thom Fitzgerald. Mit dem mehrfach preisgekrönten Roadmovie um die Liebe zwischen zwei Seniorinnen beginnt das Festival am Donnerstag, 8. November in Anwesenheit des Regisseurs.

Jenseits der Leinwand erwartet Interessenten beispielsweise am Montag, 12. November eine Diskussion mit der Soziologin Jasbir Puar in der Galerie Langhans über das sogenannte „Pinkwashing“ durch die israelische Regierung – den Missbrauch der relativ liberalen Handhabung von Belangen Homosexueller, um von den Menschenrechtsverletzungen in Palästina abzulenken.

Obschon als registrierte Partnerschaft in Tschechien inzwischen anerkannt, haben homosexuelle Lebensgemeinschaften hierzulande nach wie vor nicht das Recht, ein Kind zu adoptieren. Einen Film jedoch schon – für 500 Kronen kann jeder eine Patenschaft für einen der gezeigten Streifen erwerben. Und damit den noch immer befangenen Umgang mit dem Thema Gender in Frage stellen.

Mezipatra Queer Film Festival, 8. bis 14. November, Tickets: 100 CZK, Filmpass für sieben Vorstellungen: 490 CZK, Informationen unter
www.mezipatra.cz



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