Zankapfel Moderne

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Erster Stadtbezirk weist Kritik an umstrittenem Bauvorhaben zurück

30. 4. 2015 - Text: Franziska NeudertText: fn/čtk; Bild: OM

„Jedes neue Gebäude in der historischen Altstadt hat Probleme. Das ist normal“, erwiderte ein Vertreter des Unternehmens Praga Progetti e Investimenti auf die Kritik, die der geplante Neubau in der Nähe des Agnesklosters ausgelöst hat. Die Firma des italienischen Architekten Francesco Augusto Razetto will in unmittelbarer Umgebung des Klosterbaus aus dem 13. Jahrhundert ein sechsstöckiges würfelförmiges Haus errichten. Unterstützung erhält sie dafür vor allem vom ersten Prager Stadtbezirk. Kritik hingegen kommt vom Nationalen Denkmalamt (NPÚ), vom Kulturministerium und von zahlreichen Bürgern.

Erst vor kurzem hatten mehrere hundert Menschen gegen den Neubau demonstriert, der aufgrund seines cremefarbenen Äußeren auch „Maršmeloun“ („Marshmallow“) genannt wird. Den Protest nahmen die Vertreter von Prag 1 zwar zur Kenntnis, doch fehle ihm die gesetzliche Grundlage, sagte der Bürgermeister des Stadtbezirks Oldřich Lomecký (TOP 09) am Mittwoch vergangener Woche. Ihm zufolge dürfe niemand Einspruch einlegen, nachdem die Baugenehmigung durch das Bauamt erteilt wurde, außer ein Teilnehmer des Vergabeverfahrens selbst. „Nur in Berufung zu gehen, weil einem etwas nicht gefällt, ist lediglich ein populistischer Schritt“, so Lomecký.

Gegner des Neubaus, zu denen unter anderem auch Prags stellvertretender Oberbürgermeister Matěj Stropnický (Grüne/Dreierkoalition) zählt, sehen das anders. Laut Vítězslav Praks vom Verein „Občanský monitoring“, der den Protest organisiert hatte, seien beispielsweise die Kriterien für das Auswahlverfahren schlecht bestimmt und die von Beginn an negative Haltung des NPÚ gegenüber dem Bauvorhaben nicht korrekt wiedergegeben worden. Außerdem beziehe sich der veröffentlichte Bauplan nicht auf das gesamte Grundstück, das nun bebaut werden soll. Praks hält den Vertrag daher für ungültig. Mit dem Investor hat die Hauptstadt einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge sie diesem das Grundstück für 28 Millionen Kronen (etwa eine Million Euro) verkauft, sobald der Bau fertiggestellt ist. Kritiker halten die Summe für unangemessen niedrig.

Der Entwurf für das umstrittene Gebäude stammt vom Brünner Architekten Zdeněk Fránek, zu dessen bekanntesten Werken die Kirchen der Brüdergemeinden in Litomyšl und Černošice sowie das multifunktionale Haus Eucon im Prager Stadtteil Žižkov zählen.  



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