Wie der Hase läuft

Wie der Hase läuft

Das tschechische Osterfest hat viele Facetten. Fünf Ausflugstipps für die Feiertage

9. 4. 2014 - Text: Franziska NeudertText: fn; Foto: skolapsary.cz

 

Von Eiern und Schlägen
In Tschechien beschränken sich die Ostermärkte nicht nur auf den Verkauf von Osterartikeln und Speisen. Sie sollen den Besuchern vor allem die Ostertraditionen Böhmens und Mährens näherbringen. Händler und Handwerker in typischen Kostümen präsentieren ihre Kunst und lassen sich bei der Arbeit auch gerne zusehen. Besonders beliebt sind die aufwändig bemalten Ostereier (kraslice), aber auch die aus Weidenzweigen geflochtenen Ruten (pomlázka), mit denen die Männer am Ostermontag die Frauen und Mädchen schlagen.
Wer die Touristenströme auf den großen Ostermärkten wie jenen in Prag vermeiden will, sollte auf kleinere Städte ausweichen. Ostermärkte haben eine lange Tradition und finden sich deshalb in fast allen größeren Gemeinden. In Český Krumlov beispielsweise wartet neben einem traditionellen Markt auch eine Osterausstellung auf die Besucher, die deren Exponate sogar erwerben können.

Einer der bekanntesten Osterjahrmärkte spielt sich alljährlich im mährischen Uherské Hradiště ab. An über 100 Ständen werden im Zentrum der sogenannten Mährischen Slowakei vor allem traditionelles Handwerk der Region und typische Osterwaren präsentiert. Kinder können in mehreren Werkstätten selbst ihre Geschicklichkeit ausprobieren und Eier bemalen oder eine Osterrute flechten. Konzerte und allerhand kulinarische Spezialitäten runden das Programm ab.

Ostermarkt Český Krumlov, 17. bis 21. April, täglich 10–18 Uhr

Ostermarkt Uherské Hradiště, 19. bis 20. April, täglich 8–15 Uhr

Fürstliches Fest auf Burg Křivoklát
Rund 50 Kilometer westlich von Prag befindet sich die massive, von dichten Wäldern umgebene Königsburg Křivoklát (Pürglitz), einst beliebter Aufenthalts- und Jagdort der Přemysliden und Luxemburger. Während der Ostertage lädt die Burg ihre Besucher zu einer Reise in die Vergangenheit ein. Auf dem unteren Burghof sowie in der ehemaligen Brauerei erhalten Interessierte einen Einblick in traditionelles Kunsthandwerk, Bräuche und den Burgalltag während des Mittelalters. Der Jahrmarkt präsentiert neben böhmischen Ostergerichten auch Gaukler und Artisten. Die traditionelle Anfahrt mit einer historischen Dampflok erfolgt an allen Ostertagen vom Bahnhof Prag Braník aus. Wer möchte, kann seine Fahrt mit dem Zug über Křivoklát hinaus fortsetzen und in Lužná u Rakovníka das Museum der Tschechischen Bahnen besichtigen. Tickets für die Tour mit der Dampflok sind im Voraus am Prager Masaryk-Bahnhof oder direkt vor Fahrtbeginn in Braník erhältlich.

Osterfest Burg Křivoklát, 19. bis 21. April, geöffnet 10–17 Uhr, Eintritt: 60 CZK (ermäßigt 40 CZK), www.krivoklat.cz

Ruhe auf dem Bauernhof
Für Landpomeranzen und Kleinfamilien bietet der Bauernhof Blaník (Farma Blaník) in Louňovice pod Blaníkem während der Feiertage viel Ruhe und Natur. In unmittelbarer Nähe zum sagenumwobenen Wallfahrtsberg Blaník gelegen, können Gäste des Gehöfts die umliegende Waldlandschaft genießen und mit etwas Glück und klarer Sicht vom Aussichtsturm des Blaník sogar bis zum Böhmerwald blicken. Das Familienunternehmen der Farma Blaník hat für das Osterwochenende ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Neben Laternenumzügen, Puppentheater und Bastelaktionen für Kinder stehen auch die Osterbräuche im Mittelpunkt. So wird bei einem traditionellen Umzug am Karfreitag die Strohpuppe „Morena“ – auch als Smrtnice, der Gevatter Tod, bekannt – im Bächlein Blanice ertränkt, um damit symbolisch den Winter zu vertreiben.

Farma Blaník, 17. bis 21. April, Tagesbesuch oder Wochenend­aufenthalt mit Übernachtung möglich, Programm
und Informationen unter www.farmablanik.cz

Osterbräuche miterleben
Viele Freilichtmuseen bieten zur Osterzeit besondere Programme an, die die regionalen Bräuche in den Fokus rücken. Eines der wohl schönsten unter ihnen ist das Walachische Freilichtmuseum in Rožnov pod Radhoštěm (Valašské muzeum v přírodě) in der Nähe der slowakischen Grenze. 1925 gegründet zählt es zu den ältesten seiner Art in Europa. In dem Museum erhalten Besucher einen Eindruck davon, wie das Leben in den vergangenen Jahrhunderten in der Mährischen Walachei aussah. Etwa einhundert typische walachische Holzhäuser geben einen Einblick in die Wohnkultur und das Handwerk der Walachen. Am Osterwochenende erfahren Besucher, wie sich das Fest in einem walachischen Dorf abspielte. Auf einem Jahrmarkt können unterschiedliche Handwerke wie Sticken und Töpfern ausprobiert werden. Folklore und Tanz und Hackbrettmusik ergänzen das Programm.

Im Freilichtmuseum für volkstümliche Architektur im mittelböhmischen Kouřim können Interessierte in Workshops Körbe und Osterruten flechten, Eier und Glas bemalen sowie traditionelle Ostergerichte herstellen. Ebenfalls im Programm enthalten sind Folklore-Darbietungen, geführte Rundgänge sowie Theatervorstellungen.

Walachisches Museum in Rožnov pod Radhoštěm, 19. bis 21. April, täglich 9–17 Uhr, www.vmp.cz

Freilichtmuseum in Kouřim, 17. bis 21. April, täglich 10–16 Uhr, www.skanzenkourim.cz

Schabernack und Gaukelei
Durch und durch humorvoll zeigt sich das Ostertreiben auf Burg Helfštýn (Helfenstein) an der sogenannten Mährischen Pforte. In einer der größten Festungsanlagen Europas präsentieren Taschenspieler, Gaukler, Zauberer und Jongleure ihre Tricks. Auch Theatervorführungen für Kinder und Erwachsene stehen ganz im Zeichen des Schabernacks. Darüber hinaus kann man in Workshops handgeschöpftes Papier herstellen, Marionetten gestalten, Körbe flechten und Stickereien und Klöppelarbeiten anfertigen.

Osterfest Burg Helfštýn, 19. bis 21. April, 9–16 Uhr, www.helfstyn.cz