Verfall statt Mahnmal

Verfall statt Mahnmal

Unklare Eigentumsverhältnisse und chemische Abfälle verhindern die Sanierung der „Schindlerfabrik“

4. 2. 2015 - Text: Franziska NeudertText: fn/čtk; Foto: Miaow Miaow

Als Oskar Schindler im Jahr 1944 seine Fabrik samt Lager aus Krakau nach Brněnec (Brünnlitz) verlegte, rettete er damit etwa 1.200 jüdischen Zwangsarbeitern das Leben. Während der Film „Schindlers Liste“ die Geschichte des Unternehmers unvergessen machte, ist das ehemalige Fabrikgebäude in der heute 1.300 Einwohner zählenden Gemeinde Brněnec noch immer dem Verfall ausgesetzt.

Bereits vor vier Jahren wurden auf dem als „Schindlerfabrik“ bekannt gewordenen Industrieareal etwa 50 Kilometer nördlich von Brünn giftige Chemikalien entdeckt. Seitdem bemüht sich die Tschechische Umweltinspektion (Česká inspekce životního prostředí, ČIŽP) vergebens darum, dass diese vom ehemaligen Eigentümer des Geländes, der Gesellschaft Vitka Textiles, beseitigt würden. Zweimal verhängte die Behörde bereits Geldstrafen in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Kronen (etwa 54.000 Euro) über das für den Abriss der Fabrik zuständige Unternehmen Euro Demolice. Wie ČIŽP-Sprecherin Radka Burketová am vergangenen Dienstag sagte, wurden diese von der Firma jedoch nicht beglichen. Auch Vítka Textiles sei inzwischen insolvent, sodass die Eigentumsverhältnisse ungeklärt blieben.

„Wir haben bei mehreren Kontrollen 2011 festgestellt, dass das Objekt vor Beginn der Demolierungsarbeiten noch nicht einmal teilweise gereinigt wurde. Alle Chemikalien wurden einfach auf die Freifläche vor dem Gebäude gekippt oder sie verblieben am Ursprungsort“, so Burketová. So habe die Inspektion dem Abrissunternehmen zunächst eine Geldbuße von 400.000 Kronen (rund 14.000 Euro) auferlegt und diese später um etwa eine Million Kronen erhöht. Wegen des Verdachts auf eine Straftat bei der Durchführung der Abrissarbeiten sei Burketová zufolge 2012 nochmals Anzeige gestellt worden. Im Jahr 2013 sei das Unternehmen aufgelöst worden, sodass sich bis heute nichts an der Situation geändert hat: Das Areal verfällt. Darüber hinaus ist weiterhin unklar, wem Grundstück, Gebäude und der chemische Müll eigentlich gehören.

Am Dienstag besuchte Umweltminister Richard Brabec (ANO) das Fabrikgelände. Seinen Worten zufolge müsse der Staat in die Sanierung eingreifen, um zumindest die akuten Risiken zu beseitigen, die die mehreren Tonnen offener Chemikalien darstellten. „Wir sind in der Lage, eine technische, rechtliche und finanzielle Lösung zu finden, um die größten Gefahren abzuwenden und das Projekt nicht zu verkomplizieren“, so Brabec. Die Chemikalien – darunter vor allem Säuren und Erdölverbindungen – seien glücklicherweise so gelagert, dass sie sich leicht abtransportieren ließen, wie er hinzufügte. Bis Ende kommender Woche wolle das Ministerium gemeinsam mit der Umweltinspektion ein Konzept erarbeiten, das die Kosten der Soforthilfe, deren technische Umsetzung sowie rechtliche Schritte umfasst. Für die Entsorgung der Giftstoffe, die laut Brabec weitere zehn Millionen Kronen (etwa 360.000 Euro) kosten könnte, müsse der Eigentümer aufkommen. Zunächst aber müsse schnell gehandelt werden. Wie Brabec betonte, könne man nicht warten, bis das Gericht den Besitzer ermittelt hat.

Das Unternehmen Vítka Textiles hatte 2009 Konkurs angemeldet, zuvor beschäftigte es knapp 100 Mitarbeiter in der Fabrik. Deren Muttergesellschaft Bustrex ging im Jahr 2011 ebenfalls in Konkurs. Die Gemeinde Brběnec möchte nach einer Sanierung auf dem Gelände des Werkes ein Holocaust-Museum errichten.  



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