Überangebot als Problem

Überangebot als Problem

Magistrat verbietet Stadtführern, am Altstädter Rathaus für ihre Touren zu werben

5. 11. 2014 - Text: Franziska NeudertText: fn/čtk; Foto: Barbara

Hochragende Regenschirmspitzen, schwenkende Fähnchen und bunte, ausgefallene Hüte: Im Meer der Touristen im Stadtzentrum sind Reiseführer mit ihren Gruppen kaum zu übersehen. Schätzungen des Magistrats zufolge sind derzeit etwa 800 Stadtführer in Prag aktiv. Vor allem der Altstädter Ring hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, an dem sie für ihre Touren werben. Damit soll nun Schluss sein.

In einer neuen Marktordnung hat der Magistrat beschlossen, dass Anbieter von Stadtrundgängen nicht mehr vor dem Altstädter Rathaus und unter der Astronomischen Uhr auf Touristenfang gehen dürfen. Dem stellvetretenden Oberbürgermeister Václav Novotný (TOP 09) zufolge tritt die neue Verordnung in dieser Woche in Kraft. „Die Konzentration sogenannter ,free tours‘ ist enorm. Die Stelle vor dem Alten Rathaus wird gesperrt, dort wird es solche Angebote nicht mehr geben“, erklärte Novotný. Im Gegenzug schlug der Magistrat andere Standorte in der Stadt vor, an denen die kostenlosen Führungen angeboten werden können: beispielsweise an der Ecke Altstädter Ring/Pariser Straße, zwischen Zeltnergasse und Altstädter Ring oder zwischen Wenzelsplatz und Jindřišská-Straße.

Hana Fuková vom Verband tschechischer Reiseführer begrüßt die Entscheidung. Sie hält es zudem für notwendig, die Veranstalter stärker zu kontrollieren. Das Überangebot an Stadtführungen gilt in Prag als Problem. Da für die Tätigkeit bisher keine Lizenz erforderlich ist, unterliegen die angebotenen Führungen erheblichen qualitativen Schwankungen. Überdies häufen sich Beschwerden, dass zunehmend mehr Reiseführer die Stadtgeschichte frisieren und auf gut Glück fabulieren. „Seit Jahren bemühen wir uns darum, dass professionelle Stadtführungen in die Riege der reglementierten Gewerbe aufgenommen werden und stimmen für Prüfungen“, so Fuková.

Auch Novotný spricht sich für eine Änderung des Gesetzes aus; eine bloße Kontrolle der Stadtführer reiche nicht. „Stadtführer fallen unter das freie Gewerbe. In den neunziger Jahren war man der Meinung, dass der Markt das regeln werde. Der Markt hat sich allerdings für das Billigste und nicht für Qualität entschieden“, so der stellvertretende Oberbürgermeister. Daher wolle sich der Magistrat nun an das Ministerium für regionale Entwicklung wenden. Damit möchte er erreichen, dass Reiseführer künftig eine Prüfung zu Sprache und Geschichte ablegen müssen. Als Vorbild gilt ihm der Prager Informationsdienst (Prážská informační služba, PIS), bei dem Stadtführer in einer Fremdsprache, Methodik, Reiseverkehr und Geschichte oder Kunstgeschichte geprüft werden. Für ihn arbeitet etwa die Hälfte der Stadtführer, die in Prag aktiv sind.



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