Stadtgeschichte in 18 Bahnen

Stadtgeschichte in 18 Bahnen

Zwischen Freizeitspaß und Graffiti-Kunst: Zu Besuch auf Prags erster Schwarzlicht-Minigolfanlage

18. 2. 2015 - Text: Katharina WiegmannText: Katharina Wiegmann; Foto: pragueglowgolf.com

 

Besonders einladend sieht das Haus an der Opatovická-Straße nahe der U-Bahn-Station Národní třída nicht aus. Düster und fast ein wenig bedrohlich baut sich das Gebäude einer ehemaligen Druckerei vor dem Besucher auf. Nur ein kleines, mit neon­farbener Kreide beschriftetes Schild und laute Achtzigerjahre-Musik weisen den Weg zu Prags neuester Touristenattraktion: einem Indoor-Minigolfplatz im Dunkeln. Oder jedenfalls fast, denn die geräumige Halle wird von Schwarzlicht bestrahlt.

Die Bilder an den Wänden sind mit spezieller Farbe gemalt, die im UV-Licht leuchtet, und zeigen Persönlichkeiten der tschechischen Geschichte, Prager Sehenswürdigkeiten oder verweisen auf historische Ereignisse. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Freizeitangebot stammt von der Pragerin Julie und ihrem Mann Chris. Beide haben in den letzten Jahren auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet und waren viel in der Welt und in der Tourismusbranche unterwegs. Schwarzlicht-Minigolf begegnete ihnen dabei in den verschiedensten Städten rund um den Globus. Zurück in Prag beschlossen sie, die entsprechende Lücke auf dem Markt der tschechischen Hauptstadt zu füllen. Julie und Chris wollen mit ihrem Projekt in erster Linie unterhalten, ihren Besuchern aber gleichzeitig auch die Stadtgeschichte sowie aktuelle Ereignisse näherbringen.

Der Hobbygolfer begegnet auf seiner Tour tschechischer Geschichts- und Mythenprominenz wie Rudolf II., dem Golem und Václav Havel; er muss den Ball aber auch durch eine Miniversion der pinken Panzerskulptur von David Černý bugsieren, die an die sowjetische Okkupation erinnert. Ein anderes Hindernis bildet ein stilisierter Blanka-Tunnel, ein Bauprojekt, das in den letzten Jahren zum Symbol für Korruption wurde. Anstatt öffentlicher Gelder verschwindet hier der Ball in einem schwarzen Loch.

Die Wandmalereien und kleinen Skulpturen auf den Minigolfbahnen werden mit Hinweistafeln ergänzt. Die erläuternden Texte sind leider nicht sehr ausführlich. Wer sich also nicht schon vor dem Besuch mit tschechischer Geschichte und Gegenwart auskannte, wird hinterher nicht viel klüger sein – sich aber in jedem Fall an den vom talentierten Prager Graffiti-Kollektiv „SpectaculArt“ gemalten Porträts und Szenen erfreut haben. Und wer weiß, vielleicht konnte beim einen oder anderen auch die Neugier über die Hintergründe geweckt werden. Zudem ermuntert Julie ausdrücklich zum Nachfragen, während sie an der Theke gekühltes Flaschenbier serviert. Doch geht es beim „Prague glow golf“ ohnehin eher um die spezielle Atmosphäre als um historische Fakten.

Prague Glow Golf. Opatovická 18 (Prag 1), geöffnet: Mo.–Fr. 12 bis 21 Uhr, Sa. & So. 10 bis 21 Uhr, Eintritt: 200 CZK



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