Prag setzt auf die Straßenbahn

Prag setzt auf die Straßenbahn

Der Magistrat plant den Ausbau des Netzes – auch die Südstadt soll angeschlossen werden

7. 11. 2012 - Text: Bernd RudolfText: Bernd Rudolf; Foto: dpp

Bis zum Jahr 2020 sollen in Prag 13 neue Straßenbahnlinien ihren Betrieb aufnehmen. Insgesamt plant die Stadt für die Erweiterung ihres Netzes 25 Milliarden Kronen (rund 1 Milliarde Euro) auszugeben. Ein Großteil der Gelder wird nach Angaben des stellvertretenden Oberbürgermeisters Josef Nosek (ODS) aus EU-Fördermitteln stammen.

Priorität haben zunächst die Verlängerung der Strecke von Divoká Šárka nach Dědina sowie der Linie von Barrandov nach Slivence. Zudem sollen in Zukunft auch Trams in der bisher „straßenbahnlosen“ Südstadt verkehren. Unsicher ist jedoch noch der Bau einer neuen Linie auf dem Wenzelsplatz.
„Mit dem neuen Straßenbahnkonzept reagiert der Magistrat auf die Stadtentwicklung der letzten 50 Jahre, in denen neue Wohnviertel zum größten Teil nur an den öffentlichen Busverkehr angeschlossen wurden“, erklärt die Sprecherin der Prager Verkehrsbetriebe (DPP) Aneta Řehková. Obwohl die Baukosten im Vergleich zur U-Bahn deutlich niedriger seien, lohnt sich die Errichtung einer neuen Tramlinie nur dort, wo man eine ähnlich hohe Zahl an Fahrgästen erwartet. „Ein weiterer Vorteil ist, dass dieses Verkehrsmittel eine gute CO2-Bilanz aufweisen kann“, so die DPP-Sprecherin.

Noch vor etwa 40 Jahren schien das Ende der Straßenbahn zumindest in den westlichen Ländern besiegelt. U-Bahnen und der Individualverkehr gewannen immer mehr an Bedeutung. Dieser Trend war zwar auch in den ehemaligen Ostblockstaaten zu spüren, fiel jedoch weniger deutlich aus als im Westen. In Prag wurden vor allem in den siebziger und achtziger Jahren Straßenbahnlinien stillgelegt. „Der Grund dafür war damals der Bau der Nord-Süd-Stadt­autobahn und der Metro-Linie C“, so Řehková.

Dennoch war laut Aussage von Tereza Králová, Pressesprecherin der Stadtverwaltung Prag, die Tram weiterhin ein fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs in der tschechischen Hauptstadt. „Die Straßenbahn hatte zusammen mit der Metro und den Bussen schon immer eine wichtige Rolle bei der Verkehrsplanung gespielt“, so Králová. Ziel sei es immer gewesen, das öffentliche Verkehrssystem der Stadt zu optimieren.

Modernes Transportmittel
Die erste elektrische Straßenbahnlinie in Prag nahm am 6. Juli 1891 ihren Betrieb auf. Geplant wurde sie von dem Unternehmer František Křižík, der das damals moderne Transportmittel anlässlich der Großen Allgemeinen Landesjubiläumsausstellung für Werbezwecke nutzen wollte. Die 766 Meter lange einspurige Strecke verband den Stadtteil Letná mit dem Ausstellungsgelände in Holešovice. Die erste regelmäßig bediente Straßenbahnlinie verkehrte ab dem Jahr 1896. Die etwa 2,2 Kilometer lange Verbindung, die ebenfalls von Křižík erbaut wurde, führte von Florenc über Libeň nach Vysočany.

Das heutige Netz umfasst nach Angaben der Prager Verkehrsbetriebe eine Länge von rund 540 Kilometern und verfügt über insgesamt 33 Linien. Nur das Busliniennetz der Hauptstadt ist mit einer Länge von rund 1.800 Kilometern noch umfangreicher.



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