Politischer Superstar gesucht

Politischer Superstar gesucht

Eine Reality Show castet ab April Führungsnachwuchs für Tschechien

15. 3. 2016 - Text: Katharina WiegmannText: kw/čtk; Foto: stream.cz

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Eine Kakerlake müsse man nicht essen, versprechen die Organisatoren der Castingshow „Hledá se LEADr“ („Führungskräfte gesucht“). Daneben ist auf ihrer Facebook-Seite ein Video einer koreanischen Sendung des Genres zu sehen, in dem zwei Frauen darum wetteifern, von eben diesem Schicksal verschont zu bleiben.

Ab April geht es in der tschechischen Ausgabe um den Sieg. Ausschlaggebend ist allerdings nicht die beste Stimme oder das Durchhaltevermögen in Extrem­situationen. In „Hledá se LEADr“ geht es um politisches Talent. Die Vorrunden der tschechischen Show sind inzwischen entschieden, 15 junge Finalisten stehen fest. Ist der Mangel an brauchbaren Politikern im Land schon so gravierend, dass man sich nicht mehr anders zu helfen weiß?

„Wir suchen junge Leute bis 25 Jahre, von denen wir denken, dass sie Führungspotenzial haben – als Abgeordnete, in der Politik“, sagt Karel Strachota, Direktor des Programms „Jeden svět na školách“, in dessen Rahmen der Wettbewerb ausgerufen wurde. 50 Bewerber gab es, die während der Auswahlphase mit ihren Meinungen, mit Allgemeinwissen und rhetorischen Fähigkeiten vor der Jury bestehen mussten. Workshops mit erfolgreichen Unternehmern sowie Vertretern von Nicht­regierungsorganisationen und Festivals sorgten für Impulse aus der Praxis.

Außerdem mussten die Kandidaten Passanten in Brünn von ihren politischen Visionen überzeugen. Die noch verbleibenden 15 Teilnehmer haben weitere sechs Wettbewerbsrunden vor sich, die ab April vom Internet-Fernsehsender stream.cz übertragen werden. Als Preis winken Gelder für die Umsetzung geplanter Projekte sowie ein Praktikum im Ausland. Das Publikum entscheidet über Gewinner und Verlierer.

Den Organisatoren geht es nach eigenen Angaben darum, gegen die in Tschechien weit verbreitete Politikverdrossenheit anzukämpfen: Junge Leute würden oft denken, dass sie alleine ohnehin nichts verändern könnten. Darüber hinaus seien sie oft vom konfrontativen Stil in der Politik abgestoßen und empfänden politische Parteien als unglaubwürdig. Für Strachota heißt das aber nicht, dass es den Jugendlichen egal sei, was um sie herum passiert. „Ich treffe viele junge Leute, die einen Sinn für Gerechtigkeit haben. Sie sind empathisch und wollen helfen“. Ziel des Wettbewerbs unter dem Dach der Menschenrechts-Organisation Člověk v tísni (Mensch in Not) sei es, jungen Frauen und Männern eine Karriere in der Politik näherzubringen, die sie von sich aus eher nicht in Erwägung ziehen würden.

Das Format „Führungskräfte gesucht“ soll nach dem Willen der Initiatoren in weiteren Staffeln fortgesetzt werden. „Wir verstehen den Wettbewerb als einen Beitrag, unserer Gesellschaft weiterzuentwickeln, die soziale und politische Umgebung zu kultivieren – und die Demokratie zu stärken.“ Die Fortschritte einzelner Kandidaten werden zudem in einem Dokumentarfilm begleitet.