Mit Stolz gegen Rassismus

Mit Stolz gegen Rassismus

Aktivisten fordern bei der „Roma Pride“ mehr Rechte für die größte ethnische Minderheit des Landes

9. 10. 2013 - Text: Martin NejezchlebaText und Foto: Martin Nejezchleba

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Bunte Trachten und heisere Gesänge konnten den Ernst der Lage nicht verdecken. Am Wochenende zogen rund 150 Menschen unter dem Motto „Roma Pride“ durch die engen Gassen der Prager Hauptstadt; zum zweiten Mal überhaupt. Ihren Stolz auf die Kultur der größten europäischen Minderheit demonstrierten die Roma auch in 13 weiteren Städten des Kontinents.

In Prag standen neben Konzerten unter anderem Malkurse für Kinder, Hiphop-Workshops mit den Rappern von „De La Negra“ und Kostproben aus der Roma-Küche auf dem Programm. Was den tschechischen Roma wirklich auf der Seele brennt, das dröhnte beim Umzug auf den Hradschin aus den Megaphonen: „Herr Präsident, stoppen Sie den Rassismus“ und „Wir sind hier zu Hause“.

„Die Situation der Roma in Tschechien verschlechtert sich Jahr für Jahr“, erklärt der Aktivist Jozef Miker. Die Integrationspolitik sei gescheitert. Die Roma, so Miker, müssten aktiv ihre Rechte einfordern.

In Tschechien leben geschätzt rund 250.000 Roma, ein Großteil von ihnen in Armutsvierteln. Roma werden auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt diskriminiert. Seit Jahren kritisiert unter anderem die EU die Ausgrenzung von Roma-Kindern in sogenannte „Praktische Schulen“, die für Kinder mit geistigen Behinderungen vorgesehen sind.

In diesem Jahr demonstrieren Neonazis in bisher ungekannter Häufigkeit gegen die Roma. Dabei kommt es regelmäßig zu Straßenschlachten mit der Polizei, wenn Beamte versuchen, die Rechtsextremen von gewaltsamen Übergriffen auf Roma abzuhalten.

Der Inlandsgeheimdienst warnt davor, dass sich immer mehr Bürger den Märschen der Extremisten anschließen. Laut Ivana Čonková, Sprecherin der diesjährigen „Roma Pride“, dürfe sich die Minderheit gerade im Angesicht von Gewalt und Rassismus nicht verstecken. „Es ist sehr wichtig, dass die Menschen glücklich sind, Roma zu sein. Dass sie stolz sind, das zu sein, was sie sind“, so Čonková.

Die Veranstalter der „Roma Pride“ brachten auch eine konkrete Forderung vor: Sie verlangen die Schließung des Schweinemastbetriebs, der auf dem Grundstück des ehemaligen Roma-Konzentrationslagers in Lety steht. Ex-Premier Nečas hatte den Umbau vor rund einem Jahr wegen fehlender Finanzen abgelehnt.