Mit Marshmallows und Estragon

Mit Marshmallows und Estragon

Eisdielen im Test: Zwischen Cookies oder nach Rezepten aus der Ersten Republik

14. 7. 2016 - Text: Franziska Neudert

Nicht wegen der Burg oder der Altstadt kommen Touristen diesen Sommer nach Prag, zumindest wenn man heimischen Online-Medien glaubt. Sondern wegen des „modernsten und am meisten diskutierten Desserts der Welt“, wie das Reiseportal von „idnes“ schreibt. Grund für die Aufregung: Den „trdelník“, eine traditionelle Teigrolle, die bisher mit Zimt und Zucker verfeinert wurde, gibt es nun auch mit Eisfüllung. Die Kalorien der Kombination sollte man lieber nicht zählen und auch der Preis ist mit mehr als 100 Kronen für eine Portion ziemlich hoch – abseits der Touristenpfade bekommt man dafür ein ganzes Mittagessen. Die PZ empfiehlt daher andere Eisdielen, ohne „trdelník“, aber dennoch erfrischend lecker.

Vanille

Das Mango-Eis im Café „Vanille“ ist besonders fruchtig.

Wer sich an der Sraßenbahnhaltestelle am Friedensplatz die Wartezeit versüßen will, sollte das Eis der Konditorei „Vanille“ probieren. Von März bis Oktober öffnet das Lokal einen Eisstand mit Freisitz, in dem täglich 16 Sorten angeboten werden. Insgesamt kommen mehr als 50 Milcheiscremes und über 40 Sorbets aus eigener Herstellung – darunter Heidelbeer-Käsekuchen, Marshmallow und gebrannte Mandel. Eine Kugel kostet 20 Kronen und ist mit 45 Gramm größer als in manchem Café. Beim Testbesuch überzeugte das Melonen- und Mangosorbet, die Waffel hingegen war pappig. Wer eine knusprige haben will, sollte mindestens drei Kugeln wählen oder gegen einen kleinen Aufpreis nach einer „vafle“ fragen. Fruchtig schmeckt auch das Softeis, das in den Variationen Erdbeere pur und Erdbeere oder Banane mit Mango aus der Maschine kommt. Die Portion kostet je nach Größe zwischen 26 und 40 Kronen. Im angrenzenden Café gibt es süßes Gebäck, Kaffee und herzhaft belegte Weißbrotscheiben.

Náměstí Míru, Prag 2, Mo. bis Sa. 9–18 Uhr, So. 10–18 Uhr (März bis Oktober), www.vanille.cz

Parlor

Süße Burger werden im Café „Parlor“ serviert.

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Italo Pietro Marchioni in New York die Eistüte – und gab der kühlen Schleckerei eine neue Hülle. Inzwischen hat es das knusprige Hörnchen schwerer, mit den modernen Eis-Gewändern mitzuhalten. „Ice Cream Sandwich“ oder „Eis-Burger“ liegen im Trend. Darauf setzt auch das „Parlor“ in Karlín. In der Eisdiele können sich Besucher ihren süßen Burger selbst zusammenstellen. Das Prinzip ist einfach: Man wählt aus acht Cookies (zum Beispiel in den Geschmacksrichtungen Erdnussbutter, Möhre und Zitrone mit Mohn), kombiniert sie mit einer Kugel Eis, die zwischen beide Kekse gedrückt wird, und kann sie mit Nüssen oder Schokolade zusätzlich verfeinern. Die „Parlorky“, wie die Sandwiches genannt werden, gibt es für 59 oder 69 Kronen auf die Hand. Danach folgt die große Herausforderung: Sie zu essen, ohne dass die Creme an der Seite herausquillt. Die Eiskugeln fallen recht klein aus und sind mit 30 Kronen auch recht teuer – dafür lässt man sich Sorten wie Joghurt-Estragon besonders langsam im Mund zergehen. Die knusprigen Cookies sind ein richtiges Erlebnis und man schmeckt, dass sie aus dem eigenen Ofen kommen. Seit Mai dieses Jahres empfängt das „Parlor“ seine Gäste mit Eis, Keksen, Cocktails und Kaffee. Schade ist, dass es keinen Freisitz gibt, denn im Café selbst ist es ein wenig dunkel.

Křižíkova 37, Prag 8, Mo. bis Sa. 10–22 Uhr, So. 10–20 Uhr

Zmrzlinář

Im „Zmrzlinář“ schmecken Milcheissorten und Sorbets.

Bisher gab es das Eis von „Zmrzlinář“ nur in Tuchlovice, etwa 40 Kilometer westlich von Prag. Seit diesem Jahr verkauft der Familienbetrieb seine Produkte auch in der Hauptstadt. Hergestellt werden sie angeblich nach alten Rezepten aus der Zeit der Ersten Republik – frisch und ohne Chemie, versprechen die Betreiber. Das Eis schmecke je nach Zutaten und Laune der Eismacher. Auf die Laune der Verkäufer kommt es leider auch ein bisschen an, wenn man die Kugeln probieren möchte. Bei zwei Portionen greift der eine zur dünnen, geschmacklosen Tüte, der andere zur süßen dicken – bei gleichem Preis. Eine Kugel (50 Gramm) kostet 30 Kronen; besondere Sorten wie Aperol können aber auch teurer sein. Zu empfehlen ist eine Kombination aus Milcheis und Sorbet – zum Beispiel Karamell und Erdbeere. Erdnuss und Pistazie waren beim Testbesuch zwar ebenfalls lecker, unterschieden sich aber kaum voneinander. Schlecken kann man das Eis an ein paar wenigen Tischen drinnen oder auf einer Bank draußen, schöner ist es aber, damit zum Beispiel zum Park Sady Svatopluka Čecha oder in eine andere grüne Ecke in der Nähe zu spazieren.

Slezská 15, Prag 2, täglich 12–21 Uhr, www.zmrzlinar.cz

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