Mit Konzerten durch die Geschichte

Mit Konzerten durch die Geschichte

Musikfestivals und historische Festspiele laden Besucher zu einer Reise in die Vergangenheit ein

23. 7. 2014 - Text: Franziska Neudert

Anzeige

Trutnov Open Air
Am Fuße des Riesengebirges, im ostböhmischen Trutnov (Trautenau), geht jährlich eines der bekanntesten Musikfestivals des Landes über die Bühne: das als „Tschechisches Woodstock“ bezeichnete „Trutnov Open Air“. 1987 wurde es von Künstlern des tschechischen Underground gegründet, die sich in der Stadt mit rund 800 Musikliebhabern trafen. Das Konzert wurde jedoch von der Polizei abgebrochen. Seit den neunziger Jahren gewann das Festival zunehmend an Popularität, bis zu 20.000 Besucher zählten die Veranstalter in den vergangenen Jahren. Zu den Stammgästen gehörte unter anderem Václav Havel, der 2007 zum „Häuptling des Festivals“ erkoren wurde. In diesem Jahr können sich Besucher beispielsweise auf die US-amerikanische Rock- und Punksängerin Patti Smith, die Tuareg-Band „Tinariwen“ sowie Tschechiens Underground-Urgesteine „Plastic People of the Universe“ freuen. Auf dem Spielplan steht außerdem „Herr der Ringe“-Star Elijah Wood mit seinem DJ-Projekt „Wooden Wisdom & DJ Fitz“.

Trutnov Open Air, Donnerstag bis Sonntag, 14. bis 17. August, Festivalpass: 1.300 CZK, www.festivaltrutnov.cz

Napoleonische Sommertage in Austerlitz
Am 2. Dezember 1805 errang Napoleon I. in der Schlacht bei Austerlitz (Slavkov) einen entscheidenden Sieg über die russischen und österreichischen Truppen. Als sogenannte Dreikaiserschlacht ging das Ereignis in die Weltgeschichte ein. Am 15. August jährt sich der Geburtstag des französischen Kaisers und Feldherrn zum 245. Mal. Schloss Austerlitz feiert das Jubiläum mit einem dreitägigen Veranstaltungsprogramm. Besucher erwarten im Schlossgarten beispielsweise historische Militärparaden und die Nachstellung von Schlachtszenen sowie kostümierte Führungen durch das Renaissanceschloss, Konzerte und die internationale Weinausstellung „Grand Prix Austerlitz 2014“. Der „Austerlitzer Himmel“ („Slavkovské nebe“) soll am Abend mit Hunderten von Kerzen das Schloss erleuchten. 

Zámek Slavkov, Freitag bis Sonntag, 15. bis 17. August, www.zamek-slavkov.cz

Wallfahrtsfest in Neratov
Nahe der polnischen Grenze am Rande des Adlergebirges (Orlické hory) befindet sich Neratov (Bärnwald). Bekannt wurde die Siedlung vor allem durch ihre Kirche Mariä Himmelfahrt, die sich nach ihrer Fertigstellung im 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden Wallfahrtsort entwickelte. Das Besondere an dem Sakralbau ist dessen Nord-Süd-Ausrichtung, die in Europa einzigartig ist. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche von Panzern der Roten Armee beschossen und brannte aus. In den neunziger Jahren wurde der Barockbau restauriert und erhielt ein gläsernes Kirchendach. Jedes Jahr findet unter diesem einmaligen Gewölbe ein Wallfahrtsfest statt. Von 15. bis 17. August feiert die Diözese Neratov ihr 350-jähriges Bestehen und lädt Gläubige wie nichtreligiöse Interessierte zu karitativen Veranstaltungen, Messen und Konzerten ein. Ein Jahrmarkt mit Handwerkserzeugnissen, Aktionen für Kinder, Fechtvorstellungen sowie ein Straßenumzug runden das Programm ab.

Neratov (Bartošovice v Orlických horách), Freitag bis Sonntag, 15. bis 17. August, www.neratov.cz

Wallenstein-Festspiele in Cheb
Genialer Feldherr, Günstling des Kaisers, Hochverräter und schließlich Opfer eines Attentats – das Leben Albrecht von Wallensteins bot nicht nur Friedrich Schiller genügend Stoff für seine berühmte Trilogie. Bis heute ranken sich viele Legenden um den Oberbefehlshaber der kaiserlichen Streitkräfte im Dreißigjährigen Krieg, der 1634 in Cheb (Eger) einen gewaltsamen Tod fand. Seit 2005 erinnert die westböhmische Stadt jährlich mit ihren Wallenstein-Festspielen (Valdštejnské slavnosti) an den Feldherrn. Die zweitägige Veranstaltung umfasst beispielsweise die theatralische Nachstellung der dramatischen Ereignisse während Wallensteins letztem Aufenthalt in Cheb, Festumzüge bei Tag und Nacht, Märchenvorstellungen für Kinder, einen historischen Jahrmarkt mit Töpfer- und Drechselei­waren und zahlreiche Konzerte bis in die späten Abendstunden. Das Haus, in dem Wallenstein ermordet wurde, beherbergt heute ein Museum. Im sogenannten Pachelebel-Haus, einem gotischen Bürgerhaus am Marktplatz, können Interessenten Ausstellungen zur Stadtgeschichte sowie zu Wallenstein und dem Dreißigjährigen Krieg besichtigen.

Valdštejnské slavnosti v Chebu, Freitag und Samstag, 22. und 23. August, www.valdstejnske-slavnosti.eu

Museum Cheb, geöffnet täglich außer montags 9 bis 17 Uhr, Eintritt: 70 CZK (ermäßigt 35 CZK), www.muzeumcheb.cz

Musikfestspiele České hrady und Moravské hrady
Besondere Höhepunkte im Festivalsommer stellen die Veranstaltungen „České Hrady“ und „Moravské Hrady“ („Böhmische Burgen“ und „Mährische Burgen“) dar. Bis Ende August reisen die beiden Musikfestivals jedes Wochenende zu einer anderen historischen Stätte in Tschechien. Insgesamt acht Burgen in acht unterschiedlichen Regionen bilden für zahlreiche Konzerte eine unkonventionelle Bühne. Auf dem Programm stehen bekannte tschechische und slowakische Größen wie Liedermacher Tomáš Klus, Popsänger Miro Žbirka und die Rockbands „Mandrage“, „Abraxas“ und „Vypsána fixa“. Festivalbesucher können auf Zeltplätzen übernachten. Wer nebenbei ein bisschen Geschichte erleben will, kann die Burgausstellungen besuchen oder die Festungen erkunden. Der Eintrittspreis zu den einzelnen Burgen ist im Festivalticket enthalten.

České & Moravské Hrady, bis 17. August, Eintritt: Freitag 250 CZK und Samstag 410 CZK, Freitag & Samstag 560 CZK (im Vorverkauf), Wochenendpaket inklusive Camping für zwei Personen 1.530 CZK, www.nedomysleno.cz

Burg Kunětická hora 25./26. Juli, Burg Rožmberk 1./2. August, Burg Veveří 8./9. August, Hradec nad Moravicí 15./16. August, Burg Bezděz 22./23. August, Burg Bouzov 29./30. August

Fischerfest in Třeboň
Die südböhmische Stadt Třeboň liegt inmitten einer malerischen, von Bächen und Kanälen durchzogenen Teichlandschaft. Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort zum Zentrum der regionalen Karpfenzucht. Das historische Fischerhandwerk, Sitten und Bräuche stehen im Mittelpunkt des Fischerfestes (Rybářské slavnosti), das Třeboň am vorletzten Augustwochenende begeht. So lädt die Stadtfischerei Besucher am Samstag und Sonntag zu einem Tag der offenen Tür ein. Restaurants locken ihre Gäste mit traditionellen und außergewöhnlichen Spezialitäten vom Fisch sowie Wein- und Bierverkostungen. Ein Kulturprogramm mit Wettbewerben für Groß und Klein macht das Fischerfest für die ganze Familie zu einem Ausflugserlebnis.

Rybářské slavnosti Třeboň, Freitag bis Sonntag, 22. bis 24. August, www.rybarskeslavnosti.cz

Chodenfest in Domažlice
Domažlice nahe der bayerisch-böhmischen Grenze bildet den Mittelpunkt des sogenannten Chodenlandes (Chodsko). Im 13. Jahrhundert siedelten die böhmischen Herrscher hier die Volksgruppe der Choden an, um die westlichen Grenzen des Reiches zu bewachen. Ihre Bedeutung als Grenzwächter verloren die Choden während des 16. Jahrhunderts. Viele Traditionen blieben aber erhalten, so zum Beispiel die Volkstänze und die Dudelsackmusik. Einen Eindruck von den Bräuchen und Sitten der Choden können sich Interessierte am zweiten Augustwochenende beim Chodenfest in Domažlice machen (Chodské slavnosti). Seit dem Jahr 1955 veranstaltet, zählt es zu den ältesten Folklore­festivals Tschechiens. Auf dem Programm stehen die Auftritte zahlreicher Folkloregruppen aus dem In- und Ausland sowie ein altböhmischer Jahrmarkt im Stadtzentrum. Traditionell ist das Fest mit der St.-Laurentius-Kirchweih verbunden. Unter freiem Himmel finden auf dem knapp 600 Meter hohen Berg Veselá Hora Gottesdienste statt.

Chodské slavnosti, Samstag bis Montag, 8. bis 10. August, www.chodskeslavnosti.cz