Mit Charme und Burg

Mit Charme und Burg

Ein Abstecher nach Strakonice lohnt sich auch jenseits des Dudelsack-Festivals

7. 8. 2014 - Text: Corinna AntonText und Foto: Corinna Anton

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Strakonice liegt ein bisschen im Nirgendwo. Der Böhmerwald beginnt hier noch nicht richtig, České Budějovice ist knapp eine Stunde Autofahrt entfernt. Nach Prag dauert es nur ein wenig länger. Trotzdem ist der Hautstadttrubel schnell vergessen, wenn man durch die Straßen der Kleinstadt schlendert. „Guten Tag, Herr Doktor“, ruft eine ältere Dame einem jungen Mann hinterher. Ob beim Einkauf auf dem Markt, in der Eisdiele oder beim Bummel in der Fußgängerzone: Man grüßt sich, man kennt sich, plaudert ein wenig. Es wirkt, als würden sich die Menschen hier langsamer bewegen als in Prag. Anstelle von Souvenir-Läden gibt es an jeder Ecke einen Secondhandshop.

Das städtische Infozentrum ist zwar mit seinen Karten und Prospekten auf Urlauber und Ausflügler ausgerichtet. Vom großen Touristenansturm ist Strakonice bisher aber – mit Ausnahme des Dudelsack-Festivals – verschont geblieben. Das macht den Besuch angenehm. Vom Busbahnhof kommend führt der Weg ins Zentrum über eine Brücke über den Fluss Otava. Im Wasser paddeln Kanuten, auf der Oberfläche spiegelt sich die Burg Strakonice, die zu den ältesten Adelsburgen Südböhmens gehört. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann die Familie Bawor von Strakonitz mit dem Bau, einen Teil schenkte sie dem Johanniterorden. Weil immer wieder um- und angebaut wurde, finden sich heute romanische Elemente ebenso wie gotische und barocke im Burgkomplex, der unter anderem das Stadtmuseum beherbergt. Dort sind nicht nur die Räume über die böhmische Dudelsack-Tradition und die Hutproduktion in Strakonice empfehlenswert, sondern auch der Wehrturm, der einst als Folterkammer und Kerker diente, heute aber vor allem einen guten Blick auf die Stadt bietet – vorausgesetzt man fürchtet sich nicht vor den engen, steilen Stufen.

Nach der Besteigung eignet sich die Kneipe im Burghof für eine kurze Rast, oder aber die Cafés und Eisdielen am Palac­kého náměstí. In der verkehrsberuhigten Straße kann man im Schatten der Mariensäule aus dem 18. Jahrhundert draußen sitzen. Ebenso einladend zum Spazieren und Verweilen ist wenige Meter weiter der Velké náměstí, der mit dem ehemaligen Rathaus und der Sparkasse zwei der schönsten Gebäude der Stadt beherbergt. In der Nähe steht außerdem das Geburtshaus von Josef Skupa, dem Puppenspieler und Schöpfer von Spejbl und Hurvínek.

Wer nach der Stadtbesichtigung noch nicht müde ist, kann anschließend auf dem Dudelsack-Pfad ins Grüne wandern. Er beginnt bei der Burg und führt auf einem elf Kilometer langen Rundweg teils am Fluss entlang, teils durch Wiesen und Wälder um die Stadt herum auf den Spuren des sagenumwobenen Dudelsackspielers Švanda. Dessen Existenz ist historich nicht belegt, er soll jedoch Josef Kajetán Tyl zum Theaterstück „Strakonický dudák“ („Der Dudelsackspieler von Strakonice“) inspiriert haben.