Mehr Hanf für Patienten

Mehr Hanf für Patienten

Gesundheitsminister Němeček will Cannabis als Arzneimittel fördern. Die richtige Dosierung sollen tschechische Ärzte in Israel lernen. Patienten bevorzugen bisher den Schwarzmarkt

11. 3. 2015 - Text: Corinna AntonText: ca/čtk; Foto: Gesundheitsminister Svatopluk Něměček/Medical Cannabis Conference

Dreißig Gramm Cannabis sind nicht genug, meint Gesundheitsminister Svatopluk Němeček (ČSSD). Deswegen ließ er sich in der vergangenen Woche mit einem Schild fotografieren, auf dem in hanf-grüner Schrift zu lesen war: „Ich unterstütze Cannabis.“ Dazwischen stand in hellem Grau das entscheidende Wort: „medizinisch“. Němeček will, dass in Tschechien mehr Patienten mit Cannabis behandelt werden. Schon im Juni könnte seinen Worten zufolge eine neue Verordnung gelten, mit der die Bandbreite der zulässigen Hanfarten für medizinische Behandlungen erweitert und die Grenze von 30 auf 180 Gramm für einen Patienten pro Monat angehoben werden soll.

Seit April 2013 dürfen Ärzte in Tschechien Cannabis einsetzen, um die Beschwerden von Erwachsenen zu lindern, die an Krebs, multipler Sklerose oder Aids erkrankt sind. Mit einem elektronischen Rezept erhalten die Patienten die Substanz als Arzneimittel in der Apotheke. In der Praxis kommt es bisher aber offiziell kaum zu solchen Behandlungen. Seit November vergangenen Jahres werden die Ausgaben beim Pharmazeutischen Institut registriert. Dessen Zahlen zufolge kauften von Dezember 2014 bis Februar dieses Jahres nur zehn Patienten die Medikamente. Entsprechende Symptome, die mit Cannabis gelindert werden könnten, weisen allerdings etwa 2.000 bis 3.000 Kranke auf. Die meisten versorgen sich auf dem Schwarzmarkt oder bauen die Pflanzen selbst an, weil ihnen das trotz des Risikos, sich strafbar zu machen, wesentlich billiger kommt als der legale Weg in die Apotheke: Auf dem Schwarzmarkt bezahlt man für ein Gramm Cannabis etwa 150 bis 250 Kronen, in der Apotheke sind es 320 Kronen.

Auch die hohen Preise sollen sich Němeček zufolge ändern. Bisher erlaubt das Gesetz für die Behandlung von Patienten nur eine Art von Cannabis, die von einer niederländischen Firma nach Tschechien importiert wird. Künftig könnte die Substanz auch aus Israel bezogen werden. Davon erhofft sich der Minister mehr Konkurrenz und niedrigere Preise für die Patienten, die für ihre Behandlung bisher selbst aufkommen müssen. Die Substanz soll auch weniger kosten, wenn mehr einheimische Erzeuger für den Vertrieb hierzulande zugelassen werden. Kürzlich gab es dazu bereits eine Ausschreibung, die ein Anbieter gewann, der Cannabis für 68 Kronen (ohne Mehrwertsteuer) pro Gramm verkaufen will.

Versicherung soll zahlen
Für Menschen, die mit einer Invalidenrente in Höhe von 6.000 bis 7.000 Kronen auskommen müssen, sei das immer noch viel, meint die Patientenvereinigung KOPAC – und das sei die große Mehrheit der Betroffenen mit multipler Sklerose oder Krebs im Endstadium. KOPAC fordert deshalb, dass die Kosten für eine Behandlung von der Versicherung übernommen werden, zumindest wenn es sich um sozial schwache Patienten handelt. Eine entsprechende Regelung will die Patientenvereinigung beim Pharmazeutischen Institut anregen, sobald die neuen Vorschriften gelten. KOPAC beruft sich dabei unter anderem auf Deutschland, wo die Versicherungen für die Kosten aufkommen.

Die tschechische Ärzteschaft ist unterdessen noch uneins über den Nutzen der Droge als Medikament: Gegner argumentieren, es gebe genügend klassische Behandlungsmethoden, man brauche Cannabis daher nicht. Němeček dagegen führt die Zurückhaltung mancher Ärzte vor allem darauf zurück, dass sie wenig Informationen und keine Erfahrungen mit der medizinischen Verwendung von Cannabis hätten. Deswegen will er im Ausland Rat holen: „Es ist uns gelungen, eine ziemlich enge Zusammenarbeit mit Israel zu vereinbaren, wo sie bei diesem Thema schon sehr weit sind“, sagte der Gesundheitsminister in der vergangenen Woche, als er in Prag eine viertägige Konferenz eröffnete, bei der es um den medizinischen Einsatz von Cannabis ging. Schon bald könnten tschechische Ärzte für ein Praktikum nach Israel reisen, um dort zu lernen, welchen Patientengruppen sie in welcher Dosis Hanf verschreiben können. Ihre Kenntnisse sollen sie dann den Kollegen hierzulande weitergeben.

Ob die neue Verordnung über die therapeutische Verwendung von Cannabis wie vom Minister geplant in Kraft treten kann, wird sich in den kommenden zwei Wochen zeigen. Bis dahin sollen die Beratungen darüber abgeschlossen werden. Laut Němeček müsste dann noch die Europäische Kommission zustimmen, was etwa zwei Monate dauern würde. „Ab Anfang Juni könnte die Verordnung gelten“, so der Minister. 



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