Gegen den Verfall

Gegen den Verfall

Der Kulturminister sieht das Gebäude der Staatsoper in einem desolaten Zustand. Die Renovierung soll gut 24 Millionen Euro kosten

30. 10. 2014 - Text: Franziska NeudertText: fn/čtk; Foto: High Contrast

Bereits seit zwei Jahren plant die Regierung eine umfassende Renovierung der Staatsoper. Das Gebäude des früheren Neuen Deutschen Theaters hätte längst seinen Zenit überschritten, hieß es bereits damals im Kultusministerium. Deshalb wollte es bis zum Jahr 2017 eine Summe von 360 Millionen Kronen (rund 13 Millionen Euro) für seine Wiederherstellung zur Verfügung stellen. Geschehen ist in den vergangenen zwei Jahren jedoch nichts.

Nun hat sich die neue Regierung, genauer gesagt Kulturminister Daniel Herman (KDU-ČSL), dem Vorhaben angenommen. Vor kurzem kam er mit dem Direktor des Nationaltheaters Jan Burian zusammen, um erneut über die Bauarbeiten und deren Finanzierung zu sprechen. Am Ende sicherte Herman fast die doppelte Summe zu: 665 Millionen Kronen (etwa 24 Millionen Euro) sollen nun in die Renovierung des in den Jahren 1886 und 1887 im Neorenaissance-Stil errichteten Opernhauses und das zugehörige Verwaltungsgebäude fließen. Mit den nötigen Arbeiten wolle man am 1. Juli 2016 beginnen, einigten sich Theaterdirektor und Kulturminister.

Die Bühne sei in einem desolaten Zustand, sagte Herman, nachdem er sich einen persönlichen Eindruck vom Bau gemacht hatte. „Den überwiegenden Teil des Inventars kann man überhaupt nicht mehr gebrauchen“, erklärte Herman. „Der enorme Verschleiß – sei es aus baulicher, technischer oder betrieblicher Hinsicht – würdigt dieses Kulturdenkmal herab.“ Um einen weiteren Verfall des von Herman so genannten „Schmuckstücks“ zu verhindern, wurde die Renovierung nun auch in das staatliche Programm zur „Pflege des nationalen Erbes“ aufgenommen.

Beträchtliche Mängel
Burian begrüßte die Entscheidung des Kulturministers als „eine sehr gute Nachricht für die Zukunft“. Zwar hatte die Staatsoper in den vergangenen beiden Jahren neue Licht- und Tonanlagen erhalten. Laut dem Direktor weise das Haus jedoch seit langem beträchtliche Mängel auf. So müssen im historischen Gebäude neben der Stadtautobahn dringend Elektroinstallationen, Heizanlagen und Wasserleitungen modernisiert werden. Notwendig seien ihm zufolge auch die Beseitigung von Wasserschäden und restauratorische Arbeiten im Zuschauerraum. Der aufwendig im Stil des Neurokoko ausgeschmückte Saal zählt zu den schönsten Europas.

Renoviert werden außerdem die Umkleideräume und Sanitäranlagen der Künstler. Darüber hinaus soll die Glasfassade des angrenzenden Verwaltungsgebäudes erneuert werden.

Auch Operndirektorin Silvia Hroncová freut sich über die neuen Pläne zur Instandsetzung. „Die letzte Renovierung der Staatsoper wurde in den Jahren zwischen 1967 bis 1973 durchgeführt. Nach 40 Jahren täglichem Theaterbetrieb kommen wir wirklich nicht um eine Wiederinstandsetzung herum“, meinte Hroncová. Ihren Worten zufolge werde die Renovierung auch Auswirkungen auf den Spielbetrieb haben. „In dieser Zeit müssen wir die Zahl der Opernaufführungen höchstwahrscheinlich stark reduzieren“, vermutet die Opernchefin, die gemeinsam mit Burian eine Lösung für den eingeschränkten Spielplan finden will.

Für Chaos im Kulturbetrieb der Bühne hatte Anfang 2012 die Zusammenlegung von Staatsoper und Nationaltheater gesorgt. Die Fusion begründete der damalige Kulturminister Jiří Besser mit Sparmaßnahmen. In der breiten Öffentlichkeit löste der Schritt heftige Kritik aus. Zahlreiche Kulturschaffende bezeichneten die Zusammenlegung als Anfang des kulturellen Niedergangs.

Die Sanierungsarbeiten sollen voraussichtlich im Juli 2018 abgeschlossen sein. Die Verdoppelung des Betrags zur Renovierung der Staatsoper ist auf eine Budgetaufstockung des Kulturetats zurückzuführen, der um 2,3 Milliarden Kronen auf 11 Milliarden Kronen (knapp 400 Millionen Euro) erhöht wurde. 



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