Feines und Fettiges

Feines und Fettiges

Große Portionen und günstige Preise: Wie gut sind die Prager „Jídelnas“?

16. 11. 2016 - Text: Felix Wnuck, Titelbild: MadPole, CC BY-NC-ND 2.0

Bio, vegan, laktosefrei – wer danach sucht, hat es in einer „Jídelna“ schwer. Mit Appetit auf Gulasch, Knödel und Schweinebraten ist man dagegen richtig in den Selbstbedienungsrestaurants, die an eine Mensa oder Kantine erinnern. Sie bieten schnelle, günstige und meist deftige Hausmannskost zur Mittagszeit und an den Tischen einen Querschnitt durch die tschechische Gesellschaft. Vom Geschäftsmann im Anzug über Handwerker in Arbeitshosen, Studenten mit Rucksack bis hin zu betagten Damen sind alle vertreten. Das Prinzip ist überall gleich: Tablett, Teller und Besteck nehmen, anstehen, von Frauen in weißen Kittel und mit kleinen Hauben auf dem Kopf große Portionen auf den Teller schöpfen lassen. Die Erwartungen sollten generell nicht zu hoch sein – man speist immerhin in einer Art Mensa. Dennoch hat die PZ einige Unterschiede aufgedeckt.

Jídelna Světozor (3/5)

Die öffentliche Kantine liegt in der Passage Světozor keine fünf Minuten Fußweg vom Wenzelsplatz entfernt. Das Hinweisschild mit kleinem Pfeil und Speisekarte ist leicht zu über­sehen. Der Weg führt durch ein unscheinbares Treppenhaus runter in einen Kellerflur, immer den Pfeilen folgend. Erst dann riecht es nach fettigem Essen und man gelangt in ein fensterloses, in hellem Gelb gestrichenes Restaurant. Das täglich wechselnde Menü aus Suppe, Hauptgericht und Nachtisch kostet 95 Kronen. Einen Salat gibt es für 25 Kronen Aufpreis. Zur Auswahl stehen Rinderbrühe und Erbsensuppe mit Wursteinlage als Vorspeise, Hähnchenschnitzel mit Kartoffel­brei, Gulasch mit Knödeln und Schweine­braten mit Kraut und Kartoffeln als Hauptgang. Zum Nachtisch gibt es Schokomuffins. Das vege­tarische Angebot beschränkt sich auf panierten Blumenkohl oder Käse mit Kartoffeln oder Pommes. Die Kraftbrühe mit gut gekochter Gemüse- und Reiseinlage ist heiß und gut gewürzt. An Knoblauch wird grundsätzlich nicht gespart. Das Gulaschfleisch ist zart und die Soße mit einer ordentlichen Portion Pfeffer abgerundet, leider nicht mehr ganz so warm. Der Salat aus Gurken, Tomaten und Paprika lag dagegen bestimmt schon länger und ist mittlerweile ordentlich durchgeweicht. Das macht der luftige Muffin mit Schoko­stücken wieder gut. Vodičkova 39, Prag 1, Mo.–Sa. 9 bis 15 Uhr

Mit Gulasch liegt man in der „Jídelna“ fast nie daneben.

Jídelna Koněvova (2/5)

Hinter der Fassade dieser „Jídelna“ verbirgt sich eine kleine Besonderheit. Hier erwartet den Gast eine Auswahl an tschechischen und asiatischen Klassikern. So kann man auch gebratene Reisnudeln oder Frühlingsrollen bestellen. Ein Menü aus Suppe und Hauptgericht bekommt man ab 85 Kronen. Auch hier wird nicht an Knoblauch gespart. Der gekochte Schweinenacken überzeugt nicht. Dafür gibt es an den gebratenen Nudeln mit Hühnchen und Gemüse nichts zu meckern. Wer hier isst, sollte danach kein Rendezvous planen, denn den Knoblauch­atem und den Geruch von Bratfett an der Kleidung wird man nicht so schnell los. Die klebrigen Tische und Tabletts hinterlassen auch einen bleibenden Eindruck. Koněvova 68, Prag 3, Mo.–Fr. 7.30 bis 17 Uhr

Havelská Koruna (4/5)

Das Restaurant bildet einen Kontrast zu den meisten Prager „Jídelnas“. Es liegt mitten im touristischen Zentrum nahe dem Altstädter Ring und ist täglich bis 20 Uhr geöffnet. Unter den Gästen sind neben Einheimischen auch Touristen, Bestellungen werden auch auf Deutsch entgegengenommen. An vier Theken werden Suppen, Hauptspeisen, Nachtisch und Salate angeboten. Lenden­braten in Sahnesoße mit Knödeln gibt es für 105 Kronen, was für die Innenstadt sehr günstig ist. Eine kleine Suppe oder 100 Gramm Salat bekommt man für 25 Kronen, das Pilsner Urquell für 40 Kronen (0,5 Liter). Der Salat ist nicht mehr ganz knackig frisch und die Knödel sind etwas labbrig. Die Vanillesoße zu den Obstknödeln, die leider ziemlich wenig Frucht enthalten, ist dafür schön schaumig und das Fleisch richtig zart, die Soße dazu reichhaltig und gut gewürzt. Havelská 21 und 23, Prag 1, Mo.–So. 10 bis 20 Uhr, www.havelska-koruna.cz

Hungrig bleibt der Gast nach dieser Portion Lendenbraten sicher nicht.

Václavské bistro (5/5)

Die Schlange vor dem Bistro am Karlsplatz lässt die Erwartungen steigen. Nach einer kurzen kuscheligen Wartezeit – Körperkontakt ist bei diesem Andrang in dem kleinen Raum nicht zu vermeiden – bekommt man ein frisch paniertes Schnitzel mit leckerem Kartoffelsalat. Die Portionen sind riesig, die Preise niedrig. Ein Hähnchenschenkel mit orien­talischem Reis und gegrilltem Gemüse kostet 95 Kronen. Das Angebot erstreckt sich von Suppen über böhmische Küche bis zu Pizza, Lasagne und Spaghetti. Zudem gibt es eine kleine Salat- und Nachtischtheke. Karlovo náměstí 6, Prag 2, Mo.–Fr. 7.30 bis 19 Uhr, Sa.&So. 10 bis 17 Uhr

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