Den Göttinnen auf der Spur

Den Göttinnen auf der Spur

In den Weißen Karpaten erwartet Besucher eine der bezauberndsten Landschaften Tschechiens

20. 11. 2013 - Text: Franziska NeudertText: fn/CT; Foto: penzionzitkova.cz

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Die letzten Kilometer auf der Straße Richtung Žítková führen in dichte Buchenwälder. Hier, an der Staatsgrenze zwischen der Slowakei und Tschechien, in der Abgeschiedenheit der Weißen Karpaten, sollen von jeher Frauen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gelebt haben. „Göttinen“ vermochten die Zukunft vorherzusagen, unbekannte Krankheiten zu heilen und die Menschen von ihren Ängsten zu erlösen. Mit ihrem Roman „Žítkovské bohyně“ („Die Göttinnen von Žítková“) setzte die junge tschechische Schriftstellerin Kateřina Tučková nicht nur den zauberhaften Frauen ein literarisches Denkmal, sondern auch der dörflichen Region Moravské Kopanice (Mährisch Kopanice).

Eingebettet im Landschaftsschutzgebiet der Weißen Karpaten gehört sie zu den unberührtesten und idyllischsten Landzügen Tschechiens. Endlose Wälder, zwischen den Hügeln einzelne verstreute Häuser – die Grenzen zwischen Ortsanfang und -ende scheinen zu verschwimmen. So auch im 180-Seelen-Ort Žítková, etwa einen Kilometer von der Slowakei entfernt.

Der Legende zufolge um 1750 von den im Tal ansässigen Wahrsagerinnen gegründet, lebten die Einwohner der Ortschaft lange in bescheidenen Verhältnissen. Davon kündet auch die Bezeichnung der Region: Moravské Kopanice erhielt seinen Namen von den steil an den Hängen der Hügel gelegenen Felder, die von den Bauern nur mit der Hacke bearbeitet werden konnten (das tschechische „kopat“ bedeutet „hacken“). Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieb Žítková von neuzeitlichen Errungenschaften unberührt. Elektrischer Strom floss erst 1948 in die Haushalte, zwei Jahre später wurde der Ort per Bus ans Verkehrsnetz angeschlossen. Noch heute zeugen die verbliebenen Höfe vom traditionellen Holzhandwerk der Einwohner. Im Naturreservat „Hutě“ („Hütte“) oder auf dem Naturlehrpfad Moravské Kopanice lernen Besucher eine abwechslungsreiche Landschaft kennen, die zu jeder Jahreszeit mit einem einzigartigen Pflanzenreichtum überrascht.

Aufgrund der weitläufigen und artenreichen Wiesen mit ihrem hohen Anteil an natürlichen Buchenwäldern wurde die Region vor über 30 Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt. Die UNESCO ernannte die Weißen Karpaten 1996 zum Biosphärenreservat. Das Bergmassiv setzt sich hauptsächlich aus flachen Gebirgskämmen zusammen. Ohne große Höhenunterschiede ist es damit recht leicht zu bezwingen. Durch die langandauernde Besiedlung des Vorgebirges sowie der Berghänge kam es schließlich zur Abholzung. So entstanden die Weiden und Wiesen mit einer einmaligen Flora. Besonders beeindruckend dürfte für viele das reiche Vorkommen an Orchideen sein.

Über ein dichtes Wegenetz lässt sich die Umgebung sowohl für Wanderer als auch Radfahrer, die vor steilen Hügeln nicht zurückschrecken, gut erschließen. Belohnt werden sie mit weitläufigen Ausblicken, in denen sich die Landschaft wie ein buntes Mosaik zusammensetzt. Im Winter ermöglichen gespurte Loipen sowie auch unpräparierte Strecken reizvolle Erkundungswege auf Langlaufskiern und zu Fuß.

TIPPS

Penzion Žítková
Die Pension bietet ganzjährig Übernachtungsmöglichkeiten (220–350 CZK) und preisgünstige Verpflegung (Mittagstisch für 75 CZK).

Informationen unter www.penzionzitkova.cz

Velký Lopeník
Über den zweithöchsten Berg der Region, Velký Lopeník (911 Meter), verläuft die tschechisch-slowakische Grenze. Mit seinem 22 Meter hohen Aussichtsturm stellt der Gipfel ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen dar. Auf der slowakischen Seite wird Gleitschirmfliegen betrieben.

Naturlehrpfad Bojkovická
Von Bojkovice ausgehend führt der sogenannte Bojkovická-Naturlehrpfad über etwa 25 Kilometer zu den traditionsreichen Dörfern Pitín und Hostětín bis nach Šanov, wo der Wanderer über den Gebirgskamm wieder zurücklaufen kann. In Hostětín kann man zum Beispiel die Mostfabrik besichtigen und frisch gekelterten Apfelmost probieren.

Informationen unter www.vychodni-morava.cz

Zlín
Wer das städtische Leben vermisst, dem sei ein Ausflug ins rund 50 Kilometer nördlich von Žítková gelegene Zlín empfohlen. Nachdem Tomáš Baťa 1894 in der Stadt seine heute weltweit bekannte Schuhfabrik gründete, erfuhr Zlín einen enormen Aufschwung. Aus einer Provinz- entwickelte sich eine Arbeiterstadt, die förmlich am Reißbrett entstand. Baťa lud renommierte Architekten der damaligen Zeit nach Zlín ein, so zum Beispiel Le Corbusier, Jan Kotěra und František Gahura. So erhielt Zlín sein funktionalistisches Antlitz. Sportlern stehen im Landkreis Zlín viele Möglichkeiten offen: Abfahrtspisten und Langlaufloipen findet man unter anderem in Pustevny, Portáš, Velké Karlovice und auf dem Bergrücken des Chřiby (Marsgebirge).

Informationen unter www.zlin.eu