„Biomasse statt Kohle“

„Biomasse statt Kohle“

Lokalpolitiker Buřt: Tagebau keinen Millimeter über Förderlimits

11. 12. 2013 - Interview: Martin Nejezchleba

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Vladimír Buřt ist Vizebürgermeister von Horní Jiřetín und kämpft seit Jahren gegen die Ausweitung der Kohleförderung in Nordböhmen. PZ-Redakteur Martin Nejezchleba verriet er, was er mit der zerstörten Landschaft vor seiner Haustür machen würde.

Herr Buřt, droht Ihrer Region ohne die Abschaffung der Förderlimits massive Arbeitslosigkeit?

Vladimír Buřt: Die Kohlegesellschaft Most bot 16.000 Menschen einen Arbeitsplatz, als mit der Privatisierung begonnen wurde. Bei den zwei Kohlegesellschaften, die daraus entstanden sind, arbeiten heute etwas mehr als 3.000. In 15 Jahren sind die Gesellschaften 13.000 Angestellte losgeworden. Da hat niemand protestiert, kein Rusnok, keine Gewerkschaften. Heute arbeiten im Tagebau der Tschechoslowakischen Armee rund 800 Leute. Die würden in 10, 20 Jahren ihre Arbeit verlieren. Die damit verbundenen 8.000 Arbeitsplätze, von denen Zeman spricht – Verkehrsunternehmen etc. – dienen nicht nur einer bestimmten Grube, sondern allen in der Region. Dort käme es also zu einem geringeren Verlust von Arbeitsplätzen. Im Gegensatz dazu würden mit dem Abriss von Horní Jiřetín mindestens 500 Leute ihre Arbeit verlieren, mit der Schließung des Tagebaus Centrum weitere 300. Und später würden sie in Richtung Chemiewerk vordringen. Dort arbeiten direkt 5.000 Menschen und mehrere 1.000 in angegliederten Unternehmen. Auch aus Litvínov, das sich am Rande der Grube befinden würde, zögen viele Kleinunternehmer weg.

Wenn Sie über die Zukunft der Region entscheiden könnten, wie würde es hier aussehen?

Buřt: Ich würde sicherlich die Tagebaue, die nichts gefährden, zu Ende laufen lassen. Die Grube Vršany hat Vorräte bis etwa 2060. Ich bin zwar nicht begeistert davon, aber ich verstehe, dass man zu Ende fördern muss, wenn zwei der größten Kraftwerke des Landes mit der Kohle beliefert werden. Den Tagebau der Tschechoslowakischen Armee würde ich auch zu Ende laufen lassen und dann in zweierlei Weise nutzen. Zum einen für die Landwirtschaft zur Energieversorgung. Das würde die Arbeitsplätze in den Gruben voll ersetzen. Dazu gibt es ausführliche Studien. Der Rest des Tagebaus sollte geflutet werden. Das Wasser gehört hier hin, historisch gesehen. Am Fuße des Erzgebirges war früher ein riesiger See.