Achtung Baustelle!

Achtung Baustelle!

Nach vierjähriger Verzögerung wird das Hauptgebäude des Nationalmuseums restauriert

15. 4. 2015 - Text: Marcus HundtText: mh/čtk; Foto: Éole Wind

Die Renovierung des wohl bekanntesten Museumsgebäudes in Tschechien kann endlich beginnen. Vier Jahre nach der Schließung erklärte der Direktor des Nationalmuseums Michal Lukeš Mitte vergangener Woche, dass die Bauarbeiten aller Voraussicht nach am 20. April aufgenommen werden.

Mehrere Rechtsstreitigkeiten, vermeintliche Ausschreibungsfehler und fehlende Baugenehmigungen hatten den Zeitplan für das Prestigeprojekt des tschechischen Kulturministeriums immer wieder durcheinandergebracht. Für Klarheit sorgte nun das Bauunternehmen Strabag: Die Österreicher akzeptierten ihren Ausschluss vom Auswahlverfahren im Sommer 2014 und machten so den Weg frei für das Konsortium M-P-I (Metrostav, Průmstav und IMOS Brno), das eine zweite Ausschreibung im Herbst gewonnen hatte.

„Wir sind überaus glücklich, dass die öffentliche Ausschreibung rechtskräftig abgeschlossen ist und das Gebäude endlich renoviert werden kann“, sagte Museumsdirektor Lukeš. Er rechnet fest damit, dass die Bauarbeiten rechtzeitig zum 200-jährigen Bestehen des Nationalmuseums beendet sein werden. Dem Vertrag zufolge soll die knapp 1,35 Milliarden Kronen (etwa 50 Millionen Euro) teure Sanierung insgesamt 42 Monate dauern. Den Besuchern könnte der Neorenaissance-Bau am Prager Wenzelsplatz demnach gegen Ende des Jubiläumsjahres 2018 wieder offenstehen. „Noch besser wäre es natürlich, wir könnten die Dauer verkürzen – wir müssen abwarten, wie die Verhandlungen mit den Zulieferern laufen“, gibt sich Lukeš zuversichtlich.

Einmalige Aussicht
Seitdem das 1891 fertiggestellte Gebäude für die Öffentlichkeit gesperrt ist, sind die Besucherzahlen des Nationalmuseums, das sich allein in Prag auf insgesamt elf Gebäude verteilt, drastisch zurückgegangen. Schätzungen zufolge werden seit 2011 pro Jahr 200.000 bis 300.000 Eintrittskarten weniger verkauft.

Laut offizieller Planungen soll sich die Ausstellungsfläche im sanierten Hauptgebäude in etwa verdoppeln, die beiden Innenhöfe sollen überdacht und die vergoldete Kuppel einen bislang unbekannten Blick über die Dächer der Hauptstadt eröffnen. Zudem soll ein Tunnel zum benachbarten Neuen Gebäude führen. In dem Glas- und Stahlbau aus den siebziger Jahren tagte einst die Föderalversammlung der Tschechoslowakei, danach hatte dort Radio Free Europe/Radio Liberty seinen Sitz und seit 2009 finden dort Ausstellungen und Konzerte des Nationalmuseums statt. Das sogenannte Pantheon in der ersten Etage soll auch nach der Sanierung an „herausragende tschechische Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Gesellschaft und Kunst“ erinnern, in der zweiten Etage wird ein „interaktives Zentrum für Studenten und Jugendliche“ entstehen.

Bis zur Eröffnung werden noch über drei Jahre vergehen. Und vielleicht haben die meisten bis dahin die unrühmliche Episode zwischen 2011 und 2015 vergessen, in der – wie es der Vorsitzende des tschechischen Kartellamts vor kurzem ausdrückte – „öffentliche Gelder in nicht unerheblichem Umfang verschwendet wurden“.



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