Gegen die Langeweile

Gegen die Langeweile

Das Team von „Forbidden Taste“ veranstaltet extravagante Dinner an ungewöhnlichen Orten

3. 6. 2015 - Text: Désirée LeiprechtText: Désirée Leiprecht; Foto: Jakub Fulda Fulin

 

Albert Einstein sagte einmal: Das Schönste, was man erleben könne, sei das Geheimnisvolle. Dass das Geheimnisvolle nicht nur Spannung erzeugt, sondern auch außerordentlich schmackhaft sein kann, beweist seit zwei Jahren das junge Prager Ehepaar Tino und Ivona Hrnčiar.

„Forbidden Taste“ heißt ihr Konzept, mit dem sie eine überraschende Alternative zur herkömmlichen Gastronomie bieten. Unter dem Motto „Restaurants are boring“ („Restaurants sind langweilig“) veranstalten sie dafür regelmäßig sogenannte „Pop-up-Dinner“ – mehrgängige Menüs, die nicht im Restaurant, sondern an ungewöhnlichen Orten wie zum Beispiel einem Freizeitpark, im Untergrund eines ehemaligen Umspannwerks oder auf der Bühne eines Theaters serviert werden. Wo genau das Dinner stattfindet, erfahren die Teilnehmer erst kurz zuvor per SMS. Hierbei wird ein Treffpunkt bekanntgegeben, von dem aus eine Reihe kleiner Hinweise und Rätsel zum Zielort führt.

„Wie Kinder“ sollen sich die Gäste auf dieses spannende Erlebnis freuen, erklärt die 28-jährige Ivona, die ursprünglich in der Marketing-Abteilung einer Kochschule gearbeitet hat. Immerhin sind nicht nur die Lokalitäten der „Forbidden-Taste“-Dinner überraschend, sondern auch die Menüs. Asiatisch, Französisch, internationale Kombinationen – unter der Ägide von Petr Heneš, bei „Forbidden Taste“ zuständig für das kulinarische Konzept, zaubert das „Who’s who“ der Prager Chefköche extravagante Kreationen auf die Teller. So konnten sich die Gäste beim letzten Mal im Februar im obersten Stockwerk eines leerstehenden Hochhauses über Thai-Papaya-Salat, Thunfisch-Lachs-Rollen mit schwarzem Sesam und Garnelen in Joghurtsoße freuen. Zubereitet wurde das Menü von Shahaf Shabtay, Küchenchef des renommierten „SaSaZu“ in Holešovice. Welcher Koch für den jeweiligen Abend gewonnen werden konnte, erfahren Neugierige bereits wenige Tage zuvor auf der Facebook-Seite des „Pop-up“-Teams.

Neben Ort und Menü gibt es jedoch noch einen dritten Faktor, der ein „Forbidden Taste“-Dinner gemäß Ivona zu etwas ganz Besonderem macht: die Gäste. Teilnehmen kann nämlich keineswegs jeder, der Lust dazu hat. Vielmehr müssen sich Interessierte zuvor über einen Newsletter registrieren und anschließend in einem kurzen, selbstverfassten Text erklären, warum ausgerechnet sie bei einem der geheimnisvollen Abende dabei sein wollen. „Wir suchen Menschen, die sich offen gegenüber Neuem zeigen, experimentierfreudig sind und keine Angst haben“, so Ivona. Nur wer diesen Kriterien entspricht, wird von ihrem Team ausgewählt und zum Dinner eingeladen. Dieses selektive Vorgehen erscheint elitär, dochn es soll  einen angenehmen Abend unter Gleichgesinnten mit anregenden Gesprächen ermöglichen. Abgerundet wird der Anlass durch verschiedenartige Performances wie Live-Malerei, spontane Gesangseinlagen bekannter Sänger oder Stunts eines BMX-Profis.

Das „Pop-up“-Konzept von Tino und Ivona Hrnčiar ist ein Rundum-Erlebnis für Probierfreudige, die sich nicht scheuen, ihr Stammrestaurant zu verlassen und sich stattdessen auf eine Reise in eine völlig neue Welt der Erlebnisgastronomie zu begeben. Voraussetzung ist natürlich, man gehört zu den insgesamt nur 30 Glücklichen und erhält eine der begehrten Einladungen. Ist dies der Fall, ist am Ende noch ein mehrstelliger Betrag zu entrichten – angesichts der Qualität des Essens und der Einmaligkeit der Veranstaltung lohnt es sich allerdings, auch einmal tiefer in die Tasche zu greifen.

Mehr Informationen unter www.forbiddentaste.com