Zu viel geboten

Zu viel geboten

Regulierungsbehörde stoppt Versteigerung der Frequenzen für schnelles mobiles Internet

20. 3. 2013 - Text: Ivan DramlitschText: id/čtk; Foto: U.S. Marshals Service

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Zu hohe Gebote waren daran Schuld, dass die tschechische Regulierungsbehörde ČTU die Versteigerung von LTE-Frequenzen für schnelles mobiles Internet abgebrochen hat. Sie erreichten einen Wert von über 20 Milliarden Kronen (knapp 800 Millionen Euro). Eine solche Summe gilt als nicht mehr rentabel, sie würde überhöhte Kundentarife und Verzögerungen beim Ausbau des Netzes nach sich ziehen. Die LTE-Technologie stellt den modernsten Mobilfunk-Standard dar und ermöglicht vor allem ein deutlich schnelleres Internet für Smartphones und Tablets.

An der Versteigerung haben die bereits auf dem Markt aktiven Mobilfunkanbieter Telefónica, T-Mobile und Vodafone teilgenommen. Außerdem bewarb sich ein Neuling, PPF Mobile Service, um die begehrten Frequenzen. Laut ČTU-Chef Pavel Dvořák war die Netzinnovation von Beginn an das Hauptziel der Versteigerung, keineswegs eine möglichst hohe Einnahme für den Staat. „Leider sieht es bei diesen Summen jetzt so aus, dass keiner der Frequenzbetreiber in der Lage ist, die neue Technologie ordentlich einzuführen. Für den Staat wäre es zwar eine satte Einnahme, aber schlussendlich würde der Endkunde die Rechnung zahlen“, so Dvořák.  

Für Irritationen sorgte die Entscheidung der Behörde bei Wirtschaftsminister Martin Kuba (ODS). „Wir müssen das Problem des Oligopols und der hohen Preise auf dem Telekommunikationsmarkt angehen. Ich erwarte, dass die Regulierungsbehörde mir nun das weitere Vorgehen erläutert und erklärt, wie sie ihre Aufgabe erfüllen will – nämlich die Unterstützung des Wettbewerbs und den Schutz der Verbraucher“, sagte Kuba.

Versteigerung mit Regeln
Mehr Verständnis für die Regulierungsbehörde gab es bei den Bietern. Telefónica bezeichnete in einer Stellungnahme die Entscheidung als „vernünfig“, betonte aber, dass man als Unternehmen während der Versteigerung „rational“ vorgegangen sei. T-Mobile-Sprecherin Martina Kemrová bezeichnete den Verlauf der Auktion als „nicht zielführend“ und richtete den Blick in die Zukunft: „Wir sind überzeugt, dass die Regeln für die neue Versteigerungsrunde den Prozess effektiver gestalten und eine gute Entwicklung der Branche als Ganzes gewährleisten werden.“

Die neue Bieterrunde soll laut Behörde noch in diesem Jahr stattfinden. Derzeit werden die bestehenden Verfahrens­regeln geprüft. Diese wurden von Fachleuten bereits im Vorfeld kritisiert. Sie hätten es den bestehenden Mobilfunkanbietern ermöglicht, durch permanentes Bieten den Neuling PPF auszubooten. Moniert wurde auch die Möglichkeit sehr geringer Angebotserhöhungen, was die Versteigerung unnötig in die Länge gezogen habe, sowie die Tatsache, dass zurückgezogene Angebote keine Strafzahlungen nach sich zogen.
Dies alles werde die ČTU bei der kommenden Versteigerung nunmehr berücksichtigen. Der Behördenleiter Pavel Dvořák schloss auch eine Vorversteigerung nach niederländischem Vorbild nicht aus. Dabei werde ein Teil der zu vergebenen Frequenzen nur jenen Interessenten angeboten, die neu in den Telekommunikationsmarkt einsteigen wollen.