Zemans vulgäre Worte

Zemans vulgäre Worte

Der Präsident empört das Land mit derben Ausdrücken und Beleidigungen

5. 11. 2014 - Text: Corinna AntonText: Corinna Anton; Foto: ČTK

Hat der Präsident die Kontrolle verloren oder wollte er von anderen Themen ablenken? Darüber rätselt das Land, seit Miloš Zeman am Sonntag ein denkwürdiges Radiointerview gegeben hat. Für Empörung sorgte vor allem die Ausdrucksweise des Präsidenten. Im live gesendeten Gespräch mit dem Tschechischen Rundfunk verwendete Zeman mehrfach einen sehr vulgären Begriff für das weibliche Genital, unter anderem als er über die russische Punkband „Pussy Riot“ sprach. Die Musikerinnen bezeichnete er als „Nutten“. Als der Moderator ihn auf seine Wortwahl ansprach, entgegnete Zeman, er habe sich von Karel Schwarzenberg inspirieren lassen, der in jedem zweiten Satz das Wort „Scheiße“ verwende. Die Anhänger des TOP-09-Vorsitzenden, der bei den Präsidentschaftswahlen gegen Zeman angetreten war, beschimpfte der Präsident ebenfalls mit derben Ausdrücken.

Spitzenpolitiker fast aller Parteien kritisierten den Auftritt am folgenden Tag. Premierminister Bohuslav Sobotka (ČSSD) sagte dem Nachrichtenserver Aktuálně.cz, ein Staatsoberhaupt sollte sich nicht in einer solchen Weise ausdrücken. Der stellvertretende Vorsitzende der Partei TOP 09 Miroslav Kalousek zeigte sich weder mit der Art noch mit dem Inhalt der Äußerungen des Präsidenten einverstanden. Zeman mit seiner Servilität gegenüber dem russischen und dem chinesischen Regime sei das eigentliche Problem, nicht die vulgären Worte.

Wissenschaftler versuchten unterdessen, das Auftreten des Präsidenten zu erklären. Der Politologe Rudolfa Kučera vermutete, Zeman habe die Kontrolle über sich verloren. Als möglichen Grund dafür nannte er dessen gesundheitlichen Zustand. Außerdem würden ihm seine inkompetenten Berater schaden, so Kučera. Sein Kollege Petr Just dagegen meinte, die vulgären Ausdrücke sollten eine neue „Causa“ schaffen, über die in den Medien berichtet werden könne, damit Zemans umstrittenem Flug nach China mit einem von einer Privatfirma geliehenem Flugzeug keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt werde. „Wenn sich Zeman das wirklich so ausgedacht hat, dann hat er allerdings eine unglückliche Form gewählt, denn damit hat er nicht nur sich selbst degradiert, sondern auch das Amt des Präsidenten“, fügte Just hinzu. Zdeněk Zbořil wiederum erklärte, Zeman führe einen Krieg mit den Medien, in dem beide Seiten das rechte Maß verloren hätten.

Protest hagelte es aber auch seitens der Bürger. Beim Rundfunkrat gingen zahlreiche Beschwerden ein. Auf Facebook meldeten sich bis Dienstag mehr als 3.800 Menschen zur Veranstaltung „Ich will mit Ihnen sprechen, Herr Präsident“ an. Sie wollen gegen Zeman demonstrieren, wenn er am 17. November, dem Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie, einen Kranz auf der Prager Nationalstraße niederlegt. Eine am Montag gestartete Online-Petition, die den Rücktritt des Präsidenten fordert, verzeichnete am späten Dienstagabend bereits mehr als 35.000 Unterstützer. Die unbekannten Autoren bezeichnen den Präsidenten als schlechtes Beispiel für die Bürger des Landes und fürchten, er schade dem Ruf Tschechiens in der Welt. Sie hoffen auf mehr als 2,7 Millionen Unterschriften für ihre Initiative – Zeman beruft sich gerne darauf, dass er von so vielen Menschen direkt gewählt worden sei.

Rechtlich relevant ist eine solche Petition allerdings nicht und am Präsidenten ist bisher ohnehin jedwede Kritik abgeprallt. Es gebe keinen Grund, weshalb sich Zeman für die vulgären Ausdrücke entschuldigen solle, sagte sein Sprecher Jiří Ovčáček am Dienstag. Die Worte hätten ihren Kontext und ihre Ursachen gehabt, außerdem habe Zeman eine Debatte über ein wichtiges Thema eröffnet, so Ovčáček. Nämlich darüber, ob es zulässig sei, solche Ausdrücke in der Politik zu verwenden. Am Montag hatte er erklärt, der Präsident habe sich mit den vulgären Ausdrücken „der Gedankenwelt seiner Gegner annähern“ wollen.

Der Sprecher wies auch die Kritik zurück, der Präsident habe das englische Wort „pussy“ mit einem tschechischen Ausdruck übersetzt, der vulgärer sei als das Original. Darauf hatte etwa die Wissenschaftlerin Markéta Malá vom Institut für englische Sprache und Didaktik der Karls-Universität hingewiesen.



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