Von Karl IV. bis Punkrock

Von Karl IV. bis Punkrock

Die Tschechisch-Deutschen Kulturtage verbinden die Geschichte beider Länder mit der Gegenwart

19. 10. 2016 - Text: PZText: PZ; Fotos: DTKT, APZ

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Die Zahlen spiegeln die Vielfalt der Veranstaltung: 34 Konzerte, 16 Filmvorstellungen, drei Theaterstücke, zehn Lesungen und 13 Ausstellungen sowie Foren, Vorträge, Workshops und Wanderungen bilden das Programm der Tschechisch-Deutschen Kulturtage. Den Auftakt macht am 27. Oktober das Konzert der Südböhmischen Kammerphilharmonie aus České Budějovice. Es folgen 18 abwechslungsreiche Tage, in denen das Festival in elf deutschen und sieben tschechischen Städten der Elbregion über die Bühne geht.

Maskottchen der Kulturtage

Ziel ist es, die Kulturlandschaft des jeweiligen Nachbarn, besonders aber den Menschen in Deutschland den kreativen Reichtum Tschechiens vorzustellen. Auf sächsischer Seite finden 65 von über 90 Veranstaltungen statt. Im Fokus stehen dieses Jahr die „Huckepack-Veranstaltungen“, bei denen die Organisatoren der Brücke/Most-Stiftung, des Collegium Bohemicum und weiterer Kooperationspartner die Gäste mit dem Shuttle-Bus über die Grenze bringen. So kann man am 29. Oktober von Dresden aus an einer Exkursion nach Prag teilnehmen und auf den Spuren Kaiser Karls IV. wandeln.

Ein besonderer Höhepunkt für Filmfans ist der Besuch von Oscar-­Preisträger Zdeněk Svěrák. Im „Programmkino Ost“ begrüßt Kritiker Andreas Körner am 29. Oktober den Drehbuchautor und Hauptdarsteller von „Kolja“, der 1997 in Los Angeles als bester fremdsprachiger Film gekürt wurde. Svěrák kommt mit seinem Sohn Jan zur Podiumsveranstaltung, ebenfalls erfolgreicher Regisseur und Drehbuchautor. Im selben Kino läuft in den Tagen darauf eine kleine Retrospektive mit fünf Werken der beiden bekanntesten Vertreter des tschechischen Gegenwartskinos.

Freunde der Kammermusik dürfen sich unter anderem auf zwei Konzerte des Akkordeonspielers Ladislav Horák freuen. Der Professor und Konrektor des Prager Konservatoriums wird an der Seite von Kristina Fialová (Viola) und Petr Nouzovský ­(Violoncello) ein breites Repertoire von Barock- bis Tango­musik präsentieren. Schauplatz ist das malerische Landschloss Zuschendorf bei Pirna (29. und 30. Oktober). Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „Huckepack“ bieten die Kulturtage Interessierten einen musikalischen Ausflug von Dresden nach Ústí nad Labem an. Im Kulturzentrum Hraničář spielt die „Kafka Band“ alternativen Folk-Rock mit literarischer Verknüpfung zum Roman „Das Schloss“ (26. Oktober). Eher an ein jüngeres Publikum dürfte der Auftritt von Bands wie „Backfist“ oder „Crosswell“ im Dresdner Klub Novitatis gerichtet sein. Insgesamt vier Gruppen aus Prag und Liberec spielen am 5. November mit einer Mischung aus harten Riffs, schnellen Schlagzeug­rhythmen und Sprechgesang Punk, Hardcore und Hiphop.

Ein besonderer Fokus der Kulturtage liegt auf der Gastregion Südböhmen. Zahlreiche kulturelle und kulinarische Veranstaltungen präsentieren die Vielseitigkeit des Kreises an der Grenze zu Österreich und Bayern. Dass die Region eine einmalige Verflechtung der drei Länder darstellt, verdeutlicht unter anderem die Historikerin Andrea Dietrich anhand des Adelsgeschlecht der Rosenberger. Auf Schloss Weesenstein sowie im Hauptstaatsarchiv in Dresden lädt Dietrich unter dem Motto „Im Zeichen der Rose. Südböhmen und seine Schlösser“ zu einem kulturhistorischen Vortrag ein (30. Oktober und 1. November).

Und wie zu Beginn des Festivals bildet ein Auftritt von Musikern aus České Budějovice auch den feierlichen Abschluss der Kulturtage. Im Dresdner Lingner­schloss spielen junge Solisten des südböhmischen Konservatoriums unter anderem Werke von Gabriel Fauré, Igor Strawinsky und Antonín Dvořák.

Literaturfreunde müssen dieses Jahr zwar auf die Shuttle-­Lesung „Prager Nacht“ verzichten, werden aber mit zehn Veranstaltungen rund um Lyrik und Prosa entschädigt. Unter anderem mit einer Lesung des Autors Jaroslav Rudiš, der am 10. ­November in der Sächsischen Akademie der Künste Ausschnitte aus seinem zuletzt veröffentlichten Buch „Nationalstraße“ vorstellen wird.

www.tdkt.eu

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