Von Hamlet bis Hussein

Von Hamlet bis Hussein

Internationales Theaterfestival Pilsen gewährt Einblick in europäische Bühnentrends

10. 9. 2014 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Foto: festivaldivadlo.cz

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„Ein reiches Programm, wie wir es in Pilsen lange nicht mehr hatten“, verspricht Festival­direktor Jan Burian. Zum Internationalen Theaterfestival in Pilsen erwarten die Besucher bis 19. September 44 Aufführungen von 26 einheimischen und sieben internationalen Ensembles. Theatergruppen aus Israel, Frankreich, Ungarn, Deutschland, Polen, Slowenien und der Slowakei gastieren in der westböhmischen Stadt, um sich mit ihren tschechischen Kollegen auf der Bühne zu messen. Seit 21 Jahren lädt das Festival Theaterschaffende aus aller Welt nach Pilsen ein, um ungewöhnliche und klassische Stücke in konventionellen sowie unkonventionellen Spielstätten zu präsentieren. Besonders freuen sich die Initiatoren auf die moderne Bühne des in der vergangenen Woche eröffneten Neuen Theaters (Nové divadlo), auf der sich laut Burian ein großer Teil der Aufführungen abspielen soll.

„In diesem Jahr haben wir unseren Blick stärker nach Westen gerichtet“, wie Dramaturgin Dora Viceníková die Auswahl der Stücke kommentiert. Auf ein übergeordnetes Festival-Motto habe man aber verzichtet. „Anstatt das Programm nach einem bestimmten dramaturgischen Schlüssel auszurichten, wollen wir einen möglichst weiten Einblick in die verschiedenen Theatertrends bieten“, so Viceníková.

Auf dem Spielplan steht unter anderem die Hamlet-Inszenierung des polnischen Regisseurs Jan Klata. Gemeinsam mit dem Schauspielensemble Bochum hat er den klassischen Stoff im Stil einer Graphic Novel umgestaltet. Das Ergebnis ist ein groteskes Gruselkabinett, gespickt mit ironischen Kommentaren und Popsongs. Nicht weniger absurd präsentiert sich das minimalistische Stück „L’Effet de Serge “ von Philippe Quesne. Mit dem Stück gelang dem Franzosen 2007 der Durchbruch als Theatermacher. Die Geschichte des verschrobenen Serge, der sonntags Freunde zu einminütigen Show-Spektakeln in sein Wohnzimmer einlädt, kann als Parodie auf den Theaterrummel gelesen werden.

Die letzten Tage des irakischen Diktators Saddam Hussein hat der Regisseur und Dramatiker Yonatan Levy aus Tel Aviv zum Thema seiner Aufführung gemacht. „Saddam Hussein – A Mystery Play“ bringt vier Saddam-Figuren auf die Bühne – schließlich soll der Diktator für seine öffentlichen Auftritte mindestens drei Doppelgänger gehabt haben. Seit drei Jahren erfreut sich die israelische Off-Theater-Produktion großer Beliebtheit. Sie entwirft ein reflektiertes Bild vom Bösen, ohne dabei den Blick für die Ambivalenz der Komik zu verlieren.

Neben den internationalen Bühnen-Highlights finden sich zahlreiche Bekannte der tschechischen Theaterszene. So können sich die Zuschauer beispielsweise auf die jüngste Performance des Cirque-Nouveau-Ensembles „Cirk La Putyka“ oder den „Hamlet“ des Regisseurs David Špinar vom Prager Švanda-Theater freuen.

Die letzten Sommerabende dieses Jahres können Besucher bei Open-Air-Inszenierungen genießen. Das musikalische Puppenspiel „Life of Mary“ auf dem Vorplatz des Theaters „Mundi“ lädt auch kleine Besucher in die komische Welt der Tragödie ein. Die Performance „The Cycle“ des polnischen Ensembles „Usta Usta Republika“ verbindet Theater mit Computeranimation – das schauspielerische Experiment ist auf dem Platz der Republik zu sehen.

Diskussionsrunden und Ausstellungen ergänzen das Veranstaltungsangebot. Während das Hauptprogramm des Festivals bis 14. September über die Bühnen der Kulturhauptstadt Europas 2015 geht, findet von 15. bis 19. September ein sogenannter Epilog mit Inszenierungen Prager Theaterhäuser statt. Alle Aufführungen haben entweder englische Übertitel oder werden gedolmetscht.

Mezinárodní festival divadlo Plzeň, 9. bis 19. September, Informationen unter
www.festivaldivadlo.cz