Vier gegen den Abstieg

Mit Slavia und den Bohemians 1905 kämpfen auch zwei Prager Traditionsklubs um den Klassenerhalt –
Slovan Liberec holt letzten Europapokal-Platz

29. 5. 2014 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: APZ

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Es hätte eine Übergangssaison werden sollen. Eine, in der man in Ruhe eine sportliche Basis schafft, um nach Jahren im Mittelmaß möglichst bald wieder weiter oben anzugreifen. Daraus wurde nichts, denn der Prager Traditionsverein Slavia Prag spielt gegen den Abstieg. Daran konnte auch der Trainerwechsel von Michal Petrouš zu dem Holländer Alex Pastoor nichts ändern. Zusammen mit den Rot-Weißen kämpfen auch die Bohemians 1905 aus Vršovice gegen den Fall in die zweite Liga. Höhenflüge hatte man vom Aufsteiger aber auch nicht erwartet. Am Samstag kommt es am letzten Spieltag der Saison zur Entscheidung. Neben den beiden Prager Vereinen bangen auch die Klubs aus Olomouc und Znojmo um den Klassenerhalt.

Slavia hätte vergangenen Sonntag zuhause gegen Slovácko alles klarmachen können. Ein Sieg gegen den Tabellensechsten, für den es um nichts mehr ging, hätte gereicht. Und es sah eine Weile ganz gut aus, denn Slavia ging dank eines Treffers von Marcel Gecov in der 71. Minute in Führung. Man wähnte sich schon aller Abstiegssorgen entledigt, ehe Slováckos Jan Trousil kurz vor Schluss ausglich. „Es war ein interessantes Spiel, mit einem traurigen Ende für uns. Eigentlich wollten wir hier den Klassenerhalt feiern, aber so bleibt es bis zum Schluss dramatisch“, erklärte Pastoor nach seinem letzten Heimspiel im Eden-Park. Er und Slavia gehen nach Saisonende bereits wieder getrennte Wege. Auf ein Herzschlagfinale hätten beide Seiten gerne verzichtet. Am Sonntag reist Slavia nach Ostrava zum FC Baník, der dank eines 0:0-Unentschiedens in Teplice endgültig ein weiteres Jahr in der obersten Spielklasse planen kann. Auch der Traditionsverein aus der mährischen Industriemetropole mühte sich lange am Tabellenende ab.

Geschenk an die Bohemians
Dem FK Teplice gelang es somit nicht, eine überraschend erfolgreiche Saison mit der Teilnahme am internationalen Geschäft zu krönen. Stattdessen sicherte sich Slovan Liberec bei Dukla Prag die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation. Das Team der Nordböhmen gewann dank eines sehenswerten Weitschusses von David Pavelka mit 1:0. Liberec hat sich rechtzeitig von den zahlreichen Abgängen im Winter und der Formschwäche im Frühjahr erholt. Der neue Trainerbesen David Vavruška scheint gut zu kehren, nachdem der Klub sich im April von seinem langjährigen Erfolgscoach Jaroslav Šilhavý getrennt hatte.

Jener heuerte für die kommende Spielzeit bei Baumit Jablonec an. Mit dem ambitionierten Kleinklub möchte er zurück ins internationale Geschäft, wo er mit Liberec vergangenen Herbst beste Werbung in eigener Sache machte. Vorerst trifft Šilhavý aber auf eine mediokre Mannschaft, die die ablaufende Saison leistungsgerecht im Mittelfeld beenden wird. Gegen Abstiegskandidat Bohemians 1905 Prag ließ das Team des scheidenden Trainers Roman Skuhravý die Zügel etwas schleifen. Die Bohemians nahmen das sonntägliche Geschenk gerne an und drehten einen Rückstand in den so wichtigen 2:1-Auswärtssieg, der die Hoffnung zurück ins Ďolíček brachte.

Die Hauptstädter kletterten vor dem letzten Spieltag vom 16. auf den 14. Rang, gleichbedeutend mit dem ersten Nichtabstiegs-Platz. „Meine Mannschaft spielte mutig nach vorne und am Ende half uns auch das Glück. Jetzt haben wir es wieder in den eigenen Füßen“, gab sich Bohemians-Trainer Luděk Klusáček erleichtert. Gleichzeitig bedankte sich sein Kontrahent Skuhravý mit sarkastischem Unterton bei seinen Spielern, dass sie ihm vor heimischem Publikum einen würdigen Abschied ermöglicht haben.

Im direkten Duell der beiden weiteren Abstiegskandidaten besiegte Sigma Olomouc den 1. SC Znojmo mit 2:0. Die Klubs belegen zurzeit die letzten beiden Ränge. Olomouc muss am 30. Spieltag nach Liberec fahren, Znojmo empfängt zuhause Dukla Prag. Am schwierigsten haben es die Bohemians; sie spielen gegen Vizemeister Pilsen. Einem dramatischen Finale, wie es Slavias Alex Pastoor voraussagte, steht nichts mehr im Wege.

Tabellensituation vor dem letzten Spieltag

1. Sparta Prag 76 Punkte
2. Viktoria Pilsen 65 Punkte
3. Mladá Boleslav 50 Punkte
4. Slovan Liberec 47 Punkte
5. FK Teplice 43 Punkte
(…)
13. Slavia Prag 30 Punkte
14. Bohemians 1905 Prag 29 Punkte
15. Sigma Olomouc 28 Punkte
16. 1. FC Znojmo 27 Punkte