Verwunschene Märchenwälder

Verwunschene Märchenwälder

Bei Hrubá Skála im Böhmischen Paradies kann man im Spätherbst in wunderbar mythische Landschaften eintauchen

30. 10. 2014 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: Alofok

Sie sehen ein bisschen aus wie die Steinstatuen auf den Osterinseln, nur dass die bizarren Felsformationen, denen man auf den Wanderwegen durch das Böhmische Paradies (Český ráj) begegnet, von der Natur und nicht von Menschenhand erschaffen wurden. Die Sandstein-Köpfe mit ihren knolligen Nasen, tiefen Augenhöhlen und vernarbten Wangen könnten Porträts urzeitlicher, mythischer Trolle sein.

Eingebettet in verwunschene und nebelverhangene Waldlandschaften voller bunter Blätter und hoher Tannen wähnt man sich tatsächlich eher in einer düsteren, mittelalterlichen Märchenlandschaft als im „Geopark“ Böhmisches Paradies. Eines der ältesten Naturschutz­areale Tschechiens liegt rund anderthalb Auto- oder zweieinhalb Zugstunden nordöstlich von Prag. Während das Gebiet nahe der Kleinstadt Turnov (Turnau) im Sommer vor allem ein Paradies für Kletterer ist, birgt der Herbst beste Gelegenheiten zu malerischen Spaziergängen.

Besonders prägend für die Mittelgebirgslandschaft sind die zahlreichen Felsenstädte aus Sandstein. Sie ähneln stark denjenigen der Sächsischen und Böhmischen Schweiz, nur sind sie vor allem außerhalb Tschechiens weniger bekannt. Ausgehend von Turnov oder von einem der nahen kleinen Dörfer entlang der Eisenbahnstrecke nach Hradec Králové erreicht man alle drei – voneinander getrennten – Schutzgebiete bequem zu Fuß. Das gut ausgebaute Netz an Wegweisern führt den Wanderer sicher ans Ziel. Hat man erst einmal die Waldgebiete in den Hügelzügen erreicht, wird der Wanderausflug zum Kinderspiel.

Die Wege sind nicht sehr anspruchsvoll, was das Böhmische Paradies zum idealen Wandergebiet für die ganze Familie macht. Dieser Umstand hat sich in Tschechien schon derart herumgesprochen, dass manche Eltern sogar auf die Idee kommen, mit dem Kinderwagen durch die Steinformationen zu flanieren. Das wird aber spätestens dann zum Problem, wenn sich die Wanderpfade zu engen Schluchten verdichten und Durchgänge teilweise nicht einmal mehr als einen Meter breit sind. So zu sehen und erleben rund um die alte Schlossanlage Hrubá Skála nahe der gleichnamigen Gemeinde. Wie in einem Kafka-Roman erhebt sich die im Spätmittelalter errichtete, weitgehend von Renaissancelementen dominierte Anlage hoch über einem kleinen verschlafenen Weiler. Heute beherbergt sie ein Wellness-Hotel mit Restaurant und ein etwas preisgünstigeres Hostel.

Von hier ist es nur ein Halbtagesmarsch zur größten Touristenattraktion des Gebietes, der Burgruine Trosky, die spektakulär auf zwei spitzen Felsen gebaut wurde. Das nationale Denkmal ist jedoch von November bis März nicht zugänglich, so muss man sich im Spätherbst und Winter mit der wunderschönen Aussicht auf die umliegenden Hügel begnügen. Mit etwas Glück und klarem Wetter sind in der Ferne der Ještěd bei Liberec im Norden und etwas östlicher die Spitze der Schneekoppe im Riesengebirge zu erkennen.

Nützliche Internetadressen
Touristeninformation (mit Wanderrouten): www.cesky-raj.info
Wellness-Hotel und Schloss Hrubá Skála: www.hrubaskala.cz
Burgruine Trosky: www.hrad-trosky.eu



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