Unkonventionell charmant

Unkonventionell charmant

Das Festival des französischen Films überrascht mit anspruchsvollen Beiträgen

19. 11. 2014 - Text: Peter HuchText: Peter Huch; Foto: K. Films

Die junge Braut Nil (Nailia Harzoune) flüchtet panisch vor dem Traualtar. Statt dem von ihrer Familie zur Heirat vorgesehenen älteren Mann begehrt die türkischstämmige Französin den gleichaltrigen Rom Lucky­ (David Murgia). Durch diese Liaison entspinnt sich ein dramatischer Kampf zwischen den Familien der beiden Liebenden. Mit unkonventionellen Methoden und brüskem Charme will die Sozialarbeiterin Geronimo (Céline Sallette ) für Ordnung zwischen den beiden Clans sorgen. Das Musical „Geronimo“ von Tony Gatlif schwankt zwischen der Leichtigkeit eines Holly­wood-Musicals, der Romantik aus Shakespeares „Romeo und Julia“ und der Tiefe eines Sozialdramas.

Diese ungewöhnliche und überraschende Mischung präsentiert die 17. Ausgabe des Festivals des französischen Films in Prag. In den Spielstätten Světozor, Lucerna, Kino 35 sowie Cinestar Anděl vertreten insgesamt 45 Beiträge die jüngsten Tendenzen des frankophonen Kinos. Zahlreiche Filme werden mit englischen Untertiteln gezeigt.
Als eine prominente Vertreterin gilt die Québecerin Catherine Martin. Mit „Une jeune fille“ erzählt die 56-Jährige eine melancholische Geschichte, die mit wenigen Worten und ebenso wenig Handlung auskommt. In den atemberaubend schönen Landschaften Kanadas pflegt die Teenagerin Chantal (Ariane Legault) ihre kranke Mutter. Als diese stirbt, verlässt sie den arbeitslosen Vater und macht sich auf in die Wildnis. Nachdem ihr das Geld ausgeht, landet die Hungernde bei dem Landwirt Serge (Sébastien Ricard) und versucht gemeinsam mit ihm, ein neues Leben zu beginnen.

Das Festival zeigt auch leichtere Kost. Anne Fontaines Komödie „Gemma Bovery“ lehnt sich nur oberflächlich an Gustave Flauberts weltberühmten Roman mit der unglücklichen Emma Bovary an. Der Pariser Intellektuelle Martin (Fabrice Luchini), der sein Dasein als Bäcker in der Provinz fristet, trifft die junge Engländerin Gemma Bovery (Gemma Arterton). Er sieht in ihr die Reinkarnation von Flauberts Figur und verliebt sich in sie. Um sie vor ihrem tragischen Schicksal zu bewahren, beginnt der Einsiedler damit, Intrigen zu spinnen. Doch das wahre Leben gestaltet sich schwieriger als die Literatur …



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