Kommentar: Ungleiches Duell

Kommentar: Ungleiches Duell

Fairplay wird im Wahlkampf nicht belohnt

30. 1. 2013 - Text: Marcus HundtText: Marcus Hundt; Foto: čtk

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Während seine Anhänger noch im Siegestaumel feierten, wirkte Miloš Zeman wenige Minuten nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gefasst. Abgeklärt reagierte er auf die Frage, wie man die in den vergangenen Wochen polarisierte Gesellschaft zusammenbringen könne, mit einer Fußball-Metapher. Im Wahlkampf hätten Sparta und Slavia gegeneinander gespielt, nach dem Derby „müssen wir alle für eine Mannschaft spielen – nämlich für die Nationalmannschaft“.

Die erste Direktwahl eines tschechischen Staatsoberhaupts erinnerte tatsächlich an ein Fußballspiel zweier Vereine mit Fans, die sich feindlich gegenüberstehen. Die Bestplatzierten der ersten Runde – Miloš Zeman und Karel Schwarzenberg – begegneten sich im Spiel um die Meisterschaft jedoch nicht auf Augenhöhe. Während der Außenminister in der Defensive verweilte und lediglich die Attacken des Gegners abzuwehren versuchte, spielte der frühere Regierungschef souverän und im entscheidenden Moment auf Konter. Zudem verfügte Zeman über zwei Vorteile.

Zum einen stand im Wahlkampf kein Schiedsrichter auf dem Platz, der ihm bei Schlägen unter die Gürtellinie die gelbe Karte hätte zeigen können – gemeint sind etwa die angestoßene Diskussion über die Beneš-Dekrete (entscheidend war eigentlich Benešs Ruf; er wird hierzulande als eine Art Staatssymbol verehrt) und die üble Nachrede auf Schwarzenbergs Familie. Zum anderen das forsche Auftreten eines überhaupt nicht spielberechtigten Václav Klaus, der bereits nach seinen Aussagen über die Voraussetzungen für den Titelkampf hätte vom Platz gestellt werden müssen. Es solle niemand Staatsoberhaupt werden, der nicht einen Großteil seines Lebens in Tschechien verbracht habe, lautete die erste Parteinahme des noch amtierenden Präsidenten.

Klaus wusste nach über 20 Jahren in der tschechischen Politik genau, dass er damit wahlentscheidende Worte ausgesprochen hatte. Obwohl die Zuschauer die Fouls Zemans respektive seines Wahlkampfteams gesehen hatten und bemerkten, dass Schwarzenberg in insgesamt vier Fernsehduellen relativ blass geblieben war: Eine große Rolle spielte die Ansicht vieler (losgelöst vom Programm und Charakter der Kandidaten), dass Zeman ein Tscheche ist und Schwarzenberg eben kein richtiger. Dass der Fürst, der den „real existierenden Sozialismus“ vom westlichen Ausland aus verfolgt hatte, nicht zu ihnen gehört und noch nicht einmal richtig Tschechisch spricht.

Das sind die simplen Gründe, die den Tschechen weitaus wichtiger waren als leidige Diskussionen um die Vertreibung und Schwarzenbergs Mitgliedschaft in der Regierungsmannschaft. Kandidaten mit vergleichbarer Herkunft oder ähnlichen Sprachproblemen hätten sich auch in anderen Ländern schwerlich durchgesetzt. Dafür ist Schwarzenbergs Ergebnis eine respektable Leistung – für ihn selbst und vor allem für die tschechische Wählerschaft.