Tschechisch essen gegen die Ukraine-Krise

Tschechisch essen gegen die Ukraine-Krise

EU reagiert auf russisches Embargo. Politiker fordern Patriotismus beim Einkauf

21. 8. 2014 - Text: Corinna AntonText: ca/čtk; Foto: Michael Cannon

Noch vor wenigen Wochen hatten tschechische Politiker die Sanktionen gegen Russland gelassen kommentiert. Doch seitdem Moskau Anfang August mit einem Importverbot für Lebensmittel aus der EU reagiert hat, fürchten sich hierzulande Landwirte und Lebensmittelhersteller vor den wirtschaftlichen Folgen der Ukraine-Krise. Ein Überschuss auf dem europäischen Markt könnte dazu führen, dass die Preise für Lebensmittel um bis zu 15 Prozent sinken, sagte in der vergangenen Woche eine Sprecherin der tschechischen Lebensmittelkammer. Unter anderem Hamé, der hierzulande als größter Hersteller von Fertigprodukten gilt, will Kompensationen von der tschechischen Regierung oder von der EU verlangen.

Letztere hat mittlerweile reagiert. Die EU-Kommission verkündete am Montag Sofortmaßnahmen. Seit dieser Woche können Produkte wie Tomaten, Karotten, Weißkohl, Paprika oder Blumenkohl zum Beispiel vom Markt genommen und kostenlos verteilt werden, um ein Überangebot zu verhindern. Landwirte oder Hersteller erhalten dafür eine Kompensation.

Um die tschechischen Erzeuger zu unterstützen, hatte Landwirtschaftsminister Marian Jurečka (KDU-ČSL) zuvor die staatlichen Behörden aufgefordert, heimische Lebensmittel für ihre Kantinen zu kaufen. Auch in Schulen, Altenheimen und weiteren öffentlichen Einrichtungen sollte dem Minister zufolge vorwiegend mit tschechischen Produkten gekocht werden, und zwar vor allem mit solchen, die vom Embargo besonders betroffen sein könnten.
Der Präsident der Agrar- und Lebensmittelkammer Miroslav Toman und der südmährische Kreishauptmann Michal Hašek (ČSSD) kamen nach einem Treffen zu dem Ergebnis, dass bloße Appelle an die Verbraucher nicht ausreichen würden. Der Südmährische Kreis sei bereit, von September an konkret zu helfen, so Hašek.