Titelträume und Abstiegssorgen

Titelträume und Abstiegssorgen

Die Prager Fußballvereine gehen mit unterschiedlichen Erwartungen in die neue Spielzeit

7. 8. 2014 - Text: Stefan WelzelText: sw/mh; Foto: ČTK/Roman Vondrouš

Drei von vier Prager Erstligavereinen sind erfolgreich in die neue Fußballsaison gestartet. Während Sparta und Slavia mit zwei Siegen die Tabelle der Synot Liga anführen und auch Dukla auf einem Europa­pokal-Platz steht, finden sich die Bohemians aus dem Stadtteil Vršovice mit zwei Niederlagen auf einem Abstiegsplatz wieder. Spiegelt das jetzige Bild das tatsächliche Kräfteverhältnis wider? Welche Chancen können sich die Hauptstadtvereine für diese Saison ausrechnen? Die „Prager Zeitung“ bringt Licht ins Dunkel.

Slavia Prag
Während Sparta mit dem Gewinn der Meisterschaft jedes Jahr das gleiche Ziel ausgibt, musste Erzrivale Slavia seine traditionell hohen Erwartungen in den vergangenen Jahren revidieren. Seit den beiden Titelgewinnen in den Jahren 2008 und 2009 begab man sich sowohl in sportlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht auf Talfahrt, die zuletzt mit ungewohnten Abstiegssorgen ihren Tiefpunkt erreichte. Trainer kamen und gingen, namhafte Zugänge wie Karol Kysel, Martin Fenin und Tomáš Necid – im Frühjahr von ZSKA Moskau ausgeliehen – konnten dem Verein nicht auf die Beine helfen.

Nun soll es ein alter Bekannter richten: Miroslav Beránek. Der 57-jährige ehemalige Slavia-Spieler stand für den Verein bereits in der Saison 1994/95 sowie zwischen 2001 und 2003 an der Seitenlinie. „Slavia bedeutet für mich eine große Herausforderung. Wir haben in der Vorbereitung hart gearbeitet und wollen nun dorthin zurück, wo der Verein hingehört“, hatte Beránek bereits vor dem Saisonauftakt gesagt. Damit meint er das internationale Geschäft. Mit zwei Pflichtsiegen gegen Slovácko und Ostrava befindet sich Slavia momentan auf dem zweiten Tabellenplatz, die Mannschaft hat die Vorgabe des Trainers bisher also erfüllt.

Bohemians 1905
Auf einen neuen Trainer baut auch der andere Prager Verein, der noch am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison um den Klassenerhalt bangte. Die Bohemians 1905 sind vor allem dank ihres kämpferischen Einsatzes in der Liga geblieben. Spielerische Glanzlichter wie zu Zeiten von Antonín Panenka sind im Dolíček-Stadion schon länger nicht mehr zu sehen. Die Bohemians entwickelten sich seit Beginn der neunziger Jahre zu einer typischen Fahrstuhlmannschaft. Nun hat die oft so schwierige zweite Saison nach dem Aufstieg begonnen.

Der 47-jährige Slowake Roman Pivarník, der seine beste Zeit als Aktiver Mitte der Neunzigerjahre bei Rapid Wien erlebte, soll nun dafür sorgen, dass die Bohemians auch weiterhin in der ersten Liga spielen. „Die Bohemians sind eine große Nummer, sodass ich mir das Job-Angebot nicht zweimal überlegen musste. Mit Sportdirektor Tomáš Požár liegt nun aber erst einmal viel Arbeit vor mir“, verwies Pivarník nach Amtsantritt auf die Schwierigkeiten, ein wettbewerbsfähiges Team zusammenzustellen. Gemeinsam mit Jihlava und Příbram verfügt der Verein über das geringste Budget aller Erstligisten. Doch obwohl ihm nur rund 35 Millionen Kronen (umgerechnet 1,25 Millionen Euro) zur Verfügung stehen, konnte man mit John Mosquera (aus Spaniens zweithöchster Liga) und Matúš Mikuš vom slowakischen Klub FC Nitra zwei Stürmer mit Potenzial verpflichten.

Dukla Prag
Wenig neue Gesichter lassen sich – ähnlich wie bei Meister Sparta – beim einstigen Armeeverein Dukla Prag ausmachen. Der kleine Fußballklub mit dem großen Namen aus dem Stadtteil Dejvice nimmt in der tschechischen Liga so etwas wie die Rolle der grauen Maus ein. Dominierte Dukla in den fünfziger und sechziger Jahren den tschechoslowakischen Fußball, begann nach der Wende der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Ohne die finanzielle Unterstützung des sozialistischen Staates steht dem Verein mit 45 Millionen Kronen ein ähnlich geringer finanzieller Rahmen zur Verfügung wie den Bohemians.

Der prominenteste Vertreter des Teams sitzt auf der Bank: Jan Suchopárek, der ehemalige Nationalspieler und Vize-Europameister, ist Assistent von Trainer Luboš Kozel. Dukla dürfte wie in den vergangenen Jahren stark genug sein, um dem Abstiegsstrudel zu entgehen. Für den Kampf um die Europapokal-Plätze fehlt es aber wahrscheinlich an wirtschaftlicher Potenz.

Sparta Prag
Damit hat Sparta keine Probleme. Der Rekordmeister arbeitet auch diese Saison mit dem umfangreichsten Etat aller 16 Erstligavereine. Rund 300 Millionen Kronen (11,5 Millionen Euro) beträgt das Basisbudget. Sollte der Sprung in die Champions-League geschafft werden, vervielfacht sich dieser Betrag. Großes Plus für Sparta: Die Leistungsträger der vergangenen Meistersaison sind fast alle an Bord geblieben. Und dass Sparta so stark ist wie seit Jahren nicht mehr, beweist der beeindruckende Start in die neue Saison, national wie international. Nach Siegen gegen Bohemians 1905 und den FC Vysočina Jihlava ist der Verein schon wieder Tabellenführer.

Am 6. August tritt der Verein in der dritten Runde der Champions-League-Qualifikation beim schwedischen Meister Malmö FF an. Die Chancen auf ein Weiterkommen stehen gut: Das Hinspiel konnte die Mannschaft von Trainer Vítězslav Lavička mit 4:2 für sich entscheiden.