Synergie statt Kontrolle

Synergie statt Kontrolle

Die Investment-Gruppe Penta übernimmt den Verlag Vltava-Labe-Press mit der Tageszeitung „Deník“ – und hofft auf Vorteile für sich und ihre Produkte

26. 8. 2015 - Text: Corinna AntonText: Corinna Anton; Foto: APZ

Mit ihren 71 Regionalausgaben zählt die Tageszeitung „Deník“ zu den meistgelesenen Blättern des Landes. Seit Mitte August hat sie einen neuen Besitzer: Die Verlagsgruppe Passau verkaufte den Verlag Vltava-Labe-Press (VLP) – und damit die Regionalausgaben von „Deník“ – an die Investmentgesellschaft Penta. Wie schon die Tageszeitungen „Mladá fronta Dnes“ und „Lidové noviny“, die zum Unternehmen Agrofert von Finanzminister Andrej Babiš (ANO) gehören, wird auch „Deník“ Teil eines internationalen Konzerns, der Verlage und Firmen aus anderen Branchen unter einem Dach vereint. Medienexperten sehen das kritisch.

Die tschechisch-slowakische Gesellschaft Penta investierte bisher vor allem im Gesundheitswesen und im Immobiliensektor, im Einzelhandel und der Finanzbranche. Hierzulande besitzt sie unter anderem die Apotheken-Kette Dr. Max, den Wettanbieter Fortuna sowie den größten Flugzeughersteller Aero Vodochody. In der Medienbranche betätigt sich Penta seit dem vergangenen Jahr, als das Unternehmen in der Slowakei unter anderem die Verlagshäuser Trend Holding und 7 Plus erwarb. Damit wurde Penta zu einem der wichtigsten Investoren auf dem slowakischen Presse- und Onlinemedienmarkt. Nachdem die Investmentgruppe auch mit dem Herausgeber der überregionalen Zeitung „Sme“ zusammenarbeitete, reichten dort einige Redakteure aus Protest ihre Kündigung ein und gründeten ihr eigenes Blatt namens „Denník N“.

Tomáš Trampota vom Lehrstuhl für Medienwissenschaften der Prager Karls-Universität bezeichnet die Übernahme von Vltava-Labe-Press als logischen Schritt für Penta. „Zugleich setzt sich der Trend fort, dass in tschechische Medienunternehmen Gesellschaften einsteigen, deren Kerngeschäft in einer anderen Branche liegt.“ Der nun verkaufte Verlag, der über ein Monopol im Bereich Regionalpresse verfüge, erreiche mehr Leser als die meisten überregionalen Tageszeitungen, so Trampota. Er fürchtet, dass der Konzern Penta die Regionalausgaben des „Deník“ nutzen könnte, um günstig Reklame für andere Produkte und Dienstleistungen der Unternehmensgruppe zu machen.

„Gewisses Risiko“
Laut Martina Vojtěchovská, der Chefredakteurin des Online-Portals Mediaguru.cz, würde es die Leser in der Regel nicht interessieren, wenn eine Zeitung den Eigentümer wechselt; auch sie warnt jedoch: „Einige Finanzgruppen haben sich den Einfluss auf die tschechischen Zeitungen aufgeteilt. Das birgt natürlich ein gewisses Risiko mit Blick auf die journalistische Arbeit, wie bei allen Subjekten, die auch außerhalb der Medien tätig sind.“

Dass es Penta in erster Linie um die Unabhängigkeit der Redakteure geht, darf zumindest bezweifelt werden. So sagte Miteigentümer Marek Dospiva bereits im April gegenüber der Tageszeitung „Hospodářské noviny“, mit dem Einstieg in die Medienbranche wolle Penta „das Umfeld verbessern, in dem wir leben“. Je transparenter es in Tschechien und der Slowakei zugehe, so Dospiva, „desto besser wird es unseren Firmen gehen“. Zugleich sprach er von „Synergie­effekten“ zwischen den Einzelhandelsunternehmen und den Medien der Penta-Gruppe – „sei es im Bereich Werbung oder auch im Sinne einer gewissen Aufklärung“. Außerdem erklärte er: „Ich werde nicht um den heißen Brei herumreden. Dass wir Medien besitzen, gibt uns die Sicherheit, dass es für jeden schwieriger wird, uns mit irrationalen Behauptungen anzugreifen.“

Mit dem Verlagshaus Vltava-Labe-Press erwirbt Penta auch die Druckerei Novotisk. Den Kaufvertrag mit der Verlagsgruppe Passau unterzeichneten Vertreter beider Unternehmen Mitte August. Außerdem übernimmt Penta 51 Prozent des Unternehmens Astrosat Media, das die Zeitschriften „Květy“, „Vlasta“, „Story“, „TV magazín“ und „National Geographic Česko“ herausgibt, sowie Anteile an den Vertriebsgesellschaften Česká distribuční und PNS und an der Agentur für Onlinewerbung AdActive. Der Vertrag muss noch vom Kartellamt genehmigt werden.

„Nicht mehr rentabel“
Die Verlagsgruppe Passau führte strategische Gründe für den Verkauf der tschechischen Tochter an. „Die Transaktion ermöglicht uns, dass wir uns auf den deutschen Markt konzentrieren, wo wir weiter wachsen wollen“, sagte Geschäftsführerin Simone Tucci-Diekmann. Der tschechische Medienanalytiker und Publizist Milan Šmíd glaubt, dass sich die Niederbayern künftig stärker auf das Internet konzentrieren wollen. „Die klassische Presse ist nicht mehr rentabel und die Perspektiven für das Onlinegeschäft sind woanders besser als bei uns“, erklärte er den Rückzug des deutschen Investors.
Die Aktiengesellschaft Vltava-Labe-Press entstand im Jahr 2000, als sich die Herausgeber mehrerer Regionalzeitungen mit der Firma Mír zusammenschlossen. Bereits Anfang der neunziger Jahre hatte jedoch die Konzentration der Regionalpresse eingesetzt, hinter der maßgeblich die Verlagsgruppe Passau stand. Schon 1993 gehörten 28 tschechische Tageszeitungen den Niederbayern, sieben Jahre später erwarb VLP die überregionalen Medien „Slovo“ und „Zemské noviny“, es folgten weitere Publikationen, darunter die meistgelesenen mährischen Zeitungen „Rovnost“ und „Svoboda“.

Von ihren derzeit 94 regionalen Titeln verkaufte Vltava-Labe-Press im Juni durchschnittlich etwa 141.000 Stück pro Tag. Vor fünf Jahren waren es im selben Monat noch 224.000 Exemplare gewesen. Entsprechend ging auch der Umsatz des Verlages zurück. Zuletzt bewegte er sich bei etwa einer Milliarde Kronen – in der Vergangenheit hatte er schon das Doppelte betragen. Zu seinen wirtschaftlich erfolgreichsten Zeiten war der Verlag übrigens auch Miteigentümer des Fußballvereins Sparta Prag. Im Jahr 2004 verkaufte VLP seine Anteile jedoch an die Finanzgruppe J&T – die über Daniel Křetínský und Patrik Tkáč auch mit dem Medienunternehmen Czech News Center verbunden ist.

Penta Investments
Die tschechisch-slowakische Gesellschaft Penta wurde 1994 von Marek Dospiva und Jaroslav Haščák gegründet. Weitere Partner sind derzeit Jozef Oravkin, Ian Child und Eduard Maták. Der Vermögenswert des Unternehmens wuchs im vergangenen Jahr um drei Prozent auf etwa 6,7 Milliarden Euro (mehr als 180 Milliarden Kronen). Der Reingewinn sank um 30 Prozent auf 70 Millionen Euro. Penta investierte 2014 rund 330 Millionen Euro, einen großen Teil davon im Bereich Gesundheitswesen und Immobilien sowie in den Flugzeughersteller Aero Vodochody. Das Unternehmen kaufte zuletzt unter anderem die Apotheken-Netze Apteka Mediq in Polen sowie SP Diamed, Novolékárna und Harmonie in Tschechien, außerdem drei Regionalkrankenhäuser und eine Poliklinik in der Slowakei. Im Immobiliensektor investierte Penta in ein Bürozentrum in Warschau, in das Prager Verwaltungsgebäude Florentinum und das Einkaufs- und Vergnügungszentrum Bory Mall in der Slowakei. Penta ist in mehr als zehn europäischen Ländern aktiv und unterhält Vertretungen in Prag, Bratislava, Warschau, München und Amsterdam sowie auf der Kanalinsel Jersey und auf Zypern, wo das Management der Holding sitzt. Das Geschäft in Tschechien und der Slowakei wird über Tochtergesellschaften abgewickelt. Insgesamt beschäftigt Penta mehr als 35.000 Mitarbeiter.   (ca/čtk)



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