Strategien für sichere Stadien

Strategien für sichere Stadien

Innenminister Chovanec erörtert in Berlin neue Wege zur Bekämpfung des Hooligan-Problems

22. 10. 2014 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: milanchovanec.cz

Die schockierenden Bilder sind der tschechischen Öffentlichkeit in Erinnerung geblieben: Gewaltbereite Fans des Fußballklubs Baník Ostrava lieferten sich Ende März dieses Jahres eine regelrechte Schlacht mit der Polizei. Die Brutalität und Unerschrockenheit der Hooligans entfachte das Thema „Sicherheit in den Stadien“ von Neuem, nachdem es diesbezüglich in Tschechien jahrelang ruhig gewesen war. Damals versprach Innenminister Milan Chovanec (ČSSD) ein konsequentes Vorgehen des Staates. Am Dienstag vergangener Woche besuchte er nun im Rahmen eines Treffens mit seinem deutschen Amtskollegen Thomas de Maizière (CDU) in Berlin führende Funktionäre des Deutschen Fußballbundes (DFB) und ließ sich erklären, wie man im Nachbarland das Problem des „Hooliganismus“ angeht.

„In Tschechien müssen in naher Zukunft drei entscheidende Schritte in Angriff genommen werden“, so Chovanec nach dem Treffen mit den DFB-Verantwortlichen. Chovanec verglich zunächst die technische Ausstattung der Stadien in Deutschland mit derjenigen in seiner Heimat und stellte fest, dass man in Tschechien von den Standards des Nachbarn „nur träumen könne“. Dazu gehören in erster Linie die flächendeckende Videoüberwachung und die damit verbundenen Möglichkeiten der Auswertung der Bilder. „Man muss bei den Lizenzen für die Vereine ansetzen. Wenn die Stadien bei uns in Zukunft nicht den Ansprüchen genügen, kann dort eben nicht mehr Erstligafußball gespielt werden“, so Chovanec.

Dass die Installation der angesprochenen Technik vor allem auch eine Frage des Geldes ist, dürfte allen Beteiligten klar sein. Darauf, wie man diese genau beantworten wolle, ging der Innenminister nicht ein. Als zweiten notwendigen Schritt nannte Chovanec das Errichten von zwei sich ergänzenden Datenbanken nach dem Vorbild der Bundesrepublik. Eine sollte die Polizei anlegen, die andere der Fußballverband. In regem gegenseitigen (wie auch internationalem) Austausch können so gewaltbereite Fans erfasst und vor dem Eintritt ins Stadion abgefangen werden. Als dritten Punkt nahm Chovanec die Vereine in die Verantwortung. Diese sollten sich genau überlegen, ob es wirklich lohnenswert ist, „100 Eintrittskarten mehr an problematische Anhänger zu verkaufen“. Damit forderte der Minister die Klubs indirekt auf, mehr Initiative im Kampf gegen die Hooligans im eigenen Fanlager zu zeigen.

Insgesamt müsse auch der Dialog mit den Fanklubs verbessert werden. In Deutschland übernehmen nicht selten vom Verein mitfinanzierte Fanabteilungen mit professionellen Sozialarbeitern die Rolle der Vermittler zwischen der Anhängerbasis, dem Klub und den staatlichen Organen. Bestrafungen sollten laut Chovanec erst als letzte Option in Betracht gezogen werden.

In Berlin bekräftigten Chovanec und de Maizière ihren Willen, die Bemühungen im gemeinsamen Kampf gegen die grenzüberschreitende Kriminalität zu verstärken. Hierfür soll noch Ende dieses oder zu Beginn des kommenden Jahres ein neues Polizeiabkommen unterzeichnet werden, das die Befugnisse der Polizei beider Länder auf dem Hoheitsgebiet des jeweiligen Nachbarn ausdehnt.

Es ist anzunehmen, dass damit auch das europaweit drängende Problem mit den Hooligans dank besserer polizeilicher Vernetzung effizienter angegangen werden kann. Zur Erinnerung: Laut Experten sollen bei den Ausschreitungen in Ostrava auch Krawallfans aus anderen EU-Staaten beteiligt gewesen sein. So kommt es nicht selten vor, dass auch deutsche Hooligans, die in einer entsprechenden Datenbank erfasst sind, den heimischen Stadien den Rücken kehren und ausländische Spiele besuchen, um dort ihrer Aggression freien Lauf zu lassen. Es wird also höchste Zeit, dass sich Tschechien den Standards seines westlichen Nachbarn zumindest so gut wie möglich annähert.



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