Silberstreifen und Selbstkritik

Silberstreifen und Selbstkritik

Im Messepalast vorgestellt: Eine Rückschau auf 25 Jahre Jindřich-Chalupecký-Preis

13. 10. 2015 - Text: Franziska Neudert, Foto: Michal Gabriel - Tripod (1994), Národní galerie v Praze

Als „gute und tugendhafte Tat“ bezeichnete Václav Havel den Jindřich-Chalupecký-Preis, den er 1990 gemeinsam mit den Künstlern Theodor Pištěk und Jiří Kolář begründete. Damit wollten sie den Kunsthistoriker und -theoretiker Chalupecký würdigen, der im selben Jahr verstorben war. Heute gilt der Preis als bedeutendste Auszeichnung für bildende Künstler unter 35 Jahren. Zum Jubiläum zieht die Prager Nationalgalerie Bilanz. Mit der Ausstellung „Silver Lining – 25 Jahre Jindřich-Chalupecký-Preis“ blickt sie im Messepalast zurück auf die Rolle des Wettbewerbs innerhalb des Kunstbetriebs. Zugleich fragt sie kritisch nach der Beurteilung von Kunst und deren Trag­fähigkeit.

Die Schau versammelt die Werke von 24 der insgesamt 25 bisherigen Preisträger, beginnend bei Vladimír Kokolia, der im ersten Jahr gewann, bis zu Roman Štětina, der 2014 geehrt wurde. Der 29-Jährige ist mit seiner Plastik „Drawing Lesson“ vertreten, einem weißen Zwanzigflächner, der von einer Schokoladenglasur überzogen wird. Einzig Vasil Artamonov und Alexey Klyuykov, die den Preis 2010 gemeinsam erhielten, wollten sich nicht an „Silver Lining“ beteiligen. Als Architekt der Ausstellung wirkte Dominik Lang, Preisträger im Jahr 2013; er gestaltete die Räume des Messepalastes.

„Silver Lining“ will keine Gedenkausstellung sein oder „Hall of Fame“, wie Kurator Adam Budak sagt. Ihm geht es darum, einen kritischen Raum zu schaffen und Objekte zu sammeln, die die Notwendigkeit eines solchen Preises untersuchen. „Die Ausstellung ermöglicht einen Moment der Selbstreflexion. Sie bewegt sich zwischen Triumph und Versagen, Mut und Schwäche. Jedes einzelne Werk ist eine performative Geste, ein Partikel, das zur Kunstgeschichte mit ihrer Kontinuität und ihren Brüchen beiträgt“, so Budak.

Der Titel „Silver Lining“ entstammt einer Zeile des Gedichtes „Comus“ von John Milton: „Eine schwarze Wolke offenbart ihren Silberstreif in der Nacht.“ Damit wolle man, so Budak, Hoffnung und Optimismus betonen, denn hinter allem Schlechten stecke auch etwas Gutes.

Noch nicht in der Ausstellung vertreten ist der Gewinner des aktuellen Wettbewerbs. Werke der fünf Finalisten im Rennen um den Jindřich-Chalupecký-Preis 2015 sind derzeit in der Mährischen Galerie in Brünn zu sehen. Der Sieger des mit 100.000 Kronen dotierten Preises wird am 20. November bekannt gegeben.

Silver Lining. Messepalast (Veletržní palác, Dukelských hrdinů 47, Prag 7), geöffnet: täglich außer montags 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei, bis 17. Januar, www.ngprague.cz



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