Selbstreinigender Effekt

Selbstreinigender Effekt

Die Abiturientin Lucie Leišová schwimmt 180 Kilometer für einen guten Zweck

13. 8. 2015 - Text: Katharina WiegmannText: Katharina Wiegmann; Foto: Lucie Leišová

 

Der Sprung ins kühle Nass der Moldau scheint bei den derzeitigen Temperaturen verführerisch. Beim genauerem Hinsehen dürften jedoch die meisten Menschen vor solch einem Unternehmen zurückschrecken: trübes Wasser wohin das Auge reicht, oft angereichert mit Plastikmüll. Auch Umweltorganisationen raten vom Schwimmen im Fluss ab – zumindest in stadtnahen Gebieten. Die erst 20-jährige Abiturientin und Leistungsschwimmerin Lucie Leišová ließ sich davon nicht beeindrucken. Ihr Plan: das Durchschwimmen der Moldau von České Budějovice (Budweis) bis Prag. Am 1. August beendete sie ihre letzte Etappe von Vrané nad Vltavou nach Velká Chuchle in Prag. Hinter sich hatte sie zehn Tage, 180 Kilometer, Wassertemperaturen von bisweilen lediglich acht Grad, eine Fieber­erkrankung und Hautprobleme.

Angetrieben hat Lucie nicht nur Abenteuerlust und sportlicher Ehrgeiz, sondern vor allem der Wille zu helfen. Mit ihrer Aktion sammelt sie Geld für Radek Duchoň, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Lucie will dem sportbegeisterten 42-Jährigen ein Liegerad kaufen, das ihm etwas mehr Flexibilität in der Fortbewegung ermöglicht. Zusammen­gebracht hat die beiden die Stiftung „Konto Bariéry“, die sich für Menschen mit Handicap engagiert. „Ich bewundere Radeks Energie und seinen Optimismus, genau wie die unglaubliche Stärke, mit der er seine Lähmung bewältigt und die Rückkehr in seinen Alltag geschafft hat. Als ich ihn das erste Mal traf, war mir gleich klar, dass ich ihm gerne helfen würde“, so die junge Schwimmerin aus Příbram.

Inspiriert hat Lucie der aus der Comedy-Serie „Little Britain“ bekannte britische Schauspieler David Walliams, der im Jahr 2011 die Themse auf 225 Kilometern für einen guten Zweck durchschwamm und dabei – wie die Tschechin – widrigen Bedingungen trotzen musste. In seinem Fall schwemmten Regenfälle Abwasser in die Themse. Und auch Lucie hatte mit Verschmutzung zu kämpfen. „Mit schlechten Bedingungen habe ich eigentlich gerechnet, aber was ich alles im Wasser sehe, ist einfach Wahnsinn. Tote Fische, Äste, Plastikflaschen, einfach schrecklich,“ schrieb sie am vierten Tag ihres Abenteuers auf ihrer Facebookseite.  

Im Meistern großer Herausforderungen ist Lucie schon geübt. Letztes Jahr durchquerte sie als zweitjüngste Europäerin die Straße von Gibraltar. Zwar waren es damals nur ungefähr 26 Kilometer, die Lucie in sechseinhalb Stunden zurücklegte, dafür musste sie neben dem Wellengang auch manche Bedenken überwinden: „Ich hatte große Angst vor Haien. Zum Glück haben mich zwei Boote begleitet, deren Besatzung auf mich aufgepasst hat.“ Was sie am Langstreckenschwimmen fasziniert? „Diese immense Erschöpfung und Müdigkeit. Das hat einen selbstreinigenden Effekt und man ist auch sehr stolz auf sich, wenn man sein Ziel mal nicht erreicht.“

Selbst wenn der Wassersport für Lucie eigentlich nur ein Hobby ist und sie ab Oktober an der Karls-Universität Politikwissenschaften studieren wird: Ein neues Ziel hat sie sich schon gesteckt. Im nächsten Jahr will sie den Ärmelkanal durchschwimmen.

Die Spendenaktion für Radek Duchoň läuft weiter. Mehr Informationen unter www.kontobariery.cz



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