Schlechte Umweltbilanz

Schlechte Umweltbilanz

EPH stoppt Import deutscher Braunkohle nach Tschechien

13. 8. 2015 - Text: Franziska NeudertText: fn/čtk; Foto: EPH

Die tschechische Energieholding EPH will den Import von Braunkohle aus Deutschland einstellen. Wie der Sprecher des Unternehmens Daniel Častvaj Ende Juli sagte, werde die EPH zum 31. Dezember dieses Jahres die Einfuhr stoppen.
Umweltschützer kritisieren die grenzüberschreitenden Transporte ostdeutscher Braunkohle bereits seit langem. Umstritten sind vor allem die Bahntransporte der EPH-Tochter Mibrag (Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft), die den Brennstoff aus dem Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt über mehrere hundert Kilometer in die tschechischen Kraftwerke Opatovice und Most-Komořany liefert. Da Rohbraunkohle zu 55 Prozent aus Wasser besteht, stünde der Energieaufwand für derart weite Transporte in einem ungünstigen Verhältnis zum beförderten Energieinhalt. Die ohnehin schlechte Umweltbilanz von Braunkohle würde dadurch verschlechtert, wie Umweltschützer sagen.

Die Naturschutzorganisation Grüne Liga kritisiert zudem die Förderung im Mibrag-Tagebau Vereinigtes Schleenhain südlich von Leipzig. Laut dem Umweltverband sollte der Kohleabbau ausschließlich für das nahegelegene Kraftwerk Lippendorf genutzt werden. Etwa ein Zehntel des Brennstoffs geht jedoch in den Export.

Kritik an der Kohleförderung übt auch der Grünen-Abgeordnete im sächsischen Landtag Gerd Lippold: „Es sieht so aus, als wären hier unsinnige Bergbaustrategien umgesetzt worden, denen das Dorf Pödelwitz unnötigerweise zum Opfer fällt.“ Bis zum Jahr 2018 will Mibrag die 130 Einwohner zählende Gemeinde umsiedeln, um die Kohlevorkommen unter Pödelwitz zu erschließen.

Keine Kohle aus der Lausitz
Laut Lippold habe Mibrag im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Tonnen Braunkohle an tschechische Kondensations- und Heizkraftwerke ausgefahren. Dem EPH-Sprecher zufolge sei die Kohle jedoch ausschließlich für Heizkraftwerke verwendet worden. „Und sie wurde nicht an Dritte verkauft“, versichert Častvaj.

Die Befürchtungen deutscher Umweltschützer, der Kohle-Export aus Tagebauen in der Lausitz würde in den kommenden Jahren erweitert werden, wies EPH zurück. „Was unser Interesse an der Braunkohlesparte von Vattenfall betrifft, so können wir ausschließen, dass es den Kohleexport nach Tschechien berührt“, sagt Častvaj. Bereits im März hatte EPH Interesse an Anteilen des schwedischen Energieunternehmens bekundet, das in der Lausitz Kohle fördert. 

Erfolgreicher Energieversorger
Die 2009 gegründete Dachgesellschaft EPH (Energetický a průmyslový holding) hat ihren Sitz in Prag und vereint mehr als 40 Energieunternehmen in Tschechien, der Slowakei, Polen, Ungarn und Deutschland. In diesen Ländern beschäftigt EPH über 12.000 Mitarbeiter. Auf dem tschechischen Markt ist die Holding, die im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz von rund 3,8 Milliarden Euro und einen Gewinn von knapp 490 Millionen Euro verzeichnete, der wichtigste Gasversorger. Über die Tochtergesellschaft EP Energy ist EPH unter anderem an der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag), der Saale Energie GmbH mit Sitz in Schkopau (Sachsen-Anhalt), am Kohlekraftwerk Opatovice nad Labem (Elektrárny Opatovice, EOP), den Prager Gaswerken (Pražská teplárenská), United Energy (UE) sowie an den Stadtwerken Pilsen (Plzeňská energetika) beteiligt. Etwa zwei Drittel der Anteile an EPH halten Daniel Křetínský und Patrik Tkáč, denen seit Ende 2013 auch die Verlagsgruppe Ringier Axel Springer CZ gehört.   (PZ/EPH)



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