Scharfe Kritik

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Arbeitsministerin rügt Ahold-Gruppe für schlechte Bezahlung bei Albert

17. 11. 2016 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: Albert

Der Chef der Ahold-Gruppe in Tschechien Jesper Lauridsen erhielt am Freitag ein ungewöhnliches Schreiben. In einem offenen Brief kritisierte Arbeitsministerin Michaela Marksová (ČSSD) die Lohnpolitik des Unternehmens. Sie forderte die Firma auf, die Angestellten der Supermarktkette Albert besser zu bezahlen, nachdem die Einzelhandels-Gewerkschaft OSPO am Tag zuvor auf die niedrigen Löhne aufmerksam gemacht hatte. Demnach soll das Durchschnittsgehalt eines Angestellten bei lediglich 12.500 Kronen brutto (etwa 460 Euro) im Monat liegen. Ahold wehrt sich gegen die Vorwürfe und spricht von deutlich höheren Gehältern.

Marksová bemängelte, dass Arbeitnehmer nur symbolisch und minimal am Gewinn großer Firmen beteiligt würden, obwohl diese auch in Krisenzeiten erhebliche Profite verbuchten. Die internationale Ahold-Gruppe machte 2015 einen Gewinn von 852 Millionen Euro – 43 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die deutliche und in allgemeine Kapitalismuskritik verpackte Botschaft der Arbeits­ministerin ist auch eine Reaktion auf die von Albert neulich versprochene, sehr bescheidene Weihnachtsprämie für seine Angestellten. Gewerkschaftschefin Renata Burianová nannte den 300-Kronen-Einkaufsgutschein (etwa elf Euro) einen Hohn und forderte: „Wir bestehen darauf, dass die Prämie mindestens 1.000 Kronen beträgt.“

Derweil verwies Marksová auf die Gefährdung des sozialen Friedens. „Wenn wir in einer soli­darischen und prosperierenden Gesellschaft leben wollen, müssen alle beteiligten Akteure – Staat, Arbeitgeber und Angestellte – in die Pflicht genommen werden.“ Es dürften darum nicht nur die Konzerne profitieren und kaum etwas an die Mitarbeiter auf niedrigeren Stufen weitergeben, so die Sozial­demokratin.

Die Ahold-Gruppe reagierte umgehend auf die Kritik der Gewerkschaft. „Wir haben die Gehälter dieses Jahr schon dreimal erhöht. Vor allem langjährige Mitarbeiter profitieren von der Firmentreue“, erklärte der oberste Personalchef von Ahold in Tschechien Ctirad Nedbálek. Ihm zufolge haben Angestellte, die mehr als fünf Jahre bei Albert an der Kasse sitzen, im Jahr 2016 rund 4,4 Prozent mehr verdient. Außerdem stimme die von der Gewerkschaft genannte Zahl nicht. „Der durchschnittliche Lohn beträgt bei Vollzeit 15.500 Kronen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Wie der Präsident der sozialdemokratisch orientierten Verbraucher-Plattform „idealiste.cz“ Radim Hejduk am selben Tag wie Marksová betonte, sei das im Vergleich zur Konkurrenz immer noch ungenügend. „Kassierer anderer großer Supermarkt­ketten kommen auf rund 20.000 Kronen brutto“, so Hejduk.

Lauridsen bezog zu den Vorwürfen von Hejduk und Marksová keine Stellung. Der Pressemitteilung als Antwort auf die Gewerkschaftskritik folgte ein paar Tage später lediglich die Information über die Sonder­aktionen am Martinstag.



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