Romantischer Universalist

Romantischer Universalist

Die Nationalgalerie widmet sich dem malerischen Talent Vlastislav Hofmans

14. 1. 2015 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Bild: NG

Aus künstlerischer Sicht gehören die zwanziger Jahre zu den herausragendsten in der tschechischen Geschichte. Karel Teige und Jaroslav Seifert gründeten die Kulturbewegung „Devětsil“, Karel Čapek schrieb seine absurden Zukunftsromane, Alfons Mucha beendete das „Slawische Epos“ und in der Architektur entstand ein eigenständiger böhmischer Kubismus. Dieser künstlerischen Blütezeit gehörten aber auch zahlreiche Vertreter an, die heute gerade im internationalen Kontext kaum Beachtung finden. Vlastislav Hofman ist ein Name, der höchstens hiesigen Experten oder Architekturstudenten ein Begriff sein dürfte. Im Grafischen Kabinett des Messepalastes rückt eine kleine Schau das malerische Schaffen eines weitgehend unbekannten Universalisten ins Blickfeld.

Der in Jičín nahe Hradec Králové geborene Hofman studierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Architektur in Prag. Seine Leidenschaft galt der modernen Stadtplanung. Als Verfechter eines neuartigen funktionalen Designs wurde er selbst nicht nur stark von der Bewegung des Kubismus beeinflusst, sondern prägte dessen tschechischen „Ableger“ entscheidend mit. Er arbeitete unter anderem für die Prager Baubehörde und entwarf die Pläne für die Štefánik-Brücke (Štefánikův most) oder das Eingangsgebäude des Dablitzer Friedhofs (Ďáblický hřbitov) im Norden der Stadt. Daneben war Hofman auch als Bühnenbildner am Theater in den Weinbergen (Divadlo na Vino­hradech), Autor kunsttheoretischer Schriften sowie Maler und Grafiker tätig.

Im Gegensatz zu seinem nüchternen, urbanen architektonischen Werk zeichnete er mit Vorliebe Landschaften in der Provinz. In seinen Aquarellen hallt die üppige Pracht des Impressionismus nach. Seine Darstellungen von Hügelzügen, Strand- oder Dorfansichten atmen die Atmosphäre des Landlebens, das er auf ausgedehnten Reisen über den Kontinent genoss.

Somit stellen seine verträumten Malereien einen stilistischen und programmatischen Gegensatz zu seinem städteplanerischen Alltagswirken dar. Es scheint geradezu so, als ob der pragmatische Kubist in seiner Freizeit dem inneren Romantiker frönte, ohne dabei aber seinen Hang zur Abstraktion ganz abzustreifen.

Vlastislav Hofman. Architekt oder Maler? Veletržní palác (Dukelských hrdinů 47, Prag 7), geöffnet: täglich außer montags 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 200 CZK (ermäßigt 100 CZK), Ausstellungsende offen,
www.ngprague.cz



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