Ritter in den Genen

Ritter in den Genen

Vsetín rühmt sich der Tempelherren

24. 8. 2016 - Text: Corinna Anton, Bild: Emil Krupa-Krupinski - Der letzte Tempelritter (1899)

Zwischen Zlín und Frýdek-Místek sind große Sensationen eher selten. Das gilt auch für Vsetín. Immerhin, der ehemalige Ministerpräsident Mirek Topolánek ist dort geboren. Und das „Regionalmuseum der Walachei“ im örtlichen Schloss bewahrt ein Porträt des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk auf, gemalt vom heimischen Maler František Hlavica. Den muss man vielleicht nicht unbedingt kennen. Aber den Namen der Stadt sollte man sich wohl dennoch merken. Am vergangenen Wochenende nämlich erlebte sie einen kurzen Augenblick des Ruhms. Es ging um große Geschichte. Genauer gesagt um die berühmten Tempel­herren, die sich um die Gründung des Ortes verdient gemacht haben.

Bürgermeister Jiří Čunek von den Christdemokraten hat das Gebot der Stunde erkannt. Die Stadt müsse an diesen Teil ihrer Geschichte erinnern, sagte er. „Die Tempelherren reizen bis heute Menschen auf der ganzen Welt. Sie waren außergewöhnlich, schützten die Wege zum Grab Gottes.“ Interesse aus aller Welt? Vielleicht sogar ein Touristenansturm auf Vsetín?

So weltlich denkt man in der Mährischen Walachei nicht. „Wenn wir an die Tempelherren erinnern und unser Leben damit erfüllen, gelangen wir dahin, dass das christliche Europa neu geboren wird. Dann werden wir uns vor keiner anderen Religion mehr fürchten müssen.“ Eine gewagte These im atheistisch geprägten Tschechien. Vielleicht wird Vsetín am Ende noch zum Mekka der Anti-Islam-Bewegung – und Konvička, Okamura und wie sie alle heißen, pilgern gemeinsam in die Walachei, um den Tempelherren zu huldigen.

Vsetín gehörte an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert elf Jahre lang den Tempelrittern. Laut Historiker Pavel Mašláň könnte Vsetín von den Herren gegründet oder zumindest zur Stadt erhoben worden sein. Archäologische Funde, die Mašláňs These belegen würden, gibt es bislang nicht. Aber könnte es nicht sein, dass noch immer tempelritterliches Blut in den Adern der Bewohner von Vsetín fließt? Das wäre natürlich eine Sensation, die dann auch noch – wie passend – mitten im Sommerloch ans Licht kommt.

So dachten vielleicht die einheimischen Journalisten, als sie ihre Recherche begannen und Mašláň nach möglichen Nachkommen fragten. Doch der machte den Traum vom Tempelritter junior rasch zunichte. Das müsste schon ein großer Zufall sein, so der Historiker. Böse Zungen könnten fast sagen: mit dem Teufel zugehen. Denn die Tempelherren seien ja Mönche gewesen und hätten als solche, wie die Tschechische Nachrichtenagentur sachkundig erklärt, „keinen Kontakt mit Frauen und Kindern“ gehabt.

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