Quelle der Inspiration

Quelle der Inspiration

Das Tanzfestival „KoresponDance“ zeigt die historischen Bezugspunkte des zeitgenössischen Tanzes auf

21. 11. 2012 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: KoresponDance

Zeitgenössischer Tanz, moderner und postmoderner Tanz, Ausdruckstanz: für den Laien sind das schwer einzuordnende Begriffe, in der Szene werden sie weltweit kontrovers diskutiert. Tanz bietet mehr Spielraum für Interpretationen, als viele andere künstlerischen Ausdrucksformen. Das war schon zu Zeiten der Hochblüte des klassischen Balletts so und hat sich bis heute nicht geändert. Das internationale Festival des zeitgenössischen Tanzes „KoresponDance“ in Prag widmet sich vom 27. November bis 4. Dezember der Frage, ob und wie die Geschichte (des Tanzes) eine Quelle der Inspiration für aktuelle Inszenierungen sein kann. Die Antworten werden in zwei prägenden Epochen des Genres gesucht: im Barock sowie im postmodernen Tanz.

Letzterer wurde wesentlich von der freien New Yorker Gruppe „Judson Dance Theatre“ geprägt, die sich aus Klassen des legendären Robert Dunn rekrutierten. Dem Weggefährten des weltbekannten Komponisten John Cage ging es darum, althergebrachte Konventionen in Lehre und Darbietung zu durchbrechen. So ist der postmoderne Tanz eine Antwort auf die apodiktischen Vorstellungen des „modern“ genannten Vorgängers.

Konventionen durchbrechen
Den Protagonisten ging es darum zu zeigen, dass alltägliche Bewegungen ebenso aufführungstauglich sind wie die einstudierten, dass eine jede Rührung ein Teil eines Tanzes ist und ein jeder Mensch ein Tänzer. In diesem Sinne wird die US-Amerikanerin Martha Moore am Eröffnungstag des Festivals eine interaktive Lektion unter dem Motto „postmoderner Tanz heute“ durchführen. Eingeladen und aufgerufen mitzumachen sind Fortgeschrittene genauso wie Laien. Der Workshop findet um 20.30 Uhr im Theater Archa statt. Zwei Tage später wird Moore zusammen mit dem Franzosen Félix Perrotin im Theater „Alfred ve dvoře“ das Stück „John and Jane Installation“ aufführen und eine Kostprobe ihres Könnens und Verständnisses von postmodernem Tanz zum Besten geben.

Barocke Spuren
Auf der selben Bühne geht die in Tschechien tätige britische Choreographin Andrea Miltner den Spuren barocken Tanzes in der aktuellen Szene nach. Auf ihre Stücke „Fractured“, „Folia“ und „Dance of the magnetic Ballerina“ folgt eine moderierte Diskussionsrunde. Die zentrale Frage wird sein, welche darstellerischen Verbindungspunkte zwischen dem etwas steif anmutenden, klassischen Barocktanz und dem oftmals improvisiert wirkenden Tanzformen von heute bestehen. Die Kombination aus Performance und Diskussion zieht sich als roter Faden durch alle Veranstaltungen des Festivals. So kann sich der Besucher nach dem ästhetischen Erlebnis mit den theoretischen Fragen des Stoffes befassen und sich somit ein eigenes Bild von der Form und Begrifflichkeit des zeitgenössischen Tanzes machen.

Programm unter www.se-s-ta.cz



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