Polnischer Ramschhändler

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Botschafterin protestiert gegen Werbung von T-Mobile

10. 12. 2014 - Text: Corinna AntonText: ca/čtk; Foto: T-Mobile

Die polnische Botschafterin in Prag hat sich in der vergangenen Woche über einen Werbespot der tschechischen T-Mobile-Tochter beschwert. Der Werbefilm, in dem ein Pole als Händler schlechter Mobiltelefone aufgetreten war, wird mittlerweile nicht mehr ausgestrahlt. Die Reklame sei als Übertreibung gedacht gewesen und man habe niemanden beleidigen wollen, erklärte Unternehmenssprecherin Martina Kemrová. Die Schiedskommission des tschechischen Rats für Reklame sah das jedoch anders: Sie bezeichnete den Werbespot, mit dem sie sich am Donnerstag vergangener Woche beschäftigte, als unsittlich. Die Entscheidung des Gremiums hat lediglich empfehlenden Charakter, T-Mobile reagierte dennoch mit der Einstellung des Spots.

In dem Kurzfilm tritt der tschechische Schauspieler Ivan Trojan als Lehrer auf, der mit seiner Klasse im verschneiten Wald nahe der Grenze zu Polen unterwegs ist. Als sein Mobiltelefon nicht mehr funktioniert, taucht ein als Tannenbaum verkleideter polnisch sprechender Mann mit Schnurrbart auf, der dem Lehrer anbietet, sein Telefon gegen ein anderes einzutauschen. Das neue Telefon geht sofort kaputt, der polnisch sprechende Baum ist unterdessen bereits wieder verschwunden.

Die Werbung stieß auf Protest in den polnischen Medien. Die Botschafterin in Prag Grażyna Bernatowicz machte ihrem Ärger in einem Brief an das Telekommunikationsunternehmen Luft: „Die Fernsehwerbung von T-Mobile (…) war für mich eine unangenehme Überraschung. Ich protestiere ausdrücklich gegen eine solche Verbindung, die die Polen in vereinfachender und skandalisierender Weise darstellt“, schrieb die Botschafterin und bat um sofortige Einstellung des Spots.

T-Mobile-Chef Milan Vašina bot daraufhin ein persönliches Treffen an, bei dem er Bernatowicz die Situation erklären wollte. „Wir bedauern, dass unsere Werbung, die schon lange Zeit auf Übertreibungen und einen bestimmten Humor setzt, jemanden verletzen konnte“, so Vašina. Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass das Unternehmen auf nationale Stereotype setzt. Kürzlich wurde zum Beispiel ein slowakischer Spot ausgestrahlt, in dem die Tschechen nicht allzu gut wegkommen. Zum aktuellen Fall fügte der Unternehmenschef hinzu: „Obwohl wir überzeugt sind, dass die Werbung unter ethischen und gesetzlichen Gesichtspunkten in Ordnung ist, haben wir uns entschieden, sie einzustellen, und zwar noch vor dem Treffen mit der Botschafterin.“



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